Pressegespräch zum Umzug der SG BBM Bietigheim nach Ludwigsburg Foto: Baumann/Alexander Keppler

Frauenhandball-Bundesligist SG BBM Bietigheim verspricht sich durch den Wechsel nach Ludwigsburg mehr Strahlkraft und vermeldet wichtige Vertragsverlängerungen. Mäzen Eberhard Bezner verteilt unterdessen Spitzen an die Stadt Bietigheim.

An Silvester wird Eberhard Bezner 88 Jahre alt. Der Seniorchef von Hauptsponsor Olymp und Mäzen der Bietigheimer Handballerinnen ist aber noch fit genug, um am Pressegespräch im Business-Club der MHP-Arena teilzunehmen. Natürlich trägt er wie seine Mitstreiter auf dem Podium ein weißes Hemd aus seiner Firma – neu aber ist das Logo mit der Aufschrift HB Ludwigsburg. Unter diesem Namen spielen die Frauen der SG BBM von der kommenden Saison an in der Handball-Bundesliga (HBF).

 

Schub durch Umzug

Sie verlassen Bietigheim und ziehen um nach Ludwigsburg. Das tut dem gebürtigen Bietigheimer Eberhard Bezner irgendwie auch in der Seele weh, doch der Mann mit dem großen Herzen für den Frauenhandball sagt auch klipp und klar: „Wir haben bessere Möglichkeiten in Ludwigsburg und versprechen uns einen weiteren Schub.“

Ein paar Seitenhiebe in Richtung seiner Heimatstadt kann er sich dann aber nicht verkneifen. Besonders Oberbürgermeister Jürgen Kessing, mit dem er schon länger im Clinch liegt, bekommt ein paar Spitzen ab: „Zu seiner Bürgermeisterzeit in Dessau war er noch ein Handballfreund. Hier aber hat er dann unsere frühere Geschäftsführerin gefragt, braucht Bietigheim Frauenhandball?“ Bezner unterstellt dem Bietigheimer Rathauschef „Desinteresse“ am Aushängeschild der Stadt. Kessing war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ludwigsburg freut sich

Ohnehin ist das Thema längst durch. Der aktuelle Champions-League-Teilnehmer und Titelhamster (viermal deutscher Meister, dreimal DHB-Pokal-Sieger, European-League-Sieger) wird ab 1. Juli 2024 als HB Ludwigsburg in der MHP-Arena seine Klasse zeigen. „Die Spielerinnen schwärmen von dieser Arena mit ihren steilen Rängen und ihren guten Akustik“, sagt Mario Kreh, Geschäftsführer Tourismus & Events Ludwigsburg, und freut sich neben den Basketballern der MHP Riesen auf ein zweites Heimteam, das Champions League spielt.

Zwar werden äußerst selten über 3000 Zuschauer in der Halle sein wie vor Kurzem gegen den ungarischen Topclub Györi Audi ETO KC, sondern im Ligaalltag auch mal zwischen 300 und 500, dennoch taugte die bisherige Spielstätte Viadukthalle in Bietigheim perspektivisch nicht mehr als Alternative. Ab der Saison 2025/26 schreibt die HBF zwei Längstribünen vor. Die würde es in der Egetrans-Arena geben, doch diese wird bei der SG BBM im Grunde als Eishalle und für den Handball eher ungeeignet angesehen.

Bessere wirtschaftliche Möglichkeiten

Einen weiteren Grund für den Umzug sieht SG-BBM-Geschäftsführer Bastian Dörr in den besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten: „Wir können uns breiter aufstellen, schon jetzt haben wir mehr Sponsoren in Ludwigsburg und stoßen auch weiterhin nicht auf Ablehnung. Das kannten wir so bisher nicht.“ Wichtig war sowohl ihm als auch dem aufnehmenden Verein, dass nicht nur die Profis, sondern auch der Nachwuchs mit umzieht und gefördert wird. „Das ist uns sehr wichtig, denn erfolgreiche Spielerinnen haben eine Vorbildfunktion für die Jugend“, sagte Christian Köhle, der Vorsitzende der HB Ludwigburg, die 2015 aus den drei Stammvereinen SKV Eglosheim, SV Oßweil und TV Pflugfelden gegründet wurde.

Nun kommt ein Weltklasseteam aus der Nachbarschaft hinzu. „Wir sind von dem Weg überzeugt und sicher, dass wir unser Strahlkraft erhöhen“, betonte Sportdirektor Gerit Winnen. Passend zur Aufbruchstimmung präsentierte er die Vertragsverlängerungen von Trainer Jakob Vestergaard sowie den Spielerinnen Xenia Smits, Antje Döll, Veronika Mala, Kaba Gassama, Jenny Behrend und Dorottya Faluvegi.

Bevor es in der neuen Runde komplett nach Ludwigsburg geht, gibt es 2023 auch noch ein Punktspiel in der Landeshauptstadt: Am 30. Dezember (17 Uhr) empfängt die SG BBM Bietigheim den Buxtehuder SV in der Stuttgarter Scharrena. Eberhard Bezner, der Mann mit dem großen Herzen für den Frauenhandball, wird einen Tag vor seinem 88. Geburtstag bestimmt dabei sein.