Rund 250 Besucher haben in der Alten Seminarturnhalle einen Comedy-Freitag genossen. Das Duo „Mundstuhl“ sorgte für Stimmung – wie ein Rockkonzert, nur lustiger.
„Vorsicht, Lachlawine“ – mit diesem Warnhinweis müsste die Comedy-Show von „Mundstuhl“ eigentlich beginnen. „Mundstuhl“ ist, laut Eigenwerbung, „Deutschlands bestes Comedy-Duo“. Das Duo gastierte am Freitagabend in der Alten Seminarturnhalle und sorgte für eine Stimmung, wie man sie sonst nur von einem Rockkonzert kennt. Nur lustiger. Das neue Programm hat einen Titel, den man oft als Warnhinweis liest: „Kann Spuren von Nüssen enthalten.“
Aber es gibt noch einen anderen Grund, der einen Warnhinweis vor Teilnahme an der „Mundstuhl“-Show erfordert: Es fallen Ausdrücke, die auf den ersten Blick nicht so vollkommen politisch korrekt erscheinen. Oder die eklatant gegen den Jugendschutz verstoßen. So oft wie an diesem Freitagabend das F-Wort fiel, müsste es ein Mindestalter für den Besuch der Show geben: 21 Jahre wäre angemessen.
Eklatant gegen den Jugendschutz verstoßen
Dieser Bericht gibt nur die eher harmlosen, aber dennoch nicht schlechten Kalauer wieder. Zum Beispiel Corona betreffend. Sagt Ande: „Auf einmal musste ich 150 Meter Abstand halten von Susanne und den Kindern“, entgegnet Lars: „Ja, aber das war eine richterliche Verfügung!“ Oder über die Vorzüge des Homeoffice: „Es gab IS-Kämpfer, die haben sich in der eigenen Wohnung in die Luft gesprengt“.
Am witzigsten aber fanden sie wohl diesen, zumindest fiel er mehrmals. Sagt Ande: „Am liebsten fliege ich von Frankfurt aus in den Urlaub.“ Fragt Lars: „Warum das denn?“ „Da ist die Startbahn auch im Winter nie vereist. Die haben einen Tower“.
Sich über den Zustand der Welt sorgen
Lars und Ande! Genauer, Lars Niedereichholz und Ande Werner kommen aus Frankfurt am Main, was man hört, und hatten, wie man hört, zahlreiche Radio- und Fernsehshows. Ganz gerne schlüpfen sie in andere Rollen, eine ihrer berühmtesten ist die als „Dragan und Alder“, in der sie zwei Kiezdeutsch sprechende Proleten geben. Das Nagolder Publikum durfte außerdem „Peggy und Sandy“ aus Zeulenroda erleben, „Siegroy und Fried“, das Zaubererduo aus Las Vegas sowie „Malte und Torben“ als Ökoaktivisten, die sich über den Zustand der Welt sorgen und beispielsweise Kinderarbeit geißeln: „In Bangladesch werden viele Kinder schon gemobbt und gehänselt, nur weil sie keine Markenklamotten nähen“.
„Die Wahrheit ist kein Mobbing“
Und wer ganz genau hinsah, konnte auf dem T-Shirt von Lars den Spruch „Die Wahrheit ist kein Mobbing“ lesen. Und wem nicht entgangen ist, dass diese Bühnenshow ein Logo hat, sah auf einer Art Wappen mit zwei Eichhörnchen das Motto: „In nucibus veritas“ – heißt soviel wie „In der Nuss liegt die Wahrheit“.
Die Wahrheit ist, dass dieses Comedy-Duo auch ganz gute Musik macht – und immer mit einem „Mitmachteil“, mit einfachem Text: „Lalalala“. Bei ihrem Hit „Fleisch“ („Ich ess‘ Fleisch, nur noch Fleisch, niemals Gemüse“) sang das Publikum stehend mit. Vereinzelt gingen Feuerzeuge an (Handyleuchten waren als „schwul“ verpönt) und es herrschte Stimmung, eben wie bei einem Rockkonzert, und wie bei einem Rockkonzert gab es Zugaben.