Mindestens zweimal im Jahr ist das heimische Regionentheater zu Gast in oder an der Alten Seminarturnhalle. Dieses Mal hatten die Akteure einen echten Klassiker im (Camping-)Gepäck: „Das Dschungelbuch“
Ein Campingstuhl, ein Gartenzwerg, ein Gartenzaun, ein Zelt und zwei kleine Bäume. Nein, wir befinden uns nicht in einem Garten oder im Urlaub auf einem Campingplatz, sondern betrachten die requisitengeschmückte Außenbühne der Alten Seminarturnhalle. “Das Dschungelbuch” wird dort für Kinder aller Altersgruppen gespielt.
Regionentheater ist ein mobiles Theater
Begeistert wird das Angebot des „Regionentheater aus dem schwarzen Wald“ mit festem Sitz in Bad Teinach- Zavelstein angenommen, und so tummeln sich klein und groß vor der Bühne und warten gespannt auf den Beginn des Theaterstücks. Beinahe alle Plätze sind belegt und einige Kinder haben sich einen besonderen Platz ganz nah an der Bühne auf dem Boden mit Sitzkissen ergattert. Das Regionentheater ist ein mobiles Theater und spielt deutschlandweit. In Nagold zu Gast in der Seminarturnhalle ist das Ensemble mit Kindern und Jugendstücken, auf die Intendant und Regisseur Andreas Jendrusch großen Wert legt, mindestens zweimal im Jahr.
Nach einer kurzen Begrüßung des Intendanten, der vor allem Theater-Neulinge über einige Besonderheiten beim Zuschauen aufklärt, darf sich das Publikum bereits in eine Geschichte entführen lassen, die geschickt Realität mit den uns allbekannten Storys des Dschungelbuchs verbindet.
Fünf Schauspieler agieren in mehreren Rollen spielerisch auf der Bühne. Ein Gewitter steht an und die fünf Darsteller, die allesamt auf einem Campingplatz aufeinandertreffen, vertreiben sich die Zeit, indem sie sich Geschichten erzählen. Doch nicht nur irgendeine Geschichte, nein, die Camper wollen das Dschungelbuch nachspielen.
Kinder spielen die Geschichten nach
Jendrusch, der Regie führte, gelingt es immer wieder durch Requisiten und Kostüme schnelle Szenen und Rollenwechsel zu inszenieren. So besuchen uns einige bekannte Gestalten aus dem Dschungelbuch. Baloo der Bär, Sher Kan der Tiger und die Pantherin Bagheera dürfen natürlich nicht fehlen. Aber auch die lustige Affenbande und die schleimige Schlange Kaa treten auf und sorgen mit ihren schelmischen Tricks für viele Lacher bei den Kindern.
Dadurch dass die Darstellerinnen und Darsteller als Camper und Dschungeltiere auftreten, werden die Kinder dazu animiert, selbst die Geschichten, die sie sehen nachzuspielen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt, und es wird klar wie schnell eine Decke zum Fell, ein Wohnmobil zum Klettergerüst und ein Mensch zum Tier werden kann. Erfrischend sind die kurzen musikalischen Momente im Stück, bei welchen das Ensemble einfache, einprägsame Melodien anstimmt, die die Kinder nach einer Weile auch mitsingen können. Mit “Probier’s mal mit Gemütlichkeit” geht es in die Pause und mit einer gesummten Version von “Sound of Silence” wird das Ableben von Akela dem Rudelführer der Wolfsbande unterlegt.
Camper und Tiere kommen immer näher zusammen
Ein kühles Getränk oder ein Eis bleiben den Zuschauern natürlich auch nicht verwehrt. Das Team der Seminarhalle sorgt für die Bewirtung und bietet neben Eis und Getränken auch kleine Snackgläser an.
Die Geschichte von Mogli wird zwar nachgespielt, dennoch kommen die Camper während des Stückes wie die Tiere im Dschungelbuch immer näher zusammen und akzeptieren sich gegenseitig. Während anfänglich noch die Unterschiede der Camper klar werden und zu manchen Unannehmlichkeiten führen, wachsen zum Ende des Stücks die Charaktere zusammen und verlieren sich in den Geschichten des Dschungelbuchs.
Schließlich fällt ihnen auf, dass sie gemeinsam das Unwetter überstanden haben, und mit einer letzten Gesangseinlage werden die Kinder, Eltern oder Verwandten in den sonnigen Abend entlassen. Bereits kurz nach dem Stück flitzen Kinder im Hof der Seminarturnhalle als Sher Kaan oder Bagheera umher und spielen Dschungelbuch.