Florian Schroeder verwöhnte sein Nagolder Publikum mit großes Präzision Foto: Walter Fingerhut

Kabarettist Florian Schroeder hat am Wochenende die voll gefüllte Seminarturnhalle mehr als zwei Stunden bestens unterhalten.

In dem prall gefüllten Programm hatte er als zentrales Thema das Opfer-Ich und das Glücks-Ich. Das Opfer-Ich findet alles schlecht und verzweifelt an der Welt. Das Glücks-Ich sagt dagegen: „Ich bin da oben und reich, und ihr so?“ Dabei ist dem Glücks-Ich vollkommen egal wie es den anderen geht.

 

Manches wurde mit Grafiken auf einem großen Bildschirm veranschaulicht. Das Anfangsbild zeigte ihn inmitten von Rosen mit einem Leuchten hinter seinem Kopf. Das irritierte ein bisschen, sah er doch gänzlich entrückt aus. Aber dann verwöhnte er das Publikum mit einer Sprechgeschwindigkeit und Präzision, die ihres Gleichen sucht. Und mit dem Bild nahm er sich selber auf die Schippe, was noch öfter der Fall war.

Das war ein fürchterlicher Trip

Er sprach über eine Kreuzfahrt, die er auf Drängen seiner Freundin in die Ostsee unternommen hat – statt in die Karibik, wo er persönlich lieber gewesen wäre. Das war ein fürchterlicher Trip und er war froh, als er aus Finnland wieder weg war. Nur wenn die Tagesausflügler das Schiff verlassen hatten und er das ganze Schiff und den Service für sich hatte, war es ein Genuss.

Überhaupt: Warum wird er Traumschiff-Kapitän, wo er überhaupt nichts kann. „Was hat Florian Silbereisen, was ich nicht habe? Warum haben die mich nicht gefragt? Ich hätte es doch auch gemacht!“ Und er fügte hinzu, dass er keinen Neid mehr kenne, das habe er sich völlig abgewöhnt!

Ein Jahr Friedrich Merz sind 16 Menschenjahre

Abgeschweift von seinem Selbstverbesserungstrip kam er auf Politik zu sprechen. Ein Jahr Friedrich Merz sind 16 Menschenjahre, weil er so trödelt. Was er Merz am Übelsten nimmt, ist, dass Florian Schroeder Olaf Scholz noch mal geil finden muss.

Ein großer Applaus war Florian Schroeder für die überragende Show sicher. Foto: Walter Fingerhut

Mit seinen guten Freunden Timo und Sahra und Haşim trifft er sich auf dem Spielplatz zum Playdate. Diese Anekdote zeigt, wie talentiert er Stimmen imitieren kann: Sarah ist zänkisch und kommentiert immer wieder „das kann man so nicht sehen“. Timo findet alles „ein Stück weit“ gut oder schlecht. Haşim im „Türkensprech“ eröffnete spontan, dass er die AfD gewählt hat, weil in Deutschland alles Scheiße ist. Schroeder kommentiert, Haşim sei ein Freilandhuhn, das sich Käfighaltung wünscht.

Große Show im Berliner Olympiastadion abziehen

Alle um ihn herum bieten entweder Coaching an oder nehmen an einem Coaching teil. Er hat eine Definition parat: „Coaching ist, wenn man anderen Leuten erklärt, was man selbst nicht auf der Kette hat.“ Er hasst auch die neue Ernährungsmaxime: Hülsenfrüchte, Porridge mit Granatapfelkernen und Minze (was Sarah immer auf dem Spielplatz isst) und Salatbowls, bestehend aus Quinoa, Süßkartoffel, Reis, Kidneybohnen und Avocado.

So widmet er sich auch schweren Themen, zum Beispiel seinem Ableben. Er wird das Olympiastadion in Berlin mieten und eine große Show inszenieren. Dazu wird es ein großes Catering geben, allerdings ohne Porridge und Salatbowl.

Karl Lauterbach leistet ihm Sterbehilfe

Herrlich, wie er Herbert Grönemeyer bei dem Abschiedslied zu seinem Ableben persifliert. Auch Markus Lanz als Moderator, Mario Barth mit seinem ersten lustigen Beitrag, den er für ihn geschrieben hat, und Karl Lauterbach, der ihm Sterbehilfe leistet, gelingen ihm brillant. Einzig der Kettensägenausflug mit dem SUV, bei der er die Bürokratie abschaffen und dabei alle möglichen Leute umbringen will, war etwas krass und wohl nicht alle im Publikum haben ihn gutiert.

Als Zugabe hat er noch mal auf die Merchandising-Ecke hingewiesen, wo es leider die angekündigten Glückskekse nicht gab. Und es gab noch ein weiteres Highlight: Das Publikum konnte Prominente benennen, die er ganz köstlich persiflierte. Ein großer Applaus war ihm für die überragende Show sicher. Waren doch wieder viele Gäste aus dem größeren Umkreis um Nagold anwesend. Seminarturnhalle eben!