Vier Frauen, zwei Männer: Anne Rabe, Ulrike Sterblich, Necati Öziri, Tonio Schachinger, Terézia Mora, Sylvie Schenk (von links oben im Uhrzeigersinn). Foto: dpa

Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis steht. Die großen Namen fehlen – bis auf einen.

Hätte man Buchmacher nach den sechs besten Romanen des Jahres gefragt, wären sie wohl zu einem anderen Ergebnis gekommen als die Jury des Deutschen Buchpreises. Das muss kein Nachteil sein. Erfrischend überraschend ist es auf jeden Fall, was sich auf der diesjährigen Shortlist findet. Und man ist erst gar nicht versucht, sie nach den üblichen Proporzen abzusuchen. Keine der sonst hoch gehandelten Namen, der Kehlmanns, Hettches, Poschmanns, die ebenfalls mit Neuem am Start sind. Dafür eine der Höchstgehandelten und -prämierten: Terézia Mora mit ihrem Roman „Muna“ über ein Frauenleben in toxischen Beziehungen. Vor zehn Jahren hat die Büchnerpreisträgerin die Auszeichnung schon einmal erhalten.

 

Auf fällt eine gewisse Frühjahrslastigkeit, die meisten Titel stammen aus der ersten Jahreshälfte. Etwa Anne Rabes „Die Möglichkeit von Glück“, eine Familiengeschichte, die in die dunkelsten Ecken der DDR-Vergangenheit führt. Auch Silvie Schenks Mutterroman „Maman“ schreibt Familiengeschichte fort. Der 79-jährigen, in Frankreich geborenen Autorin steht als Jüngster im Feld der 1992 in Neu-Delhi geborene und in Österreich aufgewachsene Tonio Schachinger gegenüber. In seinem Roman „Echtzeit“ findet ein Internatsschüler in einem Computerspiel Zuflucht vor einem sadistischen Lehrer.

Der als Theaterautor erfolgreiche Necati Öziri hat mit „Vatermal“ seinen ersten Roman vorgelegt. Ein todkranker Sohn wendet sich darin an den abwesenden Erzeuger, den er nie kennengelernt hat, um herauszufinden, wer er ist. Genau das wissen die beiden Freunde im Verlauf von Ulrike Sterblichs „Drifter“ immer weniger, und das liegt nicht nur daran, dass einer von beiden vom Blitz getroffen wird, sondern an Verschwörungstheorien und einer Frau in goldenem Kleid.

Am 16. Oktober entscheidet sich zum Auftakt der Buchmesse im Frankfurter Römer, wer der sechs Nominierten den mit 25 000 Euro dotierten Buchpreis erhält.