Autofahrer müssen am Samstag, 8. November, am Thanheimer Stich verstärkt aufpassen. Eine Drückjagd findet statt. Foto: VRD/stock.adobe.com

Traditionell findet am zweiten Samstag im November am Thanheimer Stich eine Drückjagd statt. Verkehrsteilnehmer sind zwischen 9 und 14 Uhr zu erhöhter Vorsicht angehalten.

Vielerorts im Zollernalbkreis finden Anfang November Drück- oder Treibjagden statt. Besonders prominent für Autofahrer ist die Drückjagd am Thanheimer Stich. So werden auch an diesem Samstag, 8. November, wieder Verkehrsschilder auf die erhöhte Gefahr eines Wildwechsels am Albaufstieg zwischen Bisingen und Albstadt hinweisen. Die Drückjagd findet von 9.30 bis 12.30 Uhr statt, wie Boris Fürst, Jagdpächter aus Thanheim mitteilt.

 

„Füchse, Rehe oder Hunde achten nicht darauf, ob sie eine Straße überqueren“, betont Fürst. Er bittet daher Verkehrsteilnehmer um besondere Vorsicht am Samstagmorgen. Auch Spaziergänger oder Privatleute, die beispielsweise ihr Holz aufbereiten wollen, sind angehalten, das Waldgebiet zu meiden. Er richtet seine Worte explizit auch an Motorradfahrer, die die milde Novembersonne am Wochenende wohl nochmal für eine letzte Ausfahrt in diesem Jahr nutzen werden.

Tempolimit wird reduziert

Um die Gefahr zu reduzieren, wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit am Stich für die Zeit der Drückjagd auf 70 Stundenkilometer begrenzt. Angeordnet wird dieses Tempolimit vom Landratsamt. Dass es zu Unfällen zwischen Autos und Tieren während einer Drückjagd in Thanheim bereits kam, ist Fürst nicht bekannt. Dabei soll es auch bleiben. Daher sagt der Thanheimer Jagdpächter: „Wir appellieren an alle Verkehrsteilnehmer, sich an die Regeln zu halten.“

Drückjagden dienen in den Herbstmonaten vor allem dazu, die Schwarzwildbestände zu reduzieren und so Seuchenprävention zu betreiben. Stichwort: Afrikanische Schweinepest (ASP). Seit 2014 verbreitet sie sich in Europa, wobei vor allem südöstliche Länder betroffen sind. Fälle der für Wildschweine tödlichen Krankheit gab es aber auch schon in Baden-Württemberg. Für den Menschen ist die ASP ungefährlich. Gefürchtet wird sie umso mehr von Schweinebauern.

Wildschweinbestand regulieren

In der hiesigen Gegend haben Wildschweine keine natürlichen Feinde, ohne Drückjagden droht eine, wie Boris Fürst weiter erläutert, „explosionsartige Vermehrung“ der Tiere. Davor sorgen sich vor allem Landwirte. Denn: Wildschweine suchen im Herbst Futter in aufgerissenen Wiesen, graben diese bei der Nahrungssuche regelrecht um. Abgesehen haben es die Wildschweine auf eiweißhaltige Würmer, die in Grasnarben zu finden sind. Auch auf Mais- oder Haferfelder haben es die Vierbeiner abgesehen. Fürst sagt daher: „Mit Drückjagden versuchen wir, Wildschäden zu minimieren.“

An der Drückjagd am Thanheimer Stich beteiligt sind am Samstag etwa zehn Jäger. Die meisten kommen aus der Region, etwa aus Mössingen, Hechingen oder Schlatt. Letztlich entscheiden die Reviere, welche Jäger eingeladen werden. Dieses Jahr eine besondere Herausforderung im Thanheimer Wald sei, dass noch viel Holz vom jüngsten Einschlag in den Wäldern liege. Daher werden wohl weniger Schützen als üblich im Einsatz sein.

Wie läuft eine Drückjagd ab? Vorab wird geplant, an welchen Standorten sich die einzelnen Jäger positionieren. Haben alle ihren Platz eingenommen, wird versucht, mittels Treibern und Hunden das Wild ins Laufen zu bringen. Fürst nennt es auch, „in das Wohnzimmer der Tiere einzudringen“. So sei es dann auch möglich, dass während der Jagd Wildschweine, Füchse oder Rehe auf die Straße laufen. Ab spätestens 14 Uhr sollte die Gefahr aber gebannt sein.

Aktuelle Lage: Afrikanische Schweinepest

Kein Fall bekannt
Weder im Zollernalbkreis, noch in angrenzenden Landkreisen ist bisher die Afrikanische Schweinepest (ASP) nachgewiesen worden. Das teilt das Landratsamt auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Übertragungswege seien neben dem direkten Kontakt zu infizierten Tieren insbesondere nicht fachgerecht entsorgte tierische Produkte oder Speiseabfälle wie zum Beispiel ein Wurstbrot mit infizierter Rohwurst. Insofern sei ein Eintrag jederzeit möglich.

Jäger wachsam
Die Jägerschaft sei daher zu erhöhter Wachsamkeit angehalten und unterstütze hervorragend durch Monitoringmaßnahmen, heißt es aus der Kreisbehörde weiter. Sowohl Proben bei Fall- und Unfallwild (passives Monitoring) als auch aus der regulären Jagdstrecke (aktives Monitoring) werden durch die Jägerschaft in großer Zahl erhoben und in den Chemischen- und Veterinäruntersuchungsämtern sowie im staatlichen tierärztlichen Untersuchungsamt in Aulendorf untersucht.

Schnell reagieren
Das Ziel sei es, mit den Monitoringmaßnahmen einen ASP-Fall schnellstens zu erkennen, um diesen räumlich bestmöglich eingrenzen und bekämpfen zu können. Im Falle eines Eintrages im Wildschweinbereich ist für die Ausbreitungsgeschwindigkeit die Populationsdichte von Bedeutung. Je weniger Tiere pro Fläche vorhanden sind, desto weniger Kontakte können mit infizierten Tieren oder infiziertem Material stattfinden. Insofern sei die Absenkung der Tierzahl als seuchenprophylaktische Maßnahme wie beispielsweise durch Drückjagden von Bedeutung.

Abstimmung
 Das Bisinger Jagdrevier ist in sogenannte Jagdbögen, sprich zusammenhängende Teilflächen von Jagdbezirken, aufgeteilt. Diese werden von Jagdgemeinschaften gepachtet. Jede Jagdgemeinschaft organisiert eine Drückjagd für sich. Die Jagdgemeinschaften in Bisingen stimmen sich jedoch bei der Terminfindung ab.