Viele Menschen leiden bedingt durch Corona unter Einsamkeit. (Symbolfoto) Foto: pololia – stock.adobe.com

Die Projekt-Gruppe des Kreisseniorenrats kritisiert zum Teil die politischen Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie. Die Mitglieder warnen vor psychischen Folgen bei vielen Betroffenen.

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Kreis Rottweil - Bei der Corona-Projektgruppe des Kreisseniorenrats Rottweil sitzt der Frust über das Impfchaos hinsichtlich der Terminvergabe weiter tief. Dafür nimmt das Modellprojekt "Kultur online – das virtuelle Café" an Fahrt auf.

Wie der Vorsitzende der Projektgruppe, Dieter Gaus, sowie die KSR-Geschäftsstellenleiterin Regina Steimer bei der virtuellen Sitzung darlegten, werden mehrere KSR-Vorstands- und Ausschussmitglieder an einer Online-Schulung für das Videokonferenz-Tool Zoom teilnehmen, um so das nötige Rüstzeug für die Entwicklung eines speziellen virtuellen Cafés für Senioren zu erlangen.

Alicja Garcia Bernal, Familienbildungsreferentin beim Katholischen Bildungswerk, wird die Zoom-Schulung leiten. Nadja King, die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses Kapuziner, habe zugesagt, das Projekt zu unterstützen, erklärte Gaus. 

Lebensqualität ist subjektiv betrachtet gesunken

Die Projektgruppe sieht in dem virtuellen Café eine gute Möglichkeit und ein Mittel, der Vereinsamung von Senioren entgegenzuwirken. "Die gesundheitlichen Risiken bei Einsamkeit sind laut der Fachzeitschrift ›Psychologie heute‹, Ausgabe 04/21, höher als bei Rauchen und Übergewicht", unterstrich Gaus.

Gaus ging auf das Thema "Psychosoziale Aspekte der Coronakrise" ein. Die Freien Wohlfahrtsverbände hätten zuletzt auf eine Zunahme psychischer Probleme in der Bevölkerung verwiesen, die dazu noch mit einer subjektiv betrachteten gesunkenen Lebensqualität einhergingen.

Vor allem im ländlichen Raum machten sich die Zugangsnachteile im digitalen Bereich bemerkbar. "Die negativen Auswirkungen der Eindämmungsmaßnahmen sind bei jungen Menschen besorgniserregend: Selbstverständlichkeiten, Entwicklungsanreize wie Schulveranstaltungen, Treffen mit Freunden, Aktivitäten in Vereinen fehlen", bekräftigte Gaus. Bei allen Bevölkerungsgruppen würden nach einem Jahr Pandemie Erschöpfung, Müdigkeit, Ängste, Sorgen, Aggression und Konflikte deutlich.

Forderung nach "neuer Politik für ältere Menschen"

Gaus stellte fest, dass folgende Personengruppen im Landkreis einer besonderen Belastung ausgesetzt seien: Menschen mit psychosozialen und gesundheitlichen Vorbelastungen, Eltern, Kinder, Jugendliche, pflege- und therapiebedürftige Menschen mit Angehörigen, Gastronomen, Kunst- und Kulturschaffende, Lehrkräfte, Erzieher, Auszubildende, Studierende, Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

Die Mitglieder der Projektgruppe forderten daher "eine neue Politik für ältere Menschen". Innovative Konzepte, kommunale Strategien und Orientierungshilfen seien nunmehr gefragt. Eine zukunftsorientierte Seniorenpolitik erfordere die Zusammenarbeit sämtlicher Akteure insbesondere der Orts- und Kreisseniorenräte.

Zufrieden äußerten sich die Mitglieder der Projektgruppe Dieter Gaus, Matthias Kohlhase, Vorsitzender des Kreisseniorenrats, sowie Peter Wolf, KSR-Vorstandsmitglied, darüber, dass auch Hausärzte impfen dürften. Damit setze die Politik endlich das um, was Seniorenräte schon seit Monaten forderten.

Weiterhin Kritik an Impfterminvergabe

Ein Trauerspiel sei nach wie vor die Terminvergabe, betonte Kohlhase. Wolf zitierte die Äußerung eines Impfarztes eines Impfzentrums: "Ja, bei uns läuft es reibungslos. Die Terminvergabe ist aber eine Katastrophe."

Aus Sicht des Kreisseniorenrats müsse die Impfstrategie des Landes breit mit Impfzentren, mobilen Impfteams, Impfangeboten in den Hausarztpraxen und möglichst bald auch durch Betriebsärzten aufgestellt werden.

Die schleppende Arbeitsweise des Sozialministeriums stößt bei der Corona-Projektgruppe auf Kritik. Bis dato sei auf den Antrag des DRK Rottweil hinsichtlich eines Mobilen Impfteams light keine Rückmeldung erfolgt.

Auf Vorschlag von Gaus sprach sich die Projektgruppe dafür aus, dass der Kreisseniorenrat beim von der Liga der freien Wohlfahrtsverbände für den 31. Oktober geplanten Ligaaktionstag im Kapuziner in Rottweil mit einem Marktstand vertreten sein soll, falls dies möglich ist.n Das Zuhörtelefon von DRK und Kreisseniorenrat, jeweils donnerstags von 12 bis 14 Uhr unter 0741/47 92 36, wird noch bis einschließlich Mai angeboten.

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