Die Seniorenpflege schließt zum 30. Juni. Die Bewohner und die betreuten Senioren müssen sich andere Einrichtungen suchen. Foto: Visel

Das Schömberger Seniorenheim schließt zum 30. Juni. Dies hat am Donnerstag der Liquidator Gunther Kiener mitgeteilt. Grund: Die Übernahme des Betriebs mit Investitionen in neue Gebäude kommt nicht wie geplant zum Tragen.

Schömberg - Der laufende Geschäftsbetrieb der Seniorenwohnanlage einschließlich der Seniorenpflege wird bis Ende Juni eingestellt und die bisher bestehende Einrichtung geschlossen. Betroffen sind rund 65 Senioren in stationärer Pflege beziehungsweise im betreuten Wohnen. Sie sind gezwungen, eine neue Unterkunft zu finden. Sämtliche Mitarbeitenden, so Kiener, verlieren ihre Arbeitsplätze: "Das ist nach heutigem Stand ein schwerer Schock für alle Beteiligten."

GmbH bestand seit 1988

Die Seniorenheim GmbH bestand seit Januar 1988. Sie wurde von Stanislaus Bayer mit Unterstützung seiner Frau Helene und den Kindern Corina und Armin gegründet. Bis zuletzt handelte die mittlerweile über 80-jährige Helene Bayer als alleinige Geschäftsführerin. Sie war laut Kiener in den vergangenen Jahren bemüht, eine außerfamiliäre Nachfolgeregelung zu finden und war seit geraumer Zeit mit einem potenziellen Übernehmer im Gespräch.

Geplant war eine Übernahme nebst dringend erforderlichen Investitionen parallel zur Fortsetzung des laufenden Betriebs. Während ein Teil der Gebäude abgerissen und durch neue ersetzt werden sollte, war angedacht, in den bestehenden Gebäuden die Bewohner weiter zu betreuen und wohnen zu lassen. Auch die Fortsetzung der Arbeitsverhältnisse wäre durch die Übernahme gesichert gewesen.

Investition nicht wie geplant möglich

Laut dem Investor, der Projekte Deutschland Immobilien GmbH in Hannover, sei dies aber nicht wie geplant möglich. Der Grund sei, dass die Grundstücksflächen östlich der gegenwärtig geplanten Neubebauung beim Kreisel nicht als Bauflächen zugestanden wurden. Ein Teil des Neubaus hätte dort stattfinden sollen und nach Fertigstellung von den Bewohnern bezogen werden können. Dann hätte der Altbestand abgebrochen und ebenfalls neu bebaut werden sollen. Nach Auskunft von Kiener erlaube die örtliche Grundstücksgröße nurmehr eine kleinteilige und sukzessive Vorgehensweise. Dies bedeute, dass der Neubau erst nach einem kompletten Abriss des Altbaus erstellt werden könne. Für die Bewohner habe dies zur Folge, dass sie während der Bauphase nicht in bestehenden Nachbargebäuden betreut werden können, sondern komplett ausgesiedelt werden müssen.

Neue Situation

Kiener: "Die bisherige Betreiberin, der Investor des Neubauvorhabens sowie der potenzielle Betreiber der neuen Seniorenwohnanlage haben sich dieser Situation zu fügen, ebenso sämtliche Bewohner und die rund 60 Beschäftigten. Dabei gibt es nur Verlierer."

Als neuer Betreiber ist das Servicehaus Sonnenhalde mit Sitz in Engstingen im Gespräch. Pläne zur Neubebauung sind bereits vorgestellt worden. Ob dies nun alles so zum Tragen kommt, ist offen. Kiener: "Es ist jetzt eine ganz andere Situation."

Kompletter Neubau

Die Seniorenheim GmbH befindet sich seit 1. Dezember 2021 in Liquidation. Liquidator Kiener vertritt die Gesellschaft laut dem Liquidatorbestellungsbeschluss vom 22. November 2021 nunmehr allein. Er steht mit der zuständigen Heimaufsicht in Kontakt.

Kiener betont: "Ein kleiner Trost wird sein, dass die Stadt Schömberg zukünftig wieder auf ein Seniorenheim hoffen darf. Allerdings unter anderer Leitung und erst nach Erstellung eines kompletten Neubaus."

Sprenger: Äußerst bedauerlich

Bürgermeister Karl-Josef Sprenger nennt das Ganze "äußerst bedauerlich". Er sichert Liquidator Kiener die volle Hilfe der Stadt zu. Dass das Vorhaben nicht wie geplant zum Tragen komme, sei den restriktiven planerischen Vorgaben seitens des Regierungspräsidiums Tübingen und des Regionalverbands Neckar-Alb geschuldet. Diese hatten gefordert, dass das gesamte bestehende Areal der Seniorenpflege miteinbezogen werden müsse. "Unser Wunsch und der des Investors war ein anderer." So habe man zusätzliche Fläche für das Gesamtprojekt ausweisen wollen, was jedoch abgelehnt worden sei. Für die geplante Neubauung liege bereits das Baugesuch vor.