Abgeriegelter Tatort in Freudenstadt. Foto: Rath

Der Kreis Freudenstadt bleibt ein sicheres Pflaster. Die Zahl der Straftaten ist gering, die Aufklärungsquote hoch. Dass die Bilanz nicht noch besser ausfällt, dafür gibt es eine einfache Erklärung.

Kreis Freudenstadt - Platz elf unter den 44 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg – hier landete Freudenstadt bei der Kriminalstatistik 2020, die Wolfgang Tritsch dem Kreistag vorlegte. Er ist Präsident des Polizeipräsidiums Pforzheim. 4102 Fälle erfasste die Polizei im vorigen Jahr für den Landkreis, praktisch genauso viel wie 2019.

Dass die Zahlen im Nordschwarzwald um fast sieben Prozentpunkte gestiegen sind, liegt laut Tritsch an der Polizeireform. Das neue Präsidium in Pforzheim, das sich sehr gut zusammengefunden habe, hat rund 2000 Fälle des Karlsruher Präsidiums dazubekommen. Landesweit ging die Quote der behördlich bekannten Straftaten voriges Jahr um 6,1 Prozent zurück. Warum nicht in Freudenstadt? "Die soziale Kontrolle auf dem Land ist höher. Die Leute geben mehr aufeinander acht und melden auch, wenn ihnen in der Nachbarschaft etwas Verdächtiges auffällt", so Tritsch. Mehr Anzeigen, mehr Fälle – insofern liefert die Statistik nur Anhaltspunkte dafür, wie kriminell es in einer Region wirklich zugeht. Aber es gebe Verschiebungen, so Tritsch. Unterm Strich seien der Kreis Freudenstadt und der Nordschwarzwald sehr sichere Orte. Dazu trage auch die hohe Aufklärungsquote der Polizei bei, die für den Kreis voriges Jahr bei 64,7 Prozent aller angezeigten Fälle lag, ein Plus von 2,3 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.

Wieder mehr Verdächtige

Die Zahl der Tatverdächtigen im Kreis sei zuletzt wieder leicht angestiegen, auf 2140. In 78 Prozent der Fälle sind die Verdächtigen übrigens Männer, in 21 Prozent Jugendliche oder Heranwachsende unter 21 und zu 70 Prozent deutsche Staatsbürger. Bei Verdächtigen mit anderem Pass führten Türken die Rangliste vor Rumänen und Bulgaren an.

Opfer seien in 75 Prozent der Fälle Erwachsene gewesen und in fast 60 Prozent der Fälle Männer. In mehr als der Hälfte der Straftaten gab es eine Vorgeschichte zwischen Opfer und Täter. In 7,5 Prozent der Fälle handelte es sich um Beziehungstaten. Sexualdelikte seien um rund 38 Prozent zurückgegangen. "Straftaten gegen das Leben" kommen mit fünf Fällen kaum vor, Sexualidelikte spielen mit 87 Fällen im Kreis rein zahlenmäßig auch eine geringe Rolle. In mehr als 60 Prozent der Taten geht es ums Geld: Diebstähle sowie Vermögens- und Fälschungsdelikte. 15 Prozent Anteil haben Rohheitsdelikte, also Gewalt.

28 Angriffe auf Polizisten

28 Mal kam es dabei auch zu gewaltsamen Übergriffen auf Polizisten. Fast 90 Prozent der Angreifer waren übrigens schon zuvor polizeibekannt und in der Hälfte aller Fälle an- oder betrunken.

Erneut 87 Fälle im Kreis Freudenstadt fielen ins Raster "Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung". Die Zahl der Fälle von sexuellem Missbrauch und Exhibitionismus ging von 39 auf 25 zurück, dafür meldet die Polizei einen Anstieg der Fallzahlen von illegaler "Verbreitung pornografischer Schriften" von 16 auf 37 Fälle nach oben – offenbar hängt dies mit dem Zeitgeist der Jugend zusammen. In fast 40 Prozent der Fälle waren die Verdächtigen jünger als 21. Mit fast 90 Prozent ist die Aufklärungsquote in diesem Feld extrem hoch.

23 Mal ermittelte die Polizei im Landkreis voriges Jahr wegen Raubes und Erpressung; in zwei Dritteln der Fälle kamen die Täter damit nicht durch. 13 von 15 Tatverdächtigen waren Deutsche. Dafür zeigen Corona und die Ausgangsbeschränkungen Wirkung: Straßenkriminalität, Körperverletzungen und Ladendiebstähle gingen drastisch zurück. Dafür gingen die Fallzahlen im Kreis bei Rauschgiftkriminalität (449 Fälle, plus 39 Prozent) nach oben. Außerdem verlagerte sich vieles ins Internet: 311 Fälle wurden bekannt, 40 Prozent mehr als 2019. Meistens ging es laut Tritsch um Betrug: Es wurden Waren verkauft, die nie geliefert wurden.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche war mit 39 konstant, wobei es in 19 Fällen beim Versuch blieb, weil die Täter abbrachen. In der Regel seien Banden aus dem Ausland unterwegs, die es auf Schmuck, Geld oder Elektrogeräte abgesehen hätten. Dass Corona zu mehr häuslicher Gewalt führt, lässt sich zumindest nicht an der Kriminalstatisitk ablesen. 74 Fälle wurden im Kreis angezeigt, sogar 20 Prozent weniger als 2019. Dennoch richte die Polizei derzeit eine "Koordinierungsstelle häusliche Gewalt" ein.

"Enkeltrick" funktioniert

Außerdem fielen noch immer fünf Opfer im Landkreis auf Betrüger herein, die sich als Enkel in finanzieller Notlage oder Polizisten ausgaben. Das sind nicht viele, aber mit einer Gesamtschadenssumme von 120 000 Euro zahlten die geprellten Senioren ein hohes Lehrgeld.

Für dieses Jahr hat sich die Polizei viel vorgenommen: Sie will Jugendlichen vor Drogen und Senioren gegen Betrugsmaschen schützen, darüber hinaus gegen sexuelle Gewalt, Gewalt gegen Behördenvertreter, verbotene Pornos in neuen Medien und Einbrüche vorgehen.

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