Welche Themen beschäftigen die Gemeinden im Jahr 2026? Unsere Redaktion hakt bei den Bürgermeistern nach. Philipp Klotz widmet sich in Kappel-Grafenhausen dem Rathaus.
Helle Möbel, weiße Vorhänge, bequeme Sessel: Das Büro von Bürgermeister Philipp Klotz im Kappeler Rathaus wirkt modern und trotzdem heimelig. Vom eher altbackenen Stil geprägt von klassischem Eichenholz, der noch das Büro von Klotz’ Vorgänger Jochen Paleit prägte, ist nichts mehr übrig. Es war eine seiner ersten Amtshandlungen, als der damals 26-Jährige im März 2024 sein Amt als Rathauschef antrat. Und dieser Schritt steht sinnbildlich für das, was Klotz in Zukunft und speziell in diesem Jahr vor hat: Weiterentwicklung.
Eine Baustelle hat er inzwischen (fast) geschlossen: Als der junge Bürgermeister anfing, stand er vor der Herausforderung, zahlreiche freie Stellen wieder zu besetzen. Inzwischen ist die Verwaltung annähernd vollzählig. Klotz berichtet, dass nur etwa ein Vollzeitäquivalent unbesetzt ist.
Anbau soll die Platznot der Verwaltung lösen
Das Schließen der einen Baustelle hat jedoch eine andere geöffnet: Im Kappeler Rathaus wird allmählich der Platz knapp. Das Vorzimmer des Bürgermeisters ist – sehr ungewöhnlich – Arbeitsplatz für zwei Mitarbeiterinnen und für den stellvertretenden Hauptamtsleiter wurde eigens ein Lagerraum zum Büro umgebaut. „Es gibt keinen richtigen Aufenthaltsraum. Pause können die Mitarbeiter im Ratssaal machen, aber da können Passanten einfach durchs Fenster reinschauen“, gibt Klotz ein weiteres Beispiel.
Kritik an seinen Vorgängern würde er wohl nie direkt äußern, doch ist Klotz anzumerken, dass ein jahrzehntelanger Stillstand bei der Fortentwicklung des Rathauses an seinen Nerven zerrt. „Wir wollen doch als Arbeitgeber attraktiv sein“, bringt er seine Sorgen auf den Punkt. Dabei vergleicht der 28-Jährige seine Gemeinde auch mit dem Umland: In Orschweier, seinem Heimatort, sei die Sanierung der Ortsverwaltung noch nicht so lange her. Auch die Rathäuser in Rust oder Ringsheim seien moderner aufgestellt.
Wie Klotz verrät, schwebt ihm nicht nur eine Renovierung, sondern ein ganzer Anbau in östlicher Richtung vor. „Der soll dann auch einen Fahrstuhl haben, damit das Rathaus endlich barrierefrei wird“, berichtet er. Der Gemeinde gehört das angrenzende Grundstück mit der Rathausstraße 4. Doch so ein Anbau kostet natürlich Geld. In Kappel-Grafenhausen sieht es mit der Liquidität zwar „noch ganz gut aus“, doch weiß auch Klotz, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Ein entscheidender Punkt zur Finanzierung soll daher die Aufnahme ins Landessanierungsprogramm sein.
„Wir waren da noch nie drin“, spricht Klotz bisherige Versäumnisse an. Das Landessanierungsprogramm unterstützt Gemeinden bei Vorhaben, die im Endergebnis das Ortsbild attraktiver machen. Auch private Haushalte können profitieren. „Das ergibt für die Gemeinde unglaublich viel Sinn“, ist Klotz überzeugt. Denn die Förderung erfolge „sehr unbürokratisch“ und auch die Summe könne sich sehen lassen. Etwa vier bis fünf Millionen Euro, schätzt der Rathauschef, könnten nach Kappel-Grafenhausen fließen. „Das können wir dann auch noch aufstocken“, sagt er.
Aufnahme klappt nur mit Entwicklungskonzept
Die Voraussetzung, dass die Doppelgemeinde ins Programm aufgenommen werden kann, ist gerade fertig geworden, berichtet Klotz. Mit dem Gemeindeentwicklungskonzept „Kappel-Grafenhausen 2040“ gibt es nun einen ganzheitlichen, fachübergreifenden Ansatz, wohin sich die beiden Orte entwickeln sollen. Es dient als Wegweiser und Unterstützungshilfe für die kommenden Jahre.
Und was steht sonst noch auf der Wunschliste? „Ein Zugang zur Elz und eine geeignete Nutzung für das leerstehende Sparkassen-Gebäude“, gibt Klotz weitere Beispiele. Jetzt steht aber erstmal in beiden Ortsteilen die Fasent an, bei der es bekanntlich sowohl in Kappel als auch in Grafenhausen rund geht. „Das wird anstrengend“, blickt Klotz lachend voraus.
Zur Person
Philipp Klotz, 28, kommt aus Orschweier und wurde im Dezember 2023 zum neuen Bürgermeister von Kappel-Grafenhausen gewählt. Noch immer ist er damit einer der jüngsten hauptamtlichen Rathauschefs Baden-Württembergs.