Ihr Antik-Café Auf Rinelen war ihr Traum – doch dieser hat sich jetzt ausgeträumt. Dunja Wally schließt ihr Café. Bezüglich den Gründen geht sie mit den Schwenningern hart ins Gericht – sogar von Mobbing ist die Rede.
Bereits der Blick ins Schaufenster des Antik-Cafés Auf Rinelen verrät, dass es sich hier um kein herkömmliches Café handelt. „Erwachsenen Café“ steht dort auf einer schwarzen Kreidetafel.
Mit ihrem Konzept eines Cafés im Antik-Look und einem integrierten Schwarzwald-Kaufladen mit regionalen Produkten wollte sich Dunja Wally einen Traum erfüllen – doch ganz so so traumhaft blieb es dabei für sie nicht.
Im Juli vergangenen Jahres stand das Antik-Café kurz vor der Schließung. Und jetzt scheint die Entscheidung final zu sein.
Eine missverstandene Wohlfühloase?
Es sollte der Traum eines „Cafés am Rande der Welt im Schwarzwald sein“, ein Ort „an dem man in Ruhe mal einen Kaffee trinken kann“, wie es Dunja Wally ausdrückt. Eine – ihren Worten zufolge – „Wohlfühloase“.
Auch wollte Dunja Wally regionale Bauern mit ihrem Schwarzwald-Kaufladen unterstützen und bot neben Deko-Artikeln im Schwarzwald-Look glutenfreie Nudeln, vegane Backwaren und mehr an. Im Café selbst gab es jedoch einige Regeln: Klingelnde Handys waren tabu, laute Gespräche oder quengelnde Kinder ebenso. Ein besonderes Konzept sollte es sein, etwas, das es so nicht gibt, eine „Ruheoase“ für jeden, der eine brauchen könnte. Um dies plakativ kundzutun, hat sie auch ein passendes Schild draußen im Schaufenster angebracht. „Ich wollte endlich voll und ganz zu meinem Konzept und Traum stehen“, erklärt Dunja Wally. Doch jetzt, so sagt sie, sei sie mit diesem Traum gescheitert. Denn das Antik-Café wird es bald nicht mehr geben.
Sie fühlt sichmissverstanden
„Für das, was ich hier oben machen wollte, bin ich einfach die falsche“, sagt sie im Gespräch mit der Redaktion. Zum März wird das Antik-Café Auf Rinelen Geschichte sein. Ab dem 1. Februar wird ein Warenausverkauf stattfinden, ab dem 1. März ein Geschäftsräumungsverkauf.
Doch was war der ausschlaggebende Punkt? Kinder, die im Café herumrennen, „während die Eltern nur am Handy sitzen“, das wollte sie nie in ihrem Laden, was zu Auseinandersetzungen mit Kunden geführt habe und auch hätten es die Leute nicht verstanden, weshalb sie nur in Teilzeit geöffnet habe.
Ihr Antik-Café sollte gänzlich nach ihren Bedürfnissen ausgerichtet sein und dazu gehörten eben auch die eingeschränkten Öffnungszeiten – „die Leute dachten, mir geht es zu gut, niemand hat mal nach dem Wieso gefragt“, erzählt Wally.
Sie sei „zu eigen gewesen“
Mit ihrer Art und dem, was sie mit ihrem Antik-Café erreichen wollte, sei sie für die Schwenninger „einfach zu eigen“ gewesen. Und mit diesen geht sie hart ins Gericht, spricht sogar von Mobbing.
„Zu mir hat man gesagt, mich lasse man hier oben verhungern“, berichtet sie betroffen. Andere Leute hätten sich geweigert, bei ihr einzukaufen, aufgrund ihrer Haltung zu Kindern im Café. Andersartigkeit und ihr Konzept sei von den Schwenningern „abgestempelt und abgestraft“ worden. Ganz klar sagt sie: „Das was ich zu geben habe, passt nicht zu den Leuten hier und ihrer Denkweise.“
Während des Gespräches mit unserer Redaktion sitzt sie grübelnd vor einer Kaffeetasse. „Ich wünsche mir, dass die Leute flexibler sind, andere Angebote und Konzepte akzeptieren und ausprobieren und die Leute so nehmen, wie sie sind.“ Die Idee ihres Cafés sei gescheitert, weil sie von den Leuten Auf Rinelen nicht unterstützt wurde. Dankbar zeigt sie sich jedoch für treue Kunden: „Ich hatte auch einige Stammgäste, die immer gekommen sind um Kuchen zu kaufen. Über diese habe ich mich sehr gefreut."
Mehrwertsteuer sorgt fürGenickbruch
Doch auch ein anderer Grund habe ihrem Antik-Café mit Schwarzwaldkaufladen das Genick gebrochen: Die umstrittene Rückkehr der Mehrwertsteuer für Gastro-Betriebe von sieben auf 19 Prozent. „Seitdem das durch die Medien ging, hatte ich keine einzige Frühstücksbuchung mehr“, berichtet sie rückblickend. „Die Angstschürerei der Politik macht die Läden kaputt.“
Auf der Suche nach einem Abnehmer
Doch mit ihrem „Lebenstraum“ gingen auch hohe Investitionskosten einher. Das Mietobjekt des Ladens Auf Rinelen sei zum Zeitpunkt ihres Einzuges in keinem aktuellen Zustand gewesen, also habe sie die Fläche auf eigene Faust und aus eigener Tasche renoviert und auf aktuellen Gebäudestandard gebracht. Im Gegenzug dazu habe sie eine günstige Miete bekommen.
Jetzt hofft sie zusammen mit ihrem Makler Objektkonzept auf einen Nachmieter, der ihr den Laden für eine – wie sie wirbt, „günstige“ – Ablösesumme abnehmen könnte. Der jetzige Zustand des Cafés könnte so komplett übernommen werden – denn sonst müsste dieser zurückgebaut werden. Sie hofft auf einen Nachmieter, der „mit einem tollen Bistro-Konzept durchstarten könnte“, denkbar sei etwa auch ein Späti, oder eben etwas anderes, das „hier oben hinpasst“, wie sie im Blick auf das Gebiet Auf Rinelen sagt.
Jemand anderes soll die Chance bekommen
Auch würde sie sich wieder über ein weiteres Café freuen oder einem Projekt junger Frauen, die etwas ausprobieren wollen. Die Genehmigung für ein Café oder Bistro-Konzept auf der Ladenfläche sei ja mittlerweile da. „Jemand anderes soll die Chance bekommen sich hier etwas aufzubauen, jemand, der sonst vielleicht nicht die Chance gehabt hätte“, hofft sie. Denn dann hätten alle was davon, dass aus ihrem Lebenstraum nichts wurde. Ein Ende für sie könne ja schließlich ein Anfang für jemand anderen sein.