Skulpturen-Bruchstücke in in unglaublicher Größe und Qualität wurden vom Förderverein auf dem Gelände der Römervilla in Stein ausgegraben. Sie werden nun im Freilichtmuseum präsentiert. Foto: Stopper

Ein Riesenfund ist im vergangenen Jahr im Römer-Freilichtmuseum ausgegraben worden. Eine Säule, möglicherweise bis zu acht Metern hoch, dicht bestückt mit Reliefs all jener Götter, die Schutz und Glück versprachen.

Verwöhnt sind sie nicht, die ehrenamtlichen Ausgräber des Fördervereins in Stein. Eine Line Steine im Boden macht sie schon glücklich. Ziegel. Wieder eine Mauer entdeckt. Aber seit vergangenem Sommer waren alle Ausgräber wie elektrisiert. Körperteile mit Toga zeigten da ausgegrabene Skulpturenbruchstücke sowie Teile eines Pferds, Köpfe von Göttinnen, ein Fuß hier, eine Hand mit Kette da, und sogar Buchstaben.

 

Am Donnerstag wurde dieser Sensationsfund nun im Freilichtmuseum vor Fachleuten, Vereins-Aktiven und viel Presseleuten präsentiert. Römer-Chef Gerd Schollian wirkte sehr zufrieden. Wie ein Wünschelrutengänger für Wasseradern scheint er eine Gabe zu besitzen, Gestein aus der Römerzeit im Erdboden zu spüren. 1971 fand er Mauerreste im Wald bei Stein. Das Denkmalamt reagierte kühl. „Was soll da schon gestanden haben?“, sei er gefragt worden. Dann kamen immer mehr Funde. Heute gibt es kaum mehr ein Experte, der ihm nicht aufmerksam zuhört. Klaus Kortüm, stellvertretender Fachgebietsleiter für provinzialrömische Archäologie des Landesdenkmalamts, gehört auch zu den Schollian-Fans. Das ist ihm anzumerken. Zu oft lag Schollian schon goldrichtig.

Gerd Schollian vermutete schon vor 50 Jahren Funde

Dass am aktuellen Fundort mal gegraben werden sollte, hat Schollian vor über 50 Jahren schon geahnt und damals einen Weg dort anlegen lassen. Auf dem wurde im vorigen Jahr begonnen zu graben. Volltreffer. Etwa 60 Meter oberhalb des neu rekonstruierten oberen Turms der Anlage stieß man auf auf etwas, was man zunächst einfach für Steine hielt. Man schaute genauer hin, entdeckte ein Gesicht im Stein. Am Ende war es „der tollste Fund“, der jemals auf dem Villa-Gelände ausgegraben worden sei, so Schollian. Die außergewöhnliche Bedeutung und Qualität des Funds bestätigte auch Klaus Kortüm bei der Präsentation.

Gemeinsam mit dem Archäologen Thomas Schlipf hat er die etwa 20 großen Steine untersucht. Bedauerliche Feststellung: Es war einst ein großes Bauwerk, dass nach der Römerzeit absichtlich zertrümmert wurde. Wahrscheinlich um Baumaterial zu gewinnen. Trotzdem blieb genug übrig um klar sagen zu können: Es sind Teile einer Säule mit quadratischem Grundriss.

Funde könnten gigantisches Weihedenkmal sein

Sehr wahrscheinlich ist es eine Art Weihedenkmal. „Eine Art Herrgottswinkel, nur halt viel größer und aus römischer Zeit“, gab Klaus Kortüm ein verständliches Beispiel: Gedacht waren sie dafür, Segen und Schutz über die Villa und ihre Bewohner zu bringen.

Die Säule muss weit über der Anlage aufgeragt haben. Schlipf hat mit kleinen aber detailgetreuen Schaumstoff-Abbildern der Fundstücke aus dem 3-D-Drucker versucht, die Fundstücke zu einem Modell der früheren Säule zusammenzufügen. Nächstes Jahr wird weitergegraben. Funde sind nicht unwahrscheinlich. Dann muss er das Modell möglicherweise wieder umbauen. Und die Frage ist auch noch zu klären, was mit den Funden passiert. Sie sollen im Museum in Stein bleiben. Dafür müssten sie aber gut präsentiert werden können. Das kostet Geld. „Wir hoffen auf Sponsoren“, so Gerd Schollian.