Blumengeschmückt und in Weiß: Nagold feierte seinen Mittsommer. Foto: Fritsch

Den Mittsommer in Nagold haben viele Leute zum Shoppen, Schlemmen und Feiern genutzt. Sie trotzten dem Regen.

Nagold - Überall Blumenmädchen. Wer am Freitagabend durch die Stadt ging, hat doch einige Frauen gesehen, die einen Blumenschmuck im Haar getragen haben. Das war ein Bezug zu Mittsommer, genauer zum skandinavischen Mittsommer, bei dem die Menschen in Schweden mit Blumen ihre Freude über die warme und helle Jahreszeit zum Ausdruck bringen.

Der schwäbische Mittsommer und speziell der Nagolder Mittsommer hat ebenfalls vielen Menschen Freude gebracht, auch wenn das Wetter eher "skandinavisch" war: sie flanierten in der Fußgängerzone, nutzten kulinarische Angebote der 19 Caterer, machten es sich vor Restaurants und Kneipen gemütlich, bummelten bis spät in die Nacht in den Geschäften oder rannten beim Mittsommerlauf um die Wette.

Turm aus Bierkisten

Beim Bummel durch die Stadt begann der Spaß bereits am Vorstadtplatz. Dort war künstlerisch einiges geboten, gegen zehn sorgte beispielsweise Levy’s popping & African dance für gute Stimmung. Die Marktstraße hinunter gab es genug Gelegenheiten, etwas gegen Hunger und Durst zu tun, lange anstehen musste man nirgends. Dennoch gab es auch hier wieder das Phänomen, dass sich vor dem Stand mit den Crêpes immer eine Schlange bildet.

Am Ende der Marktstraße, vor dem Burgcenter, gab es einen Turm. Einen Turm aus Bierkisten. Damit hat die Fahrschule Halanke auf sich aufmerksam gemacht. Professionell mit Seilen gesichert durfte sich jeder aus dem Publikum daran versuchen, möglichst viele Kisten zu stapeln. "Rund 20 Kisten sind schon ziemlich gut", erzählt Tina Kayser, Bürochefin bei Halanke. Zwei der bei Kindern beliebten Hüpfburgen hatte Halanke ebenfalls aufgestellt. Eine drinnen im Burgcenter, eine davor, die wegen des Regens zur Wasserrutsche wurde, was wiederum bei Eltern nicht so beliebt ist, sagt Keyser.

Leben in der Stadt

In den Geschäften hatte das Personal viel Zeit, sich um die Kunden zu kümmern. Und viele Kundinnen und Kunden hatten Zeit, sich um Dinge zu kümmern, für die sonst keine Zeit ist. Sich zum Beispiel ein neues Band für die Uhr zu besorgen. Zum Beispiel bei Friedrich Günther – Optik, Hörgeräte, Uhren, Schmuck. Friedrich Günther, der Senior, und Timo Günther, der Junior, sind beide sehr positiv gestimmt. Es sei doch etwas Schönes, so lange aufzuhaben und Leben in die Stadt zu bringen. Friedrich Günther: "Man muss solche Aktionen machen, mal wieder ausgehen, die Kunden pflegen – das ist auch für die Gesellschaft wichtig." Timo Günther: "Jetzt ist die Zeit, den Kunden eine Freude zu bereiten."

Die Stimmung ist gut

Und jetzt kommt die Begegnung mit zwei Blumenmädchen – beide in weißen Kleidern: Saskia Fortenbacher und Tabea Hinz, Geschäftsführerin, beziehungsweise Mitarbeiterin des City-Vereins. "Die Stimmung ist total gut, die Leute haben dem Regen getrotzt. Manche sind sogar in den DM gestürmt, um sich Regenschirme zu kaufen", freut sich Fortenbacher. Sie ist ebenfalls unterwegs, um zu sehen, wie die Aktion des City-Vereins ankommt.

Gut kommt sie an bei Einzig & Allein, ein Modegeschäft an der Marktstraße. Dafür sorgt aber noch eine zusätzliche Aktion, die sie sich dort haben einfallen lassen. Vor der Ladentür, und damit belebend, für die Stadt, findet ein Second-Hand-Markt statt. Mit einem Aufruf bei Instagram hätten sie acht Standplätze verlost, die gleich weg gewesen seien, so Carmen Fortenbach, die hier Filialleiterin ist. Planen gegen den Regen waren inklusive.

Nicht weit weg davon hat Dominic Hammer seinen Barber’s Shop, wo sich die Herren neu einkleiden oder eine Spirituose dazu erstehen können. Im Barber’s Shop findet sich ebenfalls die schon andernorts in Nagold erfolgreiche Kombination Textil und Gastronomie. "An Abenden wie diesen fahren wir für unsere Kunden und Freunde des Hauses die Bar hoch", so Dominic Hammer.

Kein Ansturm aus dem Umland

Zum Genießen sind indes viele zum "Weinladen" gekommen, der draußen Tische, Zelte und Schirme aufgebaut hat. An diesem Abend sind viele Leute da, weit mehr als der Laden fassen könnte. Siegrid Plaschke, Chefin des Weinladens und Vorsitzende des City-Vereins, freut sich, dass so viele Leute aus Nagold, auf die man sich verlassen könne, gekommen sind. Der große Ansturm aus dem Umland sei jedoch ausgeblieben. Plaschke findet es toll, dass irgendwas ist: "Auf so ein Ereignis haben die Leute gewartet."

Damit das Geschäft auch künftig brummt, verteilen die Blumenmädchen Saskia Fortenbacher und Tabea Hinz gegen Ende des Abends auf dem Vorstadtplatz Gutscheine, die die örtlichen Einzelhändler gesponsort haben. Die Startnummer der Läuferinnen und Läufer, die am Mittsommer-Sportwettbewerb teilgenommen haben, war gleichzeitig ein Los.