Gustav-Adolf-Werk hält Landesfest in Friesenheim ab / Podiumsdiskussion zu "Eurowaisen" und Zwangsprostitution

Von Christine Bohnert-Seidel

Friesenheim. Osteuropäerinnen übernehmen meist illegal die Pflege alter Menschen in Deutschland, während ihre Kinder daheim nur notdürftig versorgt werden: Diese "Eurowaisen" standen ebenso wie das Thema Zwangsprostitution im Fokus einer Podiumsdiskussion in Friesenheim.

In der Sternenberghalle fand das Landesfest des Gustav-Adolf-Werks Baden (GAW) statt, Gastgeber war der Kirchenbezirk Ortenau. "Kirchengemeinden leben davon, dass sie offen sind und den Blick über den Tellerrand hinaus wagen", sagte Dekan Rainer Becker aus Lahr zur Begrüßung der Gäste aus Baden, aber auch aus Ländern wie Tschechien, Rumänien, Italien, Slowakei, Österreich, Polen oder Ungarn. Die Gäste waren in Familien innerhalb des Kirchenbezirks untergebracht.

Sensibel und offen lenkte die Podiumsdiskussion zum Thema "soziale Gerechtigkeit in Europa" das Augenmerk auf die Themen "Eurowaisen" und Zwangsprostitution. Das Bild der Haushaltshilfe in der Pflege eines älteren Familienangehörigen sei mittlerweile keine Seltenheit mehr, führte Dekan Becker in die Gesprächsrunde ein. "Ja, die Polin ist rund um die Uhr für uns da", zitierte er aus einem Familiengespräch. Oft ließen die Frauen zu Hause Kinder zurück, die von Großeltern, Tanten, Onkel versorgt werden oder auch sich selbst überlassen blieben. Orientierungslosigkeit der Kinder und ein Abgleiten in die Straffälligkeit seien häufig die Folge, erläuterte Pfarrer Klaus Dieter Kottnik. Von Rabeneltern könne aber nicht gesprochen werden. "Es fällt den Eltern nicht leicht, ihre Kinder zurückzulassen. Aus Sorge um die Zukunft der Kinder machen sie sich auf den Weg", sagte Claudia Schnebel vom Diakonischen Werk Ortenau.

Nicht unerheblich sei der Beitrag von bis zu einem Drittel am Bruttosozialprodukt im eigenen Land, den die Mi-granten leisteten, erläuterte der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß (CDU). Die Migranten zählten zu den Hauptleistungsträgern ihrer Länder. "Wenn ein Ehemann in Amerika arbeitet, zieht in der Regel die Familie mit", warf Ingrid Reutemann vom Diakonischen Werk ein. Polinnen denken nicht, dass es ihren Kindern in Deutschland besser gehen würde. Ob sie von ihrem Verdienst überhaupt die Familie ernähren könnten, sei ebenso fraglich. Renate Kirchhoff, Evangelische Hochschule Freiburg, forderte fairen Lohn, Ansprechpartner wie das Diakonische Werk und die Möglichkeit zur Fort- und Weiterbildung der polnischen Hilfskräfte. Aber es gibt auch Frauen aus osteuropäischen Ländern, die mit leeren Versprechungen auf eine Aussicht auf eine Stelle als Haushaltshilfe nach Deutschland gelockt werden und anschließend in der Prostitution landen. Relativ viele dieser Frauen lebten in Kehl und gingen in Straßburg auf den Straßenstrich, erläuterte Juliane Weerenbeck (Diakonisches Werk). Diese Frauen hätten es zunehmend mit Brutalität und Gewalt zu tun. Hilfe zum Ausstieg bietet das Projekt "P.I.N.K" (Prostitution, Integration, Neustart, Know-how).

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