Recherchen unserer Redaktion bringen Licht ins Dunkel: Die Tankstellen in Freudenstadt, Calw-Stammheim und Calw wurden von derselben Gesellschaft betrieben. Und: Ein Gerücht, das schon seit einiger Zeit kursiert, erweist sich als wahr.
Und plötzlich war da ein Zettel im Fenster: Vor rund einem Monat hieß es an den beiden Shell-Tankstellen in den Calwer Kimmichwiesen und in Stammheim unvermittelt „nichts geht mehr“. Nur noch ein Schild mit der Aufschrift „Geschlossen“ informierte die Kunden. Ein Schicksal, dass im Übrigen zur gleichen Zeit auch eine Shell-Tankstelle in Freudenstadt teilte – die, wie sich nun herausstellte, von derselben Gesellschaft betrieben wurde. Diese wiederum hat ihren Sitz in Calw.
Gründe im Prinzip simpel
Die Hintergründe blieben lange unklar. Das Mineralölunternehmen Shell gab trotz mehrfacher Nachfrage unserer Redaktion nur spärlich Auskunft, erklärte lediglich, bald wieder öffnen zu wollen. Zu den Ursachen der Schließung äußerte sich der Konzern „aus rechtlichen Gründen“ nicht.
Gleichwohl verbreiteten sich in Windeseile Spekulationen. Immer wieder geisterte das Wort „Insolvenz“ durch die Stadt. Ein Gerücht, das sich als wahr herausstellt, wie nun Recherchen unserer Redaktion ergeben haben. Demnach wurde ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bereits im vergangenen Monat gestellt. Das Amtsgericht Tübingen bestellte mit Beschluss vom 21. Juni einen Insolvenzverwalter. Der Betrieb der Tankstellen in Calw und Freudenstadt wurde eingestellt.
„Tankstellengeschäft ist ein hartes Business“
Bislang, so berichtete Insolvenzverwalter und Rechtsanwalt Sebastian Krapohl im Gespräch mit unserer Redaktion, gebe es noch keinen Termin für eine Eröffnung des Insolvenzverfahrens; er rechne mit Anfang September.
Die Gründe für die Insolvenz seien indes im Prinzip simpel: „Das Tankstellengeschäft ist ein hartes Business“, meint Krapohl. Im Rohstoff-Gewerbe gehe es oft um immense Summen, da komme es immer wieder zu Überschuldung und damit verbunden zur Zahlungsunfähigkeit. Denn auch die Einnahmesituation sei nicht immer krisensicher. „In einer Zeit, wo der der Verbraucher den Euro zwei Mal umdreht, werden natürlich Einsparmaßnahmen getroffen. Dann werden weniger Mars-Riegel gekauft, oder man tankt eben an einer etwas preiswerteren Tankstelle“, erklärt der Rechtsanwalt.
Wiedereröffnung ist das Ziel
Die genauen Umstände der Zahlungsunfähigkeit würden derzeit noch geprüft, die dargestellten Hintergründe seien jedoch durchaus naheliegend.
Mit Shell habe es bereits erste Gespräche gegeben. Ziel sei nun auch, den Betrieb der Tankstellen möglichst schnell einer anderen Gesellschaft zu übergeben und diese wieder zu öffnen.
Wann es soweit sein könnte, darauf konnte die Pressestelle von Shell in dieser Woche indes noch keine Antwort geben.