Von 6970 erfassten Straftaten im gesamten Zollernalbkreis wurden 1682 im Raum Balingen registriert. Für die Polizei gibt es dafür eine logische Erklärung.
Die Stadt Balingen hat im Jahr 2022 deutliche Anstiege im Bereich Sachbeschädigung, Diebstahl und bei Körperverletzungsdelikten zu verzeichnen. So lautet das Fazit der Polizei bei der Vorstellung des Sicherheitsberichtes für das vergangene Jahr.
Allerdings, betont der kommissarische Leiter des Polizeireviers Balingen, Peter Buckenmaier, bei der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause in Frommern: Die Anstiege seien mit darauf zurückzuführen, dass nach der Corona-Pandemie auch das öffentliche Leben wieder zugenommen hat.
57,7 Prozent der Balinger Straftaten wurden aufgeklärt
In nackten Zahlen drückt sich das folgendermaßen aus: Von 6970 erfassten Straftaten im gesamten Zollernalbkreis wurden 1682 im Raum Balingen registriert. Im Jahr zuvor waren es noch 1260 Straftaten in Balingen.
57,7 Prozent der Balinger Straftaten konnten von der Polizei aufgeklärt werden. Buckenmaier wies allerdings darauf hin, dass allein 144 Sachbeschädigungen, begangen von einer Tätergruppierung im vergangenen Herbst, noch kurz vor Jahresende geklärt wurden – aber erst in der Statistik für das Jahr 2023 erfasst werden.
Gewalt gegen Polizisten steigt
Zu den erhöhten Ladendiebstählen gehören auch Langfinger, die Wertgegenstände aus Autos klauen. Auffällig oft wurde es laut Angaben von Buckenmaier den Tätern jedoch sehr einfach gemacht: „Schließt Eure Autos ab!“, so der eindringliche Appell des Polizisten.
Mit 58 Fällen der schweren und gefährlichen Körperverletzung spricht Buckenmaier von relativ vielen Fällen. Auch die Gewalt gegen Polizisten schlägt beunruhigend nach oben aus. Wurden in den Jahren 2020 und 2021 insgesamt 28 Angriffe auf Polizeibeamte registriert, waren es allein im vergangenen Jahr 29 Attacken. „Gott sei Dank musste nach diesen Fällen kein Beamter in die Klinik, aber dieser Trend beunruhigt uns sehr“, sagt Buckenmaier.
Peter Seifert fordert Videokameras
Wie lassen sich die steigenden Zahlen wieder nach unten treiben? Peter Seifert (Grüne) hat eine klare Vorstellung, die er bereits in jüngsten Sitzungen und Ausschüssen klar formuliert hatte. „Wo bleiben denn endlich die Überwachungskameras?“ Die fordert Seifert schon seit Langem – etwa im Bereich des Bahnhofs. Er habe daheim einen riesigen Stapel an eingestellten Anzeigen, die seines Erachtens mit Hilfe der Videoüberwachung zu Verhaftungen hätten führen können.
Buckenmaier erklärte, dass es sich bei diesem Gelände laut Analysen der Polizei noch nicht um ein Schwerpunkt handelt, so dass eine Videoüberwachung gerechtfertigt wäre.
CDU-Fraktion will Maßnahmen für mehr Sicherheit von der Stadt
Bei seinen Gemeinderatskollegen stößt Seifert aber auf offene Ohren mit seiner Forderung. Klaus Hahn (CDU), der in einem Antrag seiner Fraktion der Stadt aufträgt, mehr Maßnahmen gegen Vandalismus vorzuschlagen sowie Finanzmittel dafür bereitzustellen, fordert ebenfalls mehr Videoüberwachung in Balingen. „Wir haben Punkte, wo Menschen sich nicht sicher fühlen“, sagt Hahn. Als Beispiel nennt er die Unterführung beim Zollernalb Klinikum.
Den Antrag, der von allen Fraktionen unterstützt wurde, nimmt OB Dirk Abel mit in die Sommerpause und verspricht, Maßnahmen zu erarbeiten: Wir sind froh über den Input aus dem Gemeinderat und nehmen den Auftrag gerne mit.“ Er verweist aber auf juristische und technische Herausforderungen in Sachen Videoüberwachung. Diese müssten ausgeräumt werden, und das sei an gewissen Orten nicht so einfach.