Die Polizei in Freudenstadt stand vor vielen Herausforderungen, darunter auch ganz neue. Foto: Picture-Factory – stock.adobe.com

Spektakuläre Fälle und neue Entwicklungen beschäftigten die Polizei im vergangenen Jahr. Von den Unfallzahlen bis zu Kinderpornografie – zwei Polizeibeamten berichten, wie hoch die Zahlen in Freudenstadt sind.

Freudenstadt - "Das war ein einzigartiger Winter", sagt Polizeioberrat Gerold Schumacher, Leiter des Polizeireviers Freudenstadt, bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Montagsspaziergänger, Gewalt gegen Polizeibeamten und spannende Fälle wie der Leichenfund auf der Kniebis – all das sind Themen, die die Polizei bewegten. Auch sein Kollege Peter Nitsch, Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter des Kriminalkommissariats Freudenstadt ist bei der Veranstaltung dabei, um die wichtigsten Themen vorzustellen.

 

Während an den Montagsspaziergängen anfangs wenig Menschen teilnahmen, so habe die Präsenz im Winter stark zugenommen, berichtet Schumacher. Dabei habe sich ein neues Phänomen ergeben: Über die sozialen Medien haben Personen spontan und schnell zu Versammlungen aufgerufen – und dabei viele Menschen erreicht. Im späteren Verlauf seien die Spaziergänge angemeldet worden und eine Person habe die Verantwortung für die Veranstaltungen übernommen.

"Das war ein Kräfte-Aufwand"

"Wir haben versucht die Rahmenbedingungen umzusetzen", sagt Schumacher. Dazu gehöre die Maskenpflicht, die allerdings für die Teilnehmer eine emotionale Bedeutung habe – und deswegen schwierig umzusetzen war. Auch die Gegenkundgebungen haben die Situation bei der Polizei nicht einfacher gemacht. "Das war ein Kräfte-Aufwand", sagt der Polizeioberrat.

Jede Woche aufs Neue sei es ein Kampf um Polizeikräfte gewesen. Trotzdem habe man die Spaziergänge nicht verbieten wollen, wie es andere Städte beispielsweise getan hätten.

Rückgang bei Rauschgiftkriminalität

Und wie kriminell ist es in Freudenstadt zugegangen? Die Unfallzahlen steigen auf einem niedrigen Niveau, so Schumacher. In Freudenstadt habe man bei Fahrten unter Alkoholeinfluss eine "stabile Tendenz". Die Polizei müsse nicht stärker entgegen wirken, als sie es sowieso schon tue.

In der Kriminalstatistik habe man einen Rückgang der Fallzahlen mit knapp über 1000 Fällen – in früheren Jahren habe es über 15.000 Fälle gegeben. Bei der Rauschgiftkriminalität gebe es eher einen Rückgang.

Häusliche Gewalt angestiegen

Die nächsten drei Stichworte wirken allerdings beunruhigend: Im Bereich der Körperverletzungen gibt es einen Anstieg. Dieser sei zwar nicht so hoch, sagt Schumacher, aber dennoch relevant. Vor allem die häusliche Gewalt sei angestiegen. Seine Befürchtung ist, dass sich das auf die Pandemie zurückführen lasse. Oftmals seien in solchen Fällen die Ermittlungsmöglichkeiten für Polizeibeamte beschränkt, wichtiger sei oft die Gefahrenabwehr. Eine Möglichkeit sei es, die Opfer in einem Frauenhaus unterzubringen.

Auch die Cyberkriminalität verzeichne einen Anstieg. Hier besonders beliebt: der Enkeltrick. Immer wieder geben sich Betrüger für Verwandte aus und bitten um Geld – oftmals auch mit Erfolg.

Gewalt gegen Polizeibeamten auf dem Höchststand

Aber eine Entwicklung ist besonders alarmierend: die Gewalt gegen Polizeibeamte. Diese sei auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. "Die Täter sind überwiegend männlich, handeln unter Alkoholeinfluss, sind der Polizei bereits bekannt und handeln alleine", gibt der Polizeioberrat einen Einblick.

Einen Punkt hat die Polizei in der Präsentation neu auf der Tagesordnung, der der aktuellen Situation zu schulden ist – die Ressourcenmangellage. Die Polizei sei von Rohstoff- und Lieferkettenproblemen betroffen. "Wir müssen unsere Handlungsfähigkeit sicherstellen, auch bei einem Stromausfall."

Dafür hätte die Polizei bereits Pläne und überlege sich verschiedene Szenarien, lege Meldewege sowie Ansprechpartner und Handlungsempfehlungen fest. "Wir bewegen uns hier auf völligem Neuland", sagt Schumacher.

Frauenleiche bei Kniebis beschäftigte Kriminalpolizei

Anschließend gibt sein Kollege einen Einblick in die Arbeit des Kriminalkommissariats. Der spektakulärste Fall war mit Sicherheit die gefundene Frauenleiche bei Kniebis. Dieser Fall habe die Polizei "stark personell gebunden", sagt Nitsch. Denn: Die Identität der Frau war erst unbekannt. Zum Glück habe man die Leiche identifizieren können und den Täter gefunden – der kürzlich die Tat vor dem Gericht in Wuppertal gestanden hat. Er habe die Frau getötet und dann erst später bei Kniebis abgelegt, erzählt Nitsch. Diesen Ort habe der Täter ausgewählt, weil er dort einst einen schönen Urlaub verbracht habe.

Anstieg bei Kinder- und Jugendpornografie

Ein weiteres Phänomen zeichnet sich aktuell ab, aber nicht nur in Freudenstadt, sondern landesweit. Die Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung seien gestiegen, besonders die Kinder- und Jugendpornografie. In solchen Fällen müsse zuerst die Gruppe überprüft werden, dann ihr Sinn und Zweck, berichtet Nitsch. Anschließend ordne die Polizei die Tat ein und überprüfe die Kommunikationswege, die dabei genutzt werden.