Ob Mammutmarsch, Jogging-Erfolge oder Schwarzwaldwanderung: Unsere Redakteure haben sich für den Sommer viel vorgenommen. Das Ziel von Nadine Goltz: 100 Kilometer in 24 Stunden beim Mammutmarsch in München.
Wandern ist seit ein paar Jahren zu meiner großen Leidenschaft geworden. Vergangenes Jahr habe ich unter anderem etliche Kilometer bei meiner Alpenüberquerung gesammelt, habe die Zugspitze erklommen und mich zum Ende des Jahres dem 50-Kilometer-Megamarsch in Freiburg gestellt.
Meinen Wanderschuhen soll es aber auch in diesem Jahr nicht langweilig werden. Am 29. und 30. Juli werde ich mich deshalb dem 100-Kilometer-Mammutmarsch in München stellen. Gemeinsam mit meinen Kollegen stelle ich im Rahmen einer Serie meine Erfahrungen vor.
9. Juni: Notfall-Playlist im Gepäck
„Wie bereitest Du dich eigentlich auf die 100 Kilometer vor?“, werde ich seit unserem Serien-Auftakt-Artikel öfter gefragt. „Körperlich gar nicht“, antworte ich meist. Mein Alltag gestaltet sich bereits aktiv. Meine mitzählende Uhr zeigt mir abends so gut wie immer einer Zahl zwischen sieben und 15 gelaufenen Kilometern an. Ich bin gerne lange mit meinen Hunden unterwegs oder vergesse die Zeit beim Podcast hören während des Joggens. Das passiert „einfach so“ – wo wir auch schon bei meiner Sorgenfalte wären: Ich muss jetzt an einem bestimmten Tag eine gewisse Leistung erbringen – das baut Druck auf.
Meine Sorge, es nicht nicht bis ins Ziel zu schaffen, liegt nicht in fehlender Fitness begründet, sondern in Sachen Kopf, der mir durchaus Streiche spielen könnte. Irgendwann, da bin ich mir ziemlich sicher, werde ich an einen Punkt kommen, an dem mein Hirn mir mit vielen guten Argumenten vorschlagen wird, mit dieser Extrem-Wanderei aufzuhören. Aus diesem Grund arbeite ich derzeit an meiner mentalen Stärke. Daneben bin ich fleißig daran, eine Playlist mit Liedern zu erstellen, mit denen ich im Notfall einfach tanzend weiterkomme.
5. Juli: Unbegründete "Frauenangst"
„Gerne und oft bin ich – vor allem jetzt auch mit den schwindenden Tagen bis zum Mammutmarsch – alleine unterwegs und fülle mein Kilometerkonto an den Wochenenden gerne etwas mehr auf. Mal bin ich dazu hier im heimischen Schwarzwald unterwegs, mal fahre ich dazu in die Alpen. Mehrfach musste ich mich nun in den vergangenen Wochen dahingehend einer Frage stellen. Diese wird in meinem Fall gerne mit einem kleinen Zusatz versehen, der ein wenig ärgert, weil es einen „klein“ macht: „Hast Du denn keine Angst, alleine unterwegs zu sein – so als Frau?“ Ist es denn anders als Mann? Ich denke doch, dass Stolpern, Stützen oder Abrutschen nicht vom Geschlecht abhängig ist. Und ich bin auch der festen Überzeugung, dass Übergriffe (auf Frauen) nicht auf Berg oder Wald beschränkt sind, sondern sich oftmals in urbaneren Gegenden abspielen. Nein, ich habe jedenfalls keine Angst alleine (als Frau). Schon gar nicht beim Mammutmarsch selbst – da werde ich doch ganz bestimmt immer wieder Mitstreitern begegnen, spätestens an den Versorgungsstationen.
19. Juli: Wanderella 30 plus
So kurz vor zwölf, die erste Glocke hat quasi schon geschlagen, komme ich nun doch ein wenig in Stress – gleich dem Aschenputtel-Märchen der Brüder Grimm. Mit den 30-Kilometer-plus-Touren, die ich derzeit an den Wochenenden angehe, musste ich vor allem in Verbindung mit dem hochsommerlichen Wetter feststellen, dass meine super eingelaufenen, wahnsinnig liebgewonnenen Wanderschuhe einfach nichts für Extrem-Touren sind. Sie schützen vor Wasser, sie schützen mit ihrer Knöchelhöhe vor Umknicken – sie verhindern aber damit gleichzeitig eine Luftzufuhr, sodass es bei langem Tragen durch die Schuh-Socken-Schweiß-Reibung zu schmerzhaften Ausschlägen kommt. Wanderella musste also jetzt schnell handeln, ein neuer passender Extrem-Touren-Schuh musste her – noch vor dem zwölf-Uhr-Glockenschlag. Und die werden jetzt bei jeder Gelegenheit im Extrem-Alltag getragen.