Hyalomma-Zecken verfolgen ihre Opfer und können eine tödliche Krankheit übertragen. Wir haben beim Landratsamt nachgefragt, ob die blutsaugenden Parasiten auch in der Region heimisch sind – und wie man sich vor ihnen schützen kann.
Manchmal kann ein entspanntes Picknick im Gras tückisch sein: Auf einmal juckt es und eine Hautstelle ist gerötet. Da hilft dann nichts außer einer Pinzette, um die festgesaugte Zecke zu entfernen.
Und als wären die bereits heimischen Tiere nicht genug, gibt es da auch noch die Hyalomma-Zecke – die mit einem Stich eine potenziell tödliche Krankheit übertragen kann.
Wir haben uns bei der Abteilung „Gesundheit und Versorgung“ des Landratsamts Calw erkundigt, was es mit dieser Zeckenart auf sich hat und ob man sich im Kreis vor ihr fürchten muss.
Ist die Hyalomma-Zecke in der Region heimisch?
Ursprünglich kommt der Parasit aus dem Süden Afrikas beziehungsweise Nordafrika und dem Mittelmeerraum, sagt Alexander Lindau, Professor an Universität Hohenheim für das Fachgebiet Parasitologie, bei dem die Abteilung „Gesundheit und Versorgung“ Informationen einholte.
Und man kann erst einmal aufatmen: Denn laut Lindau ist Hyalomma in Deutschland nicht verbreitet. Aufgetaucht ist sie aber trotzdem schon: „Es kam in der Zeit 2019 bis 2023 zu circa 220 eingeschleppten Zecken, die im Rahmen einer Citizen-Science-Studie gemeldet wurden“, erklärt der Experte. Doch „keine davon stammte aus dem Kreis Calw“.
Eine künftige Ansiedlung im Kreis Calw – ist das möglich?
„Eine Einschleppung in den Landkreis Calw ist natürlich in Zukunft denkbar“, meint Lindau. Die Zecken würden mit Zugvögeln nach Deutschland kommen. Doch optimale Bedingungen hätten sie im Kreis Calw nicht, wie der Professor erläutert.
Denn die Zeckenart benötige eine Umgebung, in der sie über eine Dauer von mindestens 30 Tagen eine Luftfeuchtigkeit deutlich unter 80 Prozent sowie Temperaturen oberhalb von 25 Grad habe.
Eine Verbreitung der Art würde Lindau eher in der Region Kaiserstuhl erwarten und betont: „Wie gesagt gibt es aber bisher keinen Ort, an dem mehrmals Zecken dieser Gattung gefunden wurden.“
Was begünstigt die Ausbreitung der Zeckenart?
Ein Faktor ist die Einschleppung durch Menschen – der andere der Klimawandel. „Dieser ermöglicht durch längere heiße Trockenperioden die Häutung von Nymphe zum adulten Tier“, sagt Lindau.
Ist die Hyalomma-Zecke wirklich so gefährlich?
Ein klares Ja des Experten – und zwar sowohl für Menschen als auch für Vierbeiner. Sie seien unter anderem Überträger des Krim-Kongo-Fiebers, das mit potenziell tödlichen Blutungen einhergehen könne.
Und „sie übertragen auch das Alkhurma-Fieber (viral), hier kann aktuell noch nicht abgeschätzt werden, wie gefährlich das für Menschen ist“, führt der Experte weiter aus.
Woran erkennt man die Zeckenart?
Sie ist deutlich größer als herkömmliche Zecken – vollgesogen bis zu zwei Zentimeter. Außerdem hat sie „einen bräunlich-grauen Rücken und hellere Beine, die gebändert wirken“, so der Experte.
Und der Parasit ist eine regelrechte Jagdzecke. Denn „sie läuft gezielt auf Wirte zu und kann diese auch verfolgen“.
Wie sollte man sich generell am besten vor Zecken schützen?
Auch wenn die Hyalomma-Zecken in der Region noch nicht verbreitet sind, gibt es einige andere Arten, die längst heimisch sind und Krankheiten wie FSME und Borreliose übertragen können.
Der Professor gibt daher Tipps, wie man sich vor den Parasiten wappnen kann. Einen speziellen Schutz vor der Hyalomma-Art gibt es überdies nicht. Allgemein sei die Verwendung von Zecken-Repellents (also etwa Anti-Zecken-Spray) sinnvoll, auch wenn Lindau meint, dass nichts eine 100-prozentige Sicherheit bringen könne.
Auch die FSME-Impfung und das Absuchen nach Aufenthalt im Zeckenhabitat (grundsätzlich auch der eigene Garten und der Spielplatz) empfiehlt der Experte. Wichtig sei es außerdem, die Zecken schnell zu entfernen sowie „Stiche beobachten und wenn nötig einen Arzt konsultieren“.
Werden dieses Jahr mehr Zecken als zuvor erwartet?
„Hier kann man keine pauschale Antwort geben, da einzelne Standorte stark voneinander abweichen können“, sagt Lindau. Doch: „ Es ist aber insgesamt mit vielen Zecken zu rechnen.“
Zwar gebe es immer wieder Schwankungen in der Zeckendichte. „Insgesamt kann man aber sagen, dass, aufgrund der milden Winter allgemein eine Zunahme zu verzeichnen ist“, so der Professor.