Noch einen Augenblick - „Verweile doch du bist so schön” schrieb bereits Goethe in seinem „Faust”. Um das Verweilen, Festhalten, aber auch Loslassen geht es auch im Theaterstück “Noch einen Augenblick” mit dem das Team von „Vorhang auf!” in der Seminarturnhalle Premiere feierte.
Die Halle war mit Tischen und Stühlen bestückt und in stimmungsvolles Kerzenlicht getaucht, was nicht nur die vorhandene Leichtigkeit des Stückes widerspiegelte, sondern auch zum Gespräch über das Gesehene bei einem Getränk oder einem Snack einlud. Für die Bewirtung sorgte das Team der Seminarturnhalle.
Das Bühnenbild stellte ein stilvoll eingerichtetes Wohnzimmer dar, welches Bühnenbilder Andreas Lemke mit kleinen Details wie Postern oder einer Bar ausgeschmückt hatte. Er ist nicht nur im Bühnenbild aktiv, sondern auch als Requisiteur und für die Kostüme zuständig.
Nähe und Vertrautheit
Bereits zu Beginn des Stückes konnten die beiden Hauptdarsteller Simone Essig, die eine begehrenswerte Schauspielerin namens Suzanne verkörperte, und Thorsten Müller, der den nicht von ihrer Seite weichenden verstorbenen Ehemann Julien spielte, durch ihre Nähe und Vertrautheit in ihrem Zusammenspiel glänzen.
Das Publikum bekam einen Einblick in die bereits vergangene Beziehung der beiden und in ihre Dynamik als Ehepaar. Erinnerungen wurden meist mit Blick zum Publikum vorgetragen, die Bühne in ein leichtes Pink gehüllt, und im Hintergrund von instrumentalen Covern bekannter Melodien begleitet. Dadurch wurde der Zuschauer eingeladen, selbst in Nostalgie zu schwelgen und sich von den erzählten Geschichten mitreißen zu lassen.
Unabhängig von der bereits angesprochenen Leichtigkeit, bot das Stück auch sehr viel Tiefgang. Themen wie der Verlust ihres Mannes, der mögliche Wiedereinstieg ins Showgeschäft und das Ausbrechen aus ihrer Isolation belasten Suzanne.
Amüsante Situationen
Regisseurin Sandra Müller inszenierte gekonnt einen Wechsel aus Selbstgespräch und Dialog, welcher sich durch das gesamte Stück zog. Dieser verspricht nicht nur amüsante Situationen und Komik, sondern regte auch zum Nachdenken an.
Der begabte Autor Max, gespielt von Joachim Krüger, und Suzannes junger Nachbar Simon, dargestellt von Daniel Ghasemi, haben beide starke Gefühle für Suzanne und sind die einzigen Personen, mit denen Sie unabhängig von ihrem verstorbenen Mann kommuniziert.
Joachim Krüger spielt den Max mit einer ruhigen und besonnenen Art, und überzeugt vor allem durch Artikulation und Stimme. Daniel Ghasemi, der Simon spielt, ist neu im Ensemble, und überzeugt auf der Bühne mit viel und wenig Kleidung. Er verleiht seiner Rolle eine gewisse Naivität, auf welche das Publikum mit Gelächter aber auch Mitgefühl reagiert.
Überraschende Wendungen
Obwohl sich das Stück hauptsächlich in einem Raum spielt, sorgen nicht vorhersehbare Handlungsstränge immer wieder für eine überraschende Wendung und halten die Spannung weitgehend oben. Schafft es Suzanne auch ohne ihren verstorbenen Mann wieder ins Showgeschäft einzusteigen? Kann Sie sich aus ihrer Isolation befreien und Loslassen? Schafft Max es Suzanne für sein nächstes Stück zu gewinnen und kann Simon seine obsessive Liebe zu seiner deutlich älteren Nachbarin ablegen?
Wer Antworten auf diese Fragen sucht, sollte einfach am nächsten Wochenende in die Seminarturnhalle kommen und sich von Suzanne und Julien in Nostalgie versetzen lassen. Das Team von „Vorhang auf!“ spielt insgesamt sechsmal. Drei Aufführungen stehen noch aus. Am 13., 14. Und 15. Oktober, jeweils ab 19 Uhr.