200 Beamte haben sich am Mittwoch beim Sicherheitstag des Polizeipräsidiums Offenburg beteiligt. Zwischen Ettenheim und Rastatt zeigten sie Präsenz auf der Straße.
Drei Männer in Straßenkleidung sprechen am Mittwochmorgen in der belebten Offenburger Hauptstraße unvermittelt eine Frau mit E-Scooter an. Diese schaut zunächst verdutzt, bis sich die Männer als Beamte in zivil zu erkennen geben und Papiere sehen wollen. Schon auf dem Weg zum Pressegespräch mit Polizeipräsident Jürgen Rieger am Offenburger Bahnhof machte sich so der Sicherheitstag bemerkbar.
Kontrollen in den Innenstädten, verdeckte Maßnahmen auf der Straße oder Einsätze im Rotlichtmilieu – ein bis zwei Mal im Jahr mobilisiere das Polizeipräsidium sämtliche Kräfte. So erklärte Rieger den Sicherheitstag wenig später Pressevertretern. Präsidiumsweit waren zwischen 7 und 24 Uhr rund 200 Polizeibeamte im Einsatz.
„Ziel ist, dass wir Präsenz zeigen und ein Signal setzen. Wir wollen das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung stärken, haben aber natürlich auch Aufgriffe im Blick und klären auf“, fasste Rieger weiter zusammen. Er beobachte, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger nicht nicht immer zur „objektiven Sicherheit“ passe. So sei etwa die Zahl der Straftaten im öffentlichen Raum im vergangenen Jahr deutlich gesunken.
Straftaten im öffentlichen Raum gehen 2025 zurück
Fast 17.500 Straftaten im öffentlichen Raum registrierte das Polizeipräsidium Offenburg im vergangenen Jahr, verrät der Blick in die Statistik. Gegenüber 2024 sind das rund elf Prozent weniger, verteilt über nahezu alle Deliktfelder sowie die Ortenau, den Landkreis Rastatt und Baden-Baden.
Insbesondere die Zahl der Angriffe mit Klingen im öffentlich Raum ging um 32 Vorfälle auf 71 Taten zurück – das entspricht 31 Prozent. Die Zahl der Straftaten im öffentlichen Raum lag 2025 insgesamt etwas niedriger als im Vor-Corona-Jahr 2019 (fast 19.000 Straftaten).
Um die positive Entwicklung des vergangenen Jahres weiter fortzusetzen engagierte sich jedes der neun Polizeireviere im Präsidiumsgebiet auf unterschiedliche Weise. So rückte in Lahr etwa die Sicherheit in der Innenstadt in den Fokus.
In Offenburg galt die besondere Aufmerksamkeit der Beamten insbesondere dem Bereich rund um den Hauptbahnhof und den Pfählerpark am Busbahnhof. Dort fand auch das Pressegespräch statt, bei dem zudem Offenburgs Revierleiter Guido Kühn Rede und Antwort stand. „Wir hatten heute morgen schon einen Aufgriff – die Festnahme eines Drogenhändlers im Pfählerpark“, verkündete Kühn.
Ergebnisse des Sicherheitstags gibt es erst am Folgetag
Die Grünfläche galt in der Vergangenheit als Hotspot der Offenburger Drogenszene, wurde im Laufe der Jahre jedoch durch die Stadt aufgewertet und durch die Polizei intensiv in den Blick genommen. Mittlerweile habe sich die Situation deutlich verändert, so Kühn – jedoch gebe es rund um den Bahnhof viele Fahrraddiebstähle.
„Wir werden nie eine kriminalitätsfreie Gesellschaft haben“, konstatierte Rieger am Mittwoch abschließend. Sogenannte Angsträume wolle sein Präsidium jedoch gemeinsam mit den Kommunen und Bürgern beseitigen. Daher gebe es das Angebot an die Städte und Gemeinden, gemeinsame Sicherheitsbegehungen zu machen, wozu auch die Bevölkerung eingeladen sei. „Oft sind es die kleinen Aktivitäten, die eine große Wirkung zeigen“, so der Polizeipräsident.
Was der Sicherheitstag präsidiumsweit ergebe, müsse sich erst zeigen, so Rieger am Mittwoch. Ein Fazit wird die Polizei erst am Donnerstag veröffentlichen.
Mehr psychisch Kranke
Laut Kriminalitätsstatistik stieg die Zahl der Übergriffe auf Polizeibeamte 2025 wieder an. Darauf angesprochen erklärte Offenburgs Revierleiter Guido Kühn, dass die Beamten seit einigen Jahren mit immer mehr psychisch kranken Menschen konfrontiert seien, die häufig aggressiv reagierten. „Ob das mit Corona oder der Situation der Welt zu tun hat, können wir nicht sagen. Wir merken es aber in unserem Alltag.“