„Jeder Tag, an dem die Therme nicht offen ist, kostet uns Geld“, sagt die Bad Herrenalber Stadträtin Dorothea Müller. Aber es gab nicht nur schlechte Nachrichten.
Die Wiedereröffnung der Siebentäler Therme verschiebt sich auf das Frühjahr 2027. Zudem kostet sie auch noch deutlich mehr. Das beschäftigte jetzt auch den Bad Herrenalber Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. In die war nämlich auch Jens Walter, Geschäftsführer der Bäderbetriebe, gekommen, um einen aktuellen Sachstandsbericht zu den Arbeiten an der Großbaustelle abzugeben. Mit dabei war auch Architekt Jochen Krämer, der das Projekt als Berater seit Anfang 2023 begleitet.
Walter wies darauf hin, dass es einen „erheblichen Koordinierungsaufwand bei den Gewerken gegeben habe“. Zudem hätte die Witterung Einfluss auf die Baustelle gehabt. Diese Faktoren hätten dann schließlich zu der Verzögerung um mehrere Monate geführt.
Eingeplante Reserve ist aufgebraucht
Die Kosten erhöhen sich auf 17,4 Millionen Euro und liegen damit um rund 636.000 Euro über der letzten Prognose aus dem Jahr 2025. Walter verdeutlichte, dass auch die eingeplante Reserve aufgebraucht sei. Deshalb sei jetzt auch in der Übersichtstabelle des Projektstatusberichts von einem „negativen Puffer“ in Höhe von 646.000 Euro die Rede.
Teurer wird es in den Bereichen Baukonstruktion, technische Anlagen, küchentechnische Anlage sowie bei den Außenanlagen und Freiflächen. Bei der Baukonstruktion sind die Kosten insgesamt um rund 735.000 Euro gestiegen, im Vergleich zum bereits bekannten Ist-Wert der Vorperiode um 254.000 Euro. Die Kosten für Außenanlagen und Freiflächen steigen um rund 158.000 Euro und die technischen Anlagen um rund 389.000 Euro. Der Anteil an noch offenen Vergaben beläuft sich auf 4,75 Millionen Euro. Rund ein Viertel ist also noch nicht vergeben.
Volker Schlöder (Grüne Plus) fragte nach, ob denn nicht im Januar 2025 eine zehnprozentige Reserve eingeplant worden sei? „Und die ist aufgebraucht und wir sind schon drüber?“ Krämer erwiderte, dass die Reserve nicht zehn Prozent, sondern etwa 600.000 Euro betragen habe.
Glas für Fassade wird früher geliefert
Trotz der Verzögerungen würden die Arbeiten voranschreiten und es sei begonnen worden, die Gebäudehülle dicht zu bekommen. Vorher sei die provisorisch mit OSB-Holzplatten geschlossen gewesen. Außerdem sei unter anderem eine 16 Tonnen schwere Lüftungsanlage vom Dach abgebaut worden. Auch hier sei die Abdichtung erfolgt. Zudem habe man in Gesprächen mit den Architekten erreicht, dass die Bauleitung um einen weiteren Bauleiter aufgestockt worden sei.
Die meisten Arbeiten finden laut Walter derzeit im Saunabereich statt. Die Stützwände im Außenbereich seien fertiggestellt. Die Arbeiten des Garten- und Landschaftsbaus verschieben sich witterungsbedingt auf Mitte Mai. Walter zeigte sich aber zuversichtlich, dass diese Arbeiten eventuell ein oder zwei Wochen früher starten könnten.
Bei der Glasfassade als sehr wichtigem Bestandteil des Projekts habe man mit den Firmen „einige Runden drehen müssen“, so Krämer. Ursprünglich sei der Einbau früher geplant gewesen. Nun habe man aber die Glaslieferung von Ende Mai auf den 5. Mai vorziehen können und könne die „Fassade jetzt fertigstellen“.
Dorothea Müller (Grüne Plus) fragte nach, ob sich die Fertigstellung weiter verzögern und noch einmal teurer werden könnte. Sie fügte zudem an: „Jeder Tag, an dem die Therme nicht offen ist, kostet uns Geld.“ Walter erwiderte: „Das mit den fehlenden Erlösen ist uns sehr wohl bewusst.“ Den aktuellen Zeitplan bezeichnete er als belastbar, aber man könne nicht sehen, „was Unvorhergesehenes dazwischenkommt“.
Susanne Schaeff (Grüne Plus) stellte eine Anfrage an die Verwaltung, welche finanziellen Auswirkungen die Verzögerung der Fertigstellung für den kommunalen Haushalt dieses und nächstes Jahr haben in Bezug auf Personal oder fehlende Einnahmen.
Kämmerer Philipp Göhner erwiderte, dass man sich diese Fragen auch gestellt habe. Göhner sei mit Walter daran, diese Zahlen aufzuarbeiten und will die spätestens mit Ablauf des zweiten Quartals liefern. Wolfhart König (UBV) fragte wegen der bislang defizitären Therme dazu nach: „Sparen wir nicht Geld, wenn wir das Thermalbad nicht öffnen?“
Gastronomie noch nicht ausgeschrieben
Sara Brockmans (Pro H&H) fragte nach dem aktuellen Stand bei der Gastronomie. Die Ausstattung der Küche sei in der Vergabe, die Suche nach einem Pächter sei aber noch nicht ausgeschrieben, so Walter. Durch die Verzögerung sei dies auch zeitlich nach hinten gerutscht und werde frühestens ein halbes Jahr vor der Eröffnung angegangen.
Monika Amann (Grüne Plus) wollte wissen, ob zusätzliche Kredite benötigt würden. „Stand gerade reicht die Liquidität und die finanziellen Mittel“ antwortete Walter.
Kritik kam von Michael Grzondziel (Pro H&H). „Jedes Projekt wird teurer und dauert länger. Das wussten wir schon bei der ersten Entscheidung“, sagte er zunächst.
Nicht zufrieden war er mit der Präsentation des Projektstatusberichts. „Wie viel Risiko habe ich, dass noch was von den Kosten abweichen kann?“, fragte er sich. Zudem würden die Tabelle und das gezeigte Tortendiagramm nicht zusammenpassen. „Ich erwarte, dass der vierte Projektstatusbericht richtig ist“, so Grzondziel weiter.