Nach wie vor außer Betrieb: der Aufzug in einer Betreuten-Wohnen-Anlage in Trossingen. Foto: Kratt

Eigentlich sollte er jetzt wieder funktionieren – aber im Betreuten Wohnen in Trossingen ist der Fahrstuhl immer noch defekt. Für etliche Senioren ist das ein großes Problem.

Geduld – so lautet das große Stichwort im Betreuten Wohnen in der Löhrstraße 26 in Trossingen. Die Hausbewohner brauchen diese Tugend, die allerdings immer weiter strapaziert wird, denn ihre Aufzugsanlage ist kaputt. Und zwar schon lange. Seit Monaten bewegt sich der Fahrstuhl in dem Gebäude mit seinen 31 Wohneinheiten keinen Millimeter. Ein Defekt bremst ihn aus. Vor allem für Hausbewohner, die körperlich eingeschränkt sind und in einem der oberen Stockwerke wohnen, ist das – es liegt auf der Hand – ein veritables Problem.

 

Vor rund einem Monat hatten sich einige Mieter und Wohnungseigentümer bereits an diese Redaktion gewandt. In einer Mischung aus Verärgerung und aufkeimender Verzweiflung hatten sie beklagt, dass im Hinblick auf die Reparatur nichts vorangehe. Die Firma IVS Hausverwaltungen Donaueschingen, die in der Sache zuständig ist, verweise auf Lieferschwierigkeiten für Ersatzteile.

Für viele Bewohner ist dieser Zustand zermürbend. Und auch einige der Wohnungseigentümer sind frustriert. So sagte die Trossingerin Ursula Kratt, eine der Eigentümerinnen, jetzt im Gespräch mit der Redaktion, dass sie von dem Vorgehen der beauftragten Hausverwalterfirma enttäuscht sei. Diese habe nun mittels einer App mitgeteilt, dass sich die Reparatur erneut verschiebe.

„Außerordentlich unprofessionell“

„Jetzt ist die Rede von KW 19“, berichtet sie entnervt, dass also offenbar noch einmal Wochen ins Land gehen werden, bevor der Aufzug endlich wieder laufen soll. Seitens der Hausverwaltung wurde betont, dass man weiterhin auf das Verständnis der Eigentümer bauen müsse. „Eine andere Lösung wäre uns auch lieber“, wurde zudem versichert.

„Ich finde es außerordentlich unprofessionell, dass sich das so lange hinzieht“, hält Ursula Kratt mit ihrer Kritik nicht hinterm Berg. Man könne nicht einfach monatelang warten, moniert sie, vor allem mit Blick auf die älteren Bewohner des Hauses. In ihrer Wohnung in einem der Obergeschosse lebe eine Dame zur Miete, die fast 90 Jahre alt sei. Dieser und auch den anderen Betroffenen werde das Leben schwer gemacht, ärgert sich Ursula Kratt. Eines wurmt sie aber fast noch mehr: „Die Informationen seitens der Hausverwaltung sind äußerst dürftig“, merkt sie an.

Zu Beginn habe es seitens dieser geheißen, dass der Aufzug auch provisorisch repariert werden könne. Damals sei aber gesagt worden, dass das zu teuer sei. „Aber wie soll ich das beurteilen können, wenn ich gar nicht weiß, was es gekostet hätte?“, fragt sich die Miteigentümerin dieser Wohnanlage. E-Mails mit Fragen, die sie an die Hausverwaltung in dieser Sache gerichtet habe, seien nicht beantwortet worden.

Versammlung angemahnt

Und die von ihr gewünschte Eigentümerversammlung sei zwar in Aussicht gestellt worden - allerdings nicht rasch, wie es in ihren Augen geboten wäre, sondern erst nach einer Reparatur des Aufzugs. Das sei zu spät, finden wiederum Ursula Kratt und ihre Mitstreiter. Sie wollten jetzt wissen, was Sache sei, mit welchen Kosten zu rechnen sei und wie viele Rücklagen dafür vorhanden seien. „Wir werden so im Ungewissen gehalten, das stört mich total“, beklagt die Trossingerin.

Sie ist nicht die einzige, der es so geht. So meldete sich dieser Tage zum Beispiel auch noch ein weiterer Herr, dessen über 90-jährige Bekannte in dem Haus lebt. Sie habe starke Arthrose, berichtete er, wohne in einem der Obergeschosse und könne die Treppenstufen nur unter größten Mühen bewältigen.

Es gibt Hilfe bei Bedarf

Das tue sie aber, um für weitere Hausbewohnerinnen einkaufen zu gehen, die noch schlechter zu Fuß seien und gar nicht mehr aus dem Haus könnten. Das seien doch wirklich keine Zustände, schimpfte ihr Bekannter im Gespräch mit der Redaktion. Ihm täten die älteren Leute einfach nur leid. Ganz auf sich alleine gestellt sind diese übrigens nicht. So gibt es, wie berichtet, die Firma Hamsl, die zum Beispiel Einkaufsangebote gemacht hat. Und auch seitens des Sozialwerks Trossingen wurde bereits auf die Hausbewohner zugegangen. Wer Hilfe beim Einkaufen brauche, könne sich dort melden, heißt es seitens der Stadtverwaltung. So kann wenigstens die Zeit überbrückt werden, bis der Aufzug dann hoffentlich doch wieder läuft.

Keine Antwort des Hausverwalters

Erneut Funkstille
Die Firma IVS Hausverwaltungen aus Donaueschingen reagierte auch auf die neuerliche Anfrage der Redaktion nicht. Die Gelegenheit, sich in der Sache zu äußern, ließ deren Geschäftsführer damit erneut verstreichen. Betreuungsfirma machtlos
Einhellig heißt es seitens der Hausbewohner, die mit der Redaktion sprachen, dass ihre Kritik sich im Übrigen keinesfalls an die Rottweiler Firma Hamsl richte, die für die Betreuung in der Wohnanlage zuständig ist. Hamsl-Geschäftsführer Markus Hartnagel bestätigt mit Blick auf den defekten Aufzug: „Ich hätte gehofft, er wird diese Woche repariert“. Allerdings sei dies Sache der Hausverwaltung. „Jetzt heißt es für uns auch noch einmal: Zähne zusammenbeißen und irgendwie durch. Toll ist das natürlich nicht“, so Hartnagel.