Die Herzsportgruppen des TSV Altensteig werden von qualifizierten Übungsleiterinnen betreut. Foto: Matthias Buchner

Ein Aspekt für Lebensqualität im Alter ist körperliche Fitness, denn Beweglichkeit, Ausdauer und Kraft sind Voraussetzungen für Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Am besten schafft man die Grundlagen schon in jungen Jahren, aber auch für Senioren gibt’s Angebote.

„Bewegung ist alles - ohne Bewegung geht nichts“, betont Eberhard Fiedler, der Vorsitzende des Calwer Kreisseniorenrats. Gerade im Alter sollte man darauf achten – je nach körperlicher Eignung –, in Bewegung zu bleiben, denn „dies ist die einfachste Sturzprävention“. Selbst das abendliche Zähneputzen lasse sich für eine Gleichgewichtsübung nutzen, erklärt er. Er stelle sich eine Minute aufs eine Bein und eine weitere Minute aufs andere: „Probier das mal“, empfiehlt er.

 

Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer sind auch die Ziele der Seniorengymnastik, die der Altensteiger Stadtseniorenrat 60 plus an zwei Tagen pro Woche im Ballettsaal der städtischen Musikschule und im Feuerwehrgerätehaus anbietet. „Unser Programm spricht alle Muskelgruppen an“, erklärt Birgit Hentschel. Die 67-Jährige hat die Leitung der Gruppe in der Musikschule von Doris Behnke übernommen. Die ist über 80 Jahre alt und will sich nach überstandener Reha wieder vermehrt in den Übungsbetrieb einbringen. Die älteste Teilnehmerin ist 92 Jahre alt.

Zum Trainingsplan gehören auch Bodenübungen – schließlich geht es nicht nur darum, Stürze zu vermeiden. Denn sollte der Fall des Falles doch eintreten, muss man ja irgendwie auch wieder auf die Beine kommen.

Teilnehmer freuen sich auf den Aufzug

Die zweite Gruppe – „das sind die Jüngeren, da sind manche erst 70“, sagt Birgit Hentschel – wird von Lilia Kolke geleitet und trifft sich montags um 10 Uhr im Feuerwehrgerätehaus. Dorthin wird auch die Mittwochsgruppe umziehen, wenn im Januar die Sanierung der Musikschule beginnt. „Dann wird ein Aufzug eingebaut“, freut sich eine Teilnehmerin. Der Aufstieg zum Ballettsaal im ersten Stock stellt für die eine oder den anderen immerhin schon ein veritables Aufwärmtraining dar.

Die 60-plus-Seniorengymnastik spricht alle Muskelgruppen an. Foto: Matthias Buchner

Etwas später setzt die Herzsportgruppe des TSV Altensteig an. Bei diesem Angebot handelt es sich um eine ambulante Rehabilitationsmaßnahme für Patienten mit kardialen Erkrankungen. Die erste Gruppe dieser Art wurde 1965 in Schorndorf gegründet, die erste im Kreis 1986 in Calw. Die Altensteiger Herzsportgruppe wurde 1987 aus der Taufe gehoben und fand eine Heimat unter dem Dach des TSV Altensteig. 2018 gab es bundesweit um die 7000 solcher Gruppen, die gemeinsam rund 125 000 Patienten betreuten. Inzwischen ist die Zahl rückläufig, Schätzungen zufolge dürften es noch etwa über 4000 sein.

Auch rund um Altensteig haben sich einige aufgelöst – mit der Folge einer erhöhten Nachfrage in der Flößerstadt, wie Peter Krumrey, einer der sieben betreuenden Ärzte erklärt.

Auch soziale Komponente kommt nicht zu kurz

Per Definition handle es sich bei einer Herzsportgruppe um eine ärztlich betreute und von qualifizierten Übungsleiterinnen und Übungsleitern geleitete Gruppe mit maximal 20 Patienten, die sich mindesten einmal in der Woche zum Bewegungstraining trifft. Zum ganzheitlichen Ansatz gehören auch Elemente der Stressbewältigung sowie Informationen zu einer gesunden Ernährung und zum Krankheitsbild an sich. So findet am 18. November ab 19 Uhr im Gasthaus Hirsch in Überberg beispielsweise eine Ernährungsberatung mit Danielle Kieß von der AOK Calw statt.

Die Altensteiger Gruppe besteht derzeit aus rund 45 Patienten (die älteste ist 92 Jahre alt), die sich mittwochs ab 19 Uhr in zwei Gruppen in der Markgrafenhalle treffen. Das Training leiten zwei Übungsleiterinnen, sieben Ärztinnen und Ärzte wechseln sich mit der Betreuung ab.

Neben dem sportlichen Aspekt kommt auch die soziale Komponente nicht zu kurz – Spaziergänge und ein Jahresausflug gehören ebenfalls zum Angebot der Gruppe.

Für Menschen, deren Mobilität schon so weit eingeschränkt ist, dass es ihnen schwerfällt, Angebote außer Haus in Anspruch zu nehmen, empfiehlt Eberhard Fiedler den „Aktivierenden Hausbesuch“ des DRK-Kreisverbands Calw. Übungsleiterinnen des Roten Kreuzes besuchen die Senioren dabei einmal in der Woche zu Hause und bringen Zeit für Bewegung und Gespräche mit. „Je länger man jung bleibt, desto älter wird man – trotzdem“, heißt es in einer Broschüre des Roten Kreuzes.

Am sinnvollsten ist es allerdings – da sind sich die Befragten einig –, nicht erst mit Sport anzufangen, wenn sich die ersten Zipperlein melden, sondern schon in jungen Jahren die Grundlagen für Fitness im Alter zu legen.

Zahlreiche Angebote im Kreis Calw

Im Kreis Calw haben zahlreiche Vereine und Institutionen Angebote für Senioren im Portfolio – von den Sportvereinen über die Seniorenräte und das DRK bis hin zur Volkshochschule. Auch die meisten Sportstudios sollten in der Lage sein, seniorengerechte Trainingspläne zu erstellen.

Für einen Überblick empfiehlt Valerie Nußbaum, Sprecherin des Landratsamts Calw, die Homepage des Sportkreises Calw (www.sportkreis-calw.de) und die örtlichen Mitteilungsblätter der Kommunen zu konsultieren.