Der gebürtige Bietigheimer Evangelos „Laki“ Sbonias steht mit viel Leidenschaft an der Seitenlinie – seit Juli 2023 beim 1. FC Köln II. Foto: IMAGO/HMB-Media

Laki Sbonias trainierte die SG Sonnenhof Großaspach und den SGV Freiberg. Wie schätzt er vor dem Regionalliga-Topspiel am Mittwoch die Lage ein? Wie geht es ihm beim 1. FC Köln?

Er besitzt ein Alleinstellungsmerkmal: Evangelos „Laki“ Sbonias ist der einzige Chefcoach, der in seiner Karriere schon die SG Sonnenhof Großaspach und den SGV Freiberg trainiert hat. Kein Wunder, dass er das Regionalliga-Topduell seiner beiden Ex-Clubs an diesem Mittwoch (19 Uhr/Wir-machen-Druck-Arena) auf dem Schirm hat. 3500 Tickets sind schon weg – er selbst kann allerdings nicht live dabei sein. Der 43-Jährige ist als Trainer der U 21 des 1. FC Köln nun schon bald drei Jahre mit seiner Frau und den beiden Kindern (6 und 2 Jahre) in der Metropole am Rhein zu Hause. Und natürlich viel beschäftigt. Der Klassenverbleib in der Regionalliga West ist – mit vielen U-19-Spielern im Team – längst gesichert, zuletzt gab es im Stadtderby gegen Spitzenreiter Fortuna Köln ein 3:0.

 

Ivanusa und Trautner auch beim Effzeh

Bei allem Fokus auf die eigene Arbeit wird Sbonias, genauso wie sein Co-Trainer Marcel Ivanusa (41/früher Kickers, Sonnenhof und Freiberg), gespannt sein auf das Ergebnis am Mittwoch im Fautenhau. Auch Ex-VfB-Torwart-Legende Eberhard „Ebbo“ Trautner (59), der als Nachwuchs-Koordinatar beim FC für die Torhüter und Torwarttrainer zuständig ist, verfolgt den württembergischen Fußball aufmerksam.

Dass die SG Sonnenhof Großaspach (61 Punkte, plus 41 Tore) und der SGV Freiberg (58 Punkte, plus 34 Tore) nun den Aufstieg in die dritte Liga unter sich ausmachen, überrascht Sbonias gar nicht mal so sehr: „Dass es bei Freiberg in diese Richtung gehen soll, war schon klar, als ich noch dort Trainer war. Der Auftrag hieß eindeutig Aufstieg.“ Und es sei auch klar gewesen, dass man in der Regionalliga nicht ewig bleiben wolle.

Turbulenzen in Freiberg 2022

Anfang April 2022 hatte er seinen Ausstieg zum Saisonende beim SGV angekündigt. Nach drei Unentschieden in Serie (und nur einer Niederlage in 39 Pflichtspielen unter seiner Regie) stellte ihn Freiberg dann ein paar Tage nach Verkündung seines Abgangs frei. Unter Nachfolger Ramon Gehrmann schaffte der SGV im Kop-an-Kopf-Rennen vor den Stuttgarter Kickers den Direktaufstieg.

Evangelos Sbonias (li.) muss getröstet werden – 2023 nach dem entgangenen Aufstieg mit der SG Sonnenhof Großaspach. Foto: Baumann

Sbonias stieg im Sommer 2022 in Großaspach ein, nach dem Abstieg der SG Sonnenhof aus der Regionalliga. „Wir standen damals vor einer Mammutaufgabe“, erinnert sich der Mann mit den griechischen Wurzeln. Die löste man gut, legte den Grundstein für aktuelle Erfolge, doch am Saisonende verpasste die SG seinerzeit in den Aufstiegsspielen gegen TuS Koblenz (1:2, 2:2) knapp den Aufstieg.

Mit Zapel bei Werder Bremen

Sbonias verließ die SG – zum zweiten Mal. Denn schon 2016 hatte der damalige Großaspacher Spielleiter Joannis Koukoutrigas ihn vom FV Löchgau geholt, als Co-Trainer von Oliver Zapel. Mit ihm zog der A-Lizenz-Inhaber nach einem Jahr für eine Saison weiter zu Werder Bremen II. Nach der Rückkehr in die Heimat folgten von 2018 bis 2020 zwei Jahre als Cheftrainer bei Oberligist TSG Backnang, ehe es nach Freiberg ging.

„Man kann Freiberg und Großaspach schwer vergleichen, es sind zwei komplett unterschiedliche Clubs“, meint Sbonias. Natürlich seien es keine Traditionsclubs im klassischen Sinne, die mit der beeindruckenden Fan-Kultur, wie sie die Stuttgarter Kickers haben, mithalten könnten. Die SG hat durch ihren Sechs-Jahre-Aufenthalt in der dritten Liga (2014 bis 2020) höherklassige Erfahrung vorzuweisen. Auch die Infrastruktur mit der Wir-machen-Druck-Arena ist ein Pluspunkt. Wie es Freiberg künftig in ihrer Heimspielstätte in Heilbronn gehen wird, mag Sbonias nicht beurteilen.

Evangelos Sbonias (re.) mit Assistent Marcel Ivanusa. Foto: Pressefoto Baumann

Starke Männer an der Spitze haben beide Vereine. Beim SGV ist es Präsident Emir Cerkez, bei der SG der Vorstandsvorsitzende Michael Ferber, Sohn von SG-Mitgründer Uli Ferber.

Vertrag bis 2028 beim 1. FC Köln II

„SGV und SG spielen eine überragende Saison, eigentlich hätten beide den Aufstieg verdient. Am Ende werden Kleinigkeiten entscheiden“, meint Sbonias. Er selbst ist noch bis 2028 an den 1. FC Köln gebunden. „Langweilig wird es hier nie“, sagt er mit einem Schmunzeln. Sechs Cheftrainer hat er seit seinem Einstieg 2023 erlebt. Immer wieder wurde auch er zumindest als Interimscoach bei den Profis gehandelt, doch die fehlende Uefa-Pro-Lizenz ist ein K.-o.-Kriterium für die Cheftrainerrolle oberhalb der Regionalliga.

Der fehlende Schein bremst bisher seine weitere Entwicklung. Kommenden Juli startet Sbonias einen weiteren Anlauf, sich für das Assessment Center zu bewerben. Von den 30 Teilnehmern werden dann 16 für den Kurs zur Uefa-Pro-Lizenz zugelassen, der dann im Januar 2027 beginnt.

Restprogramm

SGV Freiberg
(58 Punkte, plus 34 Tore) Mittwoch, 22. April, 19 Uhr: SG Sonnenhof Großaspach (Auswärtsspiel), Samstag, 25. April, 14 Uhr: 1. FSV Mainz 05 II (Heimspiel), Samstag, 2. Mai, 14 Uhr: SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (A), Samstag, 9. Mai, 14 Uhr: SV Sandhausen (H), Samstag, 16. Mai, 14 Uhr: FC Bayern Alzenau (A).

SG Sonnenhof Großaspach
(61 Punkte, plus 41 Tore) Mittwoch, 22. April, 19 Uhr: SGV Freiberg (H), Samstag, 25. April, 14 Uhr: Bahlinger SC (A), Samstag, 2. Mai, 14 Uhr: 1. FSV Mainz 05 II (A), Samstag, 9. Mai, 14 Uhr: SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (H), Samstag, 16. Mai, 14 Uhr: Stuttgarter Kickers (A). (jüf)