Genesis schrieb als Rockband Geschichte – und Ray Wilson hat ein Stück mitgeschrieben. Am Freitagabend gab der Ex-Sänger von Genesis ein Mega-Konzert in der Alten Seminarturnhalle.
Ray Wilson hat ein Saxophon mitgebracht und eine Querflöte und eine Geige. Das ist außergewöhnlich. Außergewöhnlich, weil diese Art Rockmusik normalerweise recht E-Gitarren-lastig ist. So aber erlebten rund 400 Fans am Freitag in der Alten Seminarturnhalle einen abwechslungsreichen Musikabend mit dem Titel „Genesis Klassik – Pop meets Symphony“.
Auch erfolgreiche Solokarriere gestartet
Genesis ist eine der ganz großen Bands in der Musikgeschichte. 1967 von Tony Banks, Mike Rutherford, Peter Gabriel, Anthony Phillips und Chris Stewart gegründet, klingt sie im Grunde bis heute nach. Ganz aufgelöst hat sich Genesis nie. Vielmehr ist sie eine Art Durchgangsbahnhof für eine Reihe von berühmten Musikern. 1970 stieß Phil Collins als Sänger und Schlagzeuger zu der Band, bis ihn 1997 eben Ray Wilson abgelöst hat.
Ray Wilson kann also auf ein riesiges Musikrepertoire zurückgreifen. Das von Genesis, aber auch auf ein eigenes. Denn wie viele andere Genesis-Veteranen, namentlich Peter Gabriel und Phil Collins, hat er nach seiner recht kurzen Genesis-Zeit (1997 bis 1999) eine erfolgreiche Solokarriere gestartet.
Ein Abend der Erinnerungen
Klatschen, johlen, singen, pfeifen – ganz aus dem Häuschen war das Publikum aber doch bei den Klassikern von Genesis. „Another Day in Paradise“ (Phil Collins), „Salisbury Hills“ (Peter Gabriel) und „The Carpet Crawlers“. Letzteres ein „Stehblues“ aus dem Jahre 1974. Mit wem war man damals gleich nochmal zusammen? Diesen Stehblues tanzend? Für viele aus dem Publikum war es ein Abend der Erinnerungen.
Nicht fehlen durfte „In the Air tonight“, wobei sich Ray Wilson hier wirklich als ausgezeichneter Sänger präsentierte – aber Phil Collins ist Phil Collins und der bleibt mit diesem Song halt auf ewig im Ohr. Dafür kam hier das kraftvolle Schlagzeug zur Geltung, was im Radio, wo das Lied oft gespielt wird, gar nicht so auffällt. Schlagzeuger an diesem Abend war Mario Koszel, an Bass, Saxophon und Querflöte Marcin Kajper, am Piano Kool Lyczek und Alicja Chrząszcz an der Geige. Gesang und Gitarre: Ray Wilson und sein Bruder Steve.
Feuerzeug-Stimmung in der Seminarturnhalle
Ray Wilson hatte auch viele eigene Kompositionen mit nach Nagold gebracht. Zum Beispiel den Song „Change“ oder „Goodbye Baby Blue“, in dem er von einer hübschen, aber immer traurigen Ex-Freundin erzählt.
Ja, es schwebten ruhige, poetische Balladen durch die Semi-Halle in Nagold. Feuerzeug-Stimmung. Diese Stimmung wird Ray Wilson im Laufe des Jahres noch quer durch Europa tragen. Auf seiner Webseite sind noch rund 60 Konzerte angekündigt.
Es scheint ihm Spaß zu machen: Als das Publikum am Ende klatschend, johlend, singend und pfeifend Zugabe forderte, bekam es Zugaben. Darunter „Knockin‘ on Heaven“s Door“ von Bob Dylan – wobei die E-Gitarre dann doch noch zu ihrem Recht kam.