Nordamerikanische Ochsenfrösche gefährden das heimische Ökosystem. Darum werden sie hierzulande geschossen. Foto: dpa/Robin Loznak

Die hochinvasive, nordamerikanische Amphibienart stellt insbesondere im Raum Karlsruhe ein Problem dar. Trotz aller Eindämmung könnten sich die Tiere aber weiter ausbreiten – wenn sie es nicht bereits getan haben. Vielleicht auch in den Kreis Calw.

Wandert eine Art in ein für sie fremdes Ökosystem ein, kann das fatale Folgen für heimische Lebewesen haben. Ein Beispiel dafür stellt der Nordamerikanische Ochsenfrosch dar.

 

Wie ernst diese Bedrohung ist, belegen allein die drastischen Maßnahmen im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe.

630 Ochsenfrösche erlegt

630 Ochsenfrösche wurden 2023 in der Umgebung von Karlsruhe erlegt, im Jahr zuvor waren es sogar rund ein Drittel mehr. Taucher holen zudem Kaulquappen der Tiere aus Baggerseen.

Vor rund einem Monat ließ das Regierungspräsidium sogar einen Teich bei Ötigheim im Kreis Rastatt leerpumpen, weil dort illegal Laich ausgebracht worden war und sich bereits Kaulquappen entwickelten.

50 000 Eier pro Weibchen und Laichvorgang

Da ein Weibchen bis zu 50 000 Eier produzieren kann, könnte es ohne solche Maßnahmen zu einer explosionsartigen Vermehrung und Ausbreitung kommen. Auch im Kreis Calw?

Auf Anfrage unserer Redaktion gibt Valerie Nußbaum, Pressesprecherin des Landratsamtes Calw, Auskunft.

Gibt es im Kreis Calw Vorkommen des Nordamerikanischen Ochsenfrosches?

„Für den Landkreis Calw ist aktuell sowie in der Vergangenheit kein Vorkommen des Nordamerikanischen Ochsenfrosches bekannt“, gibt Nußbaum zunächst Entwarnung.

Heimisch seien die Tiere eigentlich ausschließlich in Nordamerika, östlich der Rocky Mountains von Florida bis Südkanada. Weltweit zähle die Art zu den größten unter den Amphibien. Erwachsene Frösche erreichen eine Körperlänge von bis zu 20 Zentimetern, Kaulquappen werden bis zu 15 Zentimeter lang.

Wahrscheinlich über den Zoofachhandel

Aber: Der Nordamerikanische Ochsenfrosch „wurde in der Vergangenheit in mehreren Ländern ausgesetzt“, berichtet die Sprecherin des Landratsamtes. „Im Raum Karlsruhe gelangte er sehr wahrscheinlich über den Zoofachhandel in die freie Wildbahn.“

Erst im August 2016 wurde eine erste Liste der EU veröffentlicht, auf der invasive Arten zu finden sind, die demnach weder in EU-Gebiet gebracht, noch dort gehalten, gezüchtet, gehandelt, zur Fortpflanzung gebracht oder in die Umwelt freigesetzt werden dürfen.

Schwarzwald als „physische Barriere“?

Für den Raum Karlsruhe kam diese Regelung offenbar zu spät. Von dort aus breitete sich die Art aus und etablierte sich vorrangig an größeren Gewässern entlang des nördlichen Oberrheins. Daher sei dort auch eine weitere Ausbreitung zu erwarten, so Nußbaum.

Ob der Schwarzwald eine „physische Barriere“ gegen das weitere Vordringen des Frosches darstelle, sei schwer zu beurteilen.

Insgesamt sei „nicht auszuschließen, dass er auch in den Landkreis Calw gelangen könnte. Besonders problematisch ist die Umsiedelung von Laich, Larven und adulten Tieren durch (unwissende) Privatpersonen“, so die Sprecherin.

Warum ist die Art so problematisch?

Der Nordamerikanische Ochsenfrosch gilt als Gefahr für die heimische Tierwelt, weil er einerseits, so Nußbaum, mit heimischen Amphibien um Nahrung konkurriert und diese somit verdrängen könnte.

Andererseits stelle seine räuberische Lebensweise ein Problem dar. „So frisst er alle lebenden Tiere, die kleiner sind als er selbst und die er erbeuten kann. Dazu gehören beispielsweise Kleinsäuger, Fische, Vögel, andere Amphibien, Reptilien und Insekten“, zählt die Sprecherin auf.

Nicht zuletzt übertrage er einen für Amphibien gefährlichen Pilz – und habe zudem keine natürlichen Feinde, was eine rasante Ausbreitung fördere. In Nordamerika werden die Tiere von Krokodilen, Alligatoren oder Schlangen gefressen.

Was kann gegen das Vordringen der Art getan werden?

Gegenwärtig werde der Ochsenfrosch auf verschiedene Arten bekämpft – abhängig von dessen Entwicklungsstadium.

Nur den Laich zu entnehmen sei wenig sinnvoll, da dieser nicht in Ballen an Pflanzen hafte, sondern die Tiere diesen frei ins offene Gewässer legen.

Kaulquappen würden mit Keschern, Netzen und teilweise auch von Tauchern gefangen entnommen.

Spezielles Team mit Kleinkaliberwaffen

Junge und ausgewachsene Ochsenfrösche seien buchstäblich zum Abschuss freigegeben. „Die höhere Naturschutzbehörde des Regierungsbezirks Karlsruhe hat für diese Zwecke ein beauftragtes Team mit speziell dafür hergestellten Kleinkaliberwaffen“, führt Nußbaum aus.

Außerdem würden „die Randbereiche des aktuellen Verbreitungsgebiets regelmäßig kartiert, um eine weitere Ausbreitung umgehend zu erkennen“.

Wenn Bürger auf auffälligen Laich, Kaulquappen oder Fröschen stoßen, wie sollten sie sich verhalten?

„Falls auffälliger Laich, Kaulquappen oder adulte Tiere gesichtet werden, ist dies unverzüglich der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde zu melden“, rät die Sprecherin.

Um sicher beurteilen zu können, ob es sich tatsächlich um den Nordamerikanischen Ochsenfrosch handele, müssten zudem Fotos der Tiere mitversandt werden.