Die Diakonie kümmert sich um alte Menschen, die zu verwahrlosen drohen. Einsamkeit und soziale Isolation seien aktuell eine große Herausforderung. Foto: Gerald Nill

Mit großem Interesse nahm der Verwaltungs- und Finanzausschuss der Stadt Schopfheim den Bericht über die Seniorenarbeit der Diakonie zur Kenntnis.

Die Leiterin der Schopfheimer Diakonie, Sonja Steiger, und die Leiterin des diakonischen Seniorenbüros, Dagmar Stettner, sind quasi alte Bekannte bei den Gemeinderäten. Ihre Berichte bürgen für hochwertige Angebote für alte Menschen. Vor allem für solche alte Menschen, die zunehmend Probleme haben, mit ihrem Alltag zurecht zu kommen. Im Alter drohen Vereinsamung und soziale Isolation. Für die Fälle ist die Diakonie oft der rettende Anker.

 

Vereinsamung und soziale Isolation drohen im Alter

Dagmar Stettner, die von Sonja Steiger als „einer Perle der Schopfheimer Seniorenarbeit“ bezeichnet wurde, berichtete von einem Beispiel aus Schopfheim. Der Vermieter teilte der Diakonie von einer 80-jährigen Bewohnerin seiner Wohnung mit, die alleine offenbar nicht mehr zurecht komme. Die Wohnung sei vermüllt und die Frau verwahrlose zunehmend. Mehrere Hausbesuche der Diakonie unterstreichen das Bild. Die Betroffene tut sich jedoch schwer, sich ihrer Hilfsbedürftigkeit zu stellen. Sie lebe alleine, komme nicht mehr aus der Wohnung. Seit vielen Jahren leidet sie an Depressionen.

„Nach einigen Wochen und Besuchen bekommt das Seniorenbüro ihre Erlaubnis, einen Pflegegrad für sie zu beantragen“, berichtete Stettner. Nach Bewilligung kann ein Pflegedienst eingeschaltet werden. Die Seniorin erhalte zunächst regelmäßig Essen auf Rädern und bekommt wöchentlich Hilfe durch die Alltagsunterstützung, später auch von der Pflege. Nach und nach wird die Wohnung von den Mitarbeitern der „Pflege – die Sozialstation Wiesental“ entmüllt und wieder wohnlich gemacht. Die Betreute wird regelmäßig besucht und erhält über das Seniorenbüro als ,,Spätfolge“ der Corona-Hilfsaktion eine Person, die sie besucht. Dieser Kontakt intensiviert sich über die Zeit und es entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis.

Stettner berichtete, dass dieser Fall einer von gut 500 Beratungsterminen im abgelaufenen Jahr gewesen sei. Damit sei die Zahl der Beratung innerhalb eines Jahres um 100 gestiegen. Bei den vielfältigen Aufgaben seien Existenzsicherung und Beratung zur Erwirkung eines Pflegegrades die großen Themen. Einsamkeit und soziale Isolation blieben aber die größte Herausforderung.

„Unsere Beratung ist so vielfältig wie das Leben“, verdeutlichte Stettner. Nach ihrem Gastspiel im Ratssaal eilte sie zurück zur eigenen Veranstaltung. Aktuell bietet die Diakonie nämlich zehn Themenabende für Angehörige demenzkranker Menschen. Das Angebot sei im nu ausgebucht gewesen.

75-Prozent-Stelle wird verlängert

Damit kam Sonja Steiger zum Werbeblock für eine Verlängerung einer 75-Prozent-Stelle in der Seniorenarbeit. Die Fachkraft im Seniorenbüro Schopfheim werde gemeinsam getragen durch 40 Prozent kommunale Regelfinanzierung, zehn Prozent Eigenmittel Diakonie sowie 25 Prozent ESF Plus der Europäischen Union. Dieser Zuschuss sei auf Antrag jetzt bis Ende 2028 gesichert, berichtete Steiger. Der Schopfheimer Anteil erhöhe sich leicht um gut 300 Euro auf rund 7300 Euro pro Jahr. Für die Freien Wähler merkte Sven-Hendrik Wünsch an, dass diese Mehrkosten noch zu stemmen seien. Peter Ulrich merkte für die SPD an, dass der Posten im Haushalt von 2028 noch nicht eingeplant sei.

Hildegard Pfeiffer-Zäh wollte wissen, ob über 2028 hinaus eine Anschlussfinanzierung in Aussicht stehe. Das könne heute noch nicht abgesehen werden, antwortete Steiger. Technischer Beigeordneter Thomas Schmitz dankte herzlich für die „wertvolle Arbeit der Diakonie“ und den ausführlichen Bericht, ließ das Gremium über den Finanzierungsantrag abstimmen und erzielte erwartungsgemäß ein einstimmiges Votum.