Von der Wiese in die Flasche: In seiner„Brennerei Südstrasse“in Ottenheim produziert Lutz Weide Gins, Destillate und Liköre. Die Früchte dafür kommen direkt von den 17 Streuobstflächen mit fast 350 Hochstammbäumen, die der Betrieb aktuell betreut.
„Was mich begeistert, ist, dass wir das Material, das wir brauchen, mehr oder weniger geschenkt bekommen“, erklärt Lutz Weide. Er ist Inhaber der Brennerei Südstrasse in Ottenheim, wo er seit etwa 30 Jahren eigene Destillate, Liköre und Gins herstellt und verkauft. Die Früchte dafür – bis auf die Beeren – stammen von eigenen Streuobstwiesen direkt aus der Region. „Es fasziniert mich, aus etwas, das die Natur einem gibt, Produkte herzustellen“, erklärt der 62-Jährige Brenner.
Bei seiner Arbeit ist Lutz Weide stark an das Wetter und die Saison gebunden. „Im Winter starten wir jedes Jahr damit, den Baumschnitt wegzuräumen“, erklärt er. Nach den Mäharbeiten gehe es mit der Erdbeersaison in der Brennerei so richtig los. Beim Besuch unserer Redaktion steht der gerade hergestellte Erdbeerlikör duftend in der Produktionshalle bereit, um in Flaschen abgefüllt zu werden. Die darin verarbeiteten Früchte kauft Weide bei einem Erdbeerbauern in Dundenheim ein. „Den Likör verkaufen wir jetzt mit Stolz. Es sind regionale Früchte und es ist sehr viel Arbeit, sie zu pressen, zu filtrieren und die Flaschen zu etikettieren“, so der Hersteller.
Selbstständigkeit und Kreativität des Berufs begeistern ihn
„Ich habe alle Ausbildungsschritte gemacht, die man für einen Edelbrenner im Obstbereich braucht“, berichtet Lutz Weide. 2007 habe er eine Ausbildung zur staatlich geprüften Fachkraft für Brennereiwesen mit Berufsabschluss Brenner, 2011 eine Ausbildung zum Edelbrandsommelier, 2012 ein international anerkanntes Zertifikat in Spirituosen und 2017 eine Prüfung zum Baumwart abgelegt.
Wenn die Zwetschgen-, Pflaumen-, Birnen-, Quitten- und Apfelbäume auf den 17 Streuobstwiesen mit fast 350 Hochstammbäumen, die die Brennerei aktuell betreut, bereit für die Ernte sind, wird auch dieses Obst zu entsprechenden Bränden oder Likören verarbeitet. „Die letzten Äpfel ernten wir Mitte November, dann werden die Bäume geschnitten und der Rhythmus beginnt neu“, so der 62-Jährige. Da man immer schnell auf den Reifegrad der Früchte reagieren müsse, sei es ein „richtiger Managerjob“.
„Ich bin in dem Brennerberuf voll aufgegangen“, erklärt Lutz Weide, der erst in einem anderen Bereich gearbeitet hatte. Die Selbstständigkeit und die Kreativität hätten ihn nach seiner beruflichen Umorientierung begeistert. „In den 80er-Jahren haben wir das Haus hier gekauft“, berichtet er. Bei dem Anwesen sei auch eine Streuobstwiese dabei gewesen, wodurch die Familie erste Berührungspunkte mit der Produktion erhalten habe. „Wir haben damit angefangen, Apfelsaft herzustellen“.
Lutz Weide brennt seit30 Jahren Schnaps
Irgendwann sei auch das Destillieren dazu gekommen. „Wir sind ein Familienunternehmen“, erklärt der Brenner. Sowohl seine Frau als auch seine Kinder würden mithelfen. In den Hochphasen werden außerdem Erntehelfer eingesetzt.
Mittlerweile brennt der 62-Jährige seit rund 30 Jahren. „Am Anfang schlecht und inzwischen auf hohem Niveau“, sagt er. „Hätte ich mit 20 Jahren angefangen, hätten wir hier wahrscheinlich eine riesige Brennerei“, vermutet Weide, der sich alles Stück für Stück erarbeitet habe. „Dadurch konnten wir unseren Weg selber bestimmen“, sagt er. Erst vor Fünf Jahren hat der Inhaber Geld in die Hand genommen und in eine Produktionshalle in der Nähe des Anwesens investiert.
Brände, Geiste und Liköre entstehen in den Räumlichkeiten in der Dundenheimer Südstraße – bei allen Sorten müssten die Herstellungsschritte genau befolgt werden. „Es gibt vier Schritte, die beim Brennen zu einer Goldmedaille führen können“, erklärt Lutz Weide, „Sauberkeit, Gärkontrolle, die Kunst am Brenngerät und die Frucht an sich.“ Vernachlässige man einen Schritt, brauche man sich für die anderen keine Mühe mehr zu geben. „Das hängt alles eng zusammen“, erklärt er.
Die fertigen Produkte werden in Flaschen verpackt, etikettiert und im Hofladen vor Ort, im Onlineshop oder bei Partnern wie Edeka-Märkten oder Gastronomiebetrieben verkauft. Die Preise würden bei den Obstbränden zwischen 18 und 40 Euro liegen, den Gin könne man für 29 Euro erwerben. In der Brennerei können außerdem auch Schnapsproben gebucht werden.
Gins und Likörekommen am besten an
„Wir haben im Moment 40 verschiedene Produkte“, berichtet Weide. Doch gekauft würden in erster Linie Gins und Liköre. „Die deutsche Trinkkultur hat sich geändert. Die Nachfrage nach klassischen Obstbränden ist stark zurückgegangen“, bedauert er. Jüngere würden in erster Linie Gin kaufen. Obstbrände seien, wenn überhaupt, bei Älteren gefragt. „Wir haben beispielsweise Klarapfel, Goldparmäne, Gelbmöstler oder Schweizer Wasserbirne. Das sind Äpfel und Birnen direkt von vor der Haustür – aber keiner kauft sie.“ Mit dem Problem hat nicht nur der Ottenheimer Brenner zu kämpfen: „Von ursprünglich 50 000 Brennereien in Deutschland sind heute nur noch 11 000 übrig“, erklärt Weide. Er hofft, dass es wieder hoffähig wird, die Produkte aus einer Streuobstwiese zu einem guten Preis verkaufen zu können. „Das Denken in den Köpfen muss wachsen, dass regional das ist, was eine Streuobstwiese hergibt“, sagt er.
Vorschläge für die Serie
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