Wer es schon frech findet, wie die Serie „The Crown“ die Geschichte der britischen Royals falsch nacherzählt, sollte sich vor „Pennyworth“ in Acht nehmen: Diese Serie hat Batmans Butler kürzlich sogar einen One-Night-Stand mit der Queen angedichtet.
Stuttgart/London - Bei den Pennyworths klingelt das Telefon. Alfreds Mutter geht ran. „Sie ist es schon wieder“, sagt sie ihrem frühstückenden Sohn. „Sag ihr, ich bin nicht da, ich bin bei einem Auftrag“, flüstert er ihr nicht besonders leise zu. „Ich verstehe“, sagt die Frau am anderen Ende der Leitung, „richten Sie ihm aus, dass er grausam ist und dass ich ihn verachte!“ Die Frau am Telefon ist die Königin von England.
Erst Lady Di, dann die Queen
Wer die erste „Pennyworth“-Staffel gesehen hat, weiß, warum die Queen anruft. Es geht nicht um eine geheime Mission, die der Mann, der eine private Sicherheitsfirma in London leitet, übernehmen soll, sondern da gab es diese eine gemeinsame Nacht, über die Stillschweigen vereinbart wurde. Nicht ans Telefon zu gehen ist unverschämt, sich solche Geschichten auszudenken ist auch nicht gerade die feine englische Art. Bruno Heller („The Mentalist“, „Gotham“) hat es trotzdem getan. Dass die Frau, die in der ersten Staffel Pennyworths große Liebe ist (vor der Sache mit der Queen), von Emma Corrin gespielt wird, die danach in „The Crown“ zu Lady Di wurde, ist allerdings nur ein wunderbar skurriler Zufall. So etwas kann man sich nicht ausdenken.
Britische Spleenigkeit wird überhöht
Für alle, die das bisher beste aller „Batman“-Spin-offs verpasst haben: „Pennyworth“ spielt in einer seltsam und brutal verzerrten Version des Swinging London der 1960er, in dem Alfred Pennyworth (Jack Bannon), der später einmal Batmans Butler werden wird, nach seiner Zeit beim Militär eine Sicherheitsfirma gegründet hat, Verbrecher jagt, mit Thomas Wayne (Ben Aldrige) und Martha Kane (Emma Paetz) zusammenarbeitet, vor allem aber in eine faschistoide politische Verschwörung hineingerät. Ständig überrumpelt einen dieser Alternate-History-Thriller mit neuen Wendungen, überhöht die britische Spleenigkeit, macht die Sängerin und Schauspielerin Paloma Faith zu einer herrlich exzentrischen Schurkin.
Paloma Faiths Vorschläge waren zu morbide
In der zweiten Staffel, die jetzt beim Streamingdienst Starzplay gestartet ist, geht es skurril weiter. In der ersten Episode ignoriert Pennyworth etwa nicht nur die Anrufe der Queen, es gibt auch einen Auftritt George Orwells, der von den neuen britischen Machthabern gefoltert wird. Das Einzige, auf das man sich bei „Pennyworth“ weiterhin verlassen kann, ist, dass man sich auf nichts verlassen kann.
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Das bestätigen auch die vier Hauptdarsteller der Serie, die wir zum Zoom-Interview getroffen haben. Alfred-Pennyworth-Darsteller Bannon freut sich zum Beispiel jedes Mal, wenn er weitere „Casablanca“- oder „Harry Potter“-Anspielungen in der Story entdeckt. „Uns geht es eigentlich genauso wie den Zuschauern“, sagt er, „wir bekommen nach und nach die Drehbücher zugeschickt. Und jedes Mal, wenn du umblätterst, denkst du: Das kann doch nicht wahr sein. Bruno Heller ist ein netter Mensch, aber als Drehbuchautor ist er verschlagen und hinterhältig und genießt es, dass es in seiner Welt keine Regeln gibt.“ Nur Paloma Faith scheint noch düstere Fantasien als der Serienerfinder zu haben: „Bruno fand die Vorschläge, die ich gemacht habe, zu morbide“, beschwert sie sich kichernd, „er hat gesagt: Wenn wir das machen, setzen sie die Serie ab.“
Vom Spionagethriller zum Kriegsdrama
„Pennyworth“ ist aber auch ohne der Berücksichtigung dieser Einfälle alles andere als ein konventionelles „Batman“-Spin-off. Thomas-Wayne-Darsteller Ben Aldridge glaubt, dass das den Erfolg der Serie ausmacht: „‚Pennyworth‘ spielt in einer unberechenbaren, gefährlichen Welt, die Genregrenzen sprengt: Die erste Staffel war ein 1960er-Jahre-Spionagethriller, die zweite Staffel verwandelt sich in ein Kriegsdrama.“
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In dieser Serienwelt hat die Raven Society in England einen faschistoiden Staat errichtet. Nur in Manchester, Liverpool und London kann die English League, die sich um die Queen versammelt hat, bisher gegen die Militärdiktatur Widerstand leisten. Das macht Pennyworth zu Verbündeten von Martha Kane und Thomas Wayne. Und obwohl Batman-Fans wissen, dass die beiden einmal Bruce Waynes und damit Batmans Eltern sein werden, macht sich Heller einen Spaß daraus, die beiden sich lange bekriegen zu lassen: „Das sind meine Lieblingsszenen“, sagt Emma Paetz, „immer wieder kommen sich die zwei näher, man spürt die sexuelle Anspannung – und dann sagt einer von ihnen irgendwas Blödes, und alles ist wieder futsch: Martha und Thomas bekommen ihre eigene kleine Screwballkomödie in der Serie.“
Die etwas andere Superschurkin
Dazu gehört aber auch die grandiose Figur der Bet Sykes, bei der sich Paloma Faith an ihrer ersten Grundschullehrerin orientiert hat („die war wirklich furchterregend“) und die wenig mit den üblichen Schurkinnen aus dem DC-Comic-Universum zu tun hat: „Das sind ja sonst immer Frauen, die ihre sexuelle Ausstrahlung und das männliche Verlangen ausnutzen, um zu manipulieren“, sagt Faith, „ich spiele dagegen eine hochkomplexe, ziemlich gestörte Frau, die dringend mal zum Psychiater gehen sollte.“
Weitere Serien aus dem Batman-Universum
Batman (1966–1968)
In den 120 Episoden der TV-Serie werden Adam West als Batman und Burt Ward als Robin zu kunterbunten Witzfiguren.
Gotham (2014–2019)
Die düstere Serie, die ebenfalls von „Pennyworth“-Erfinder Bruno Heller stammt, macht den Polizisten James Gordon, der später Batmans Verbündeter wird, zur Hauptfigur.
Batwoman (seit 2019)
Bruce Waynes Cousine Kate Kane geht in Gotham City auf Verbrecherjagd, nachdem Batman verschwunden ist.
The Batman (2022)
Zu dem Kinofilm „The Batman“, der am 4. März kommenden Jahres ins Kino kommen soll (mit Robert Pattinson in der Titelrolle), plant der US-Bezahlsender HBO eine Prequel-Serie. Details sind bis jetzt nicht bekannt.