Trüffel kennen die meisten nur von teuren Speisen. Doch es gibt noch viele Verwandte, die zwar nicht genießbar, aber nicht minder interessant sind. Mit Hilfe speziell ausgebildeter Hunde haben sich vor Kurzem Pilzfreunde in Hornberg auf deren Spuren begeben.
Trüffel gelten als Delikatesse und einige sind mehr wert als Gold. Doch nur eine handvoll aller Arten ist genießbar. Alle anderen Fruchtkörper der unterirdischen Pilze, im Fachausdruck Hypogäen genannt, sind zwar nicht giftig, schmecken aber einfach nicht. Das macht sie für Pilzfreunde aber nicht weniger interessant. Aus diesem Grund bietet die Hornberger Pilzlehrschau regelmäßig Hypogäen-Seminare an, bei denen sich die Teilnehmer auf die Spuren der unterirdischen Schätze begeben. Um sie zu finden, hatten sie tierische Unterstützung von vier speziell ausgebildeten Trüffelhunden.
„Es gibt insgesamt mehr als 200 Arten der Hypogäen“ erklärt Björn Wergen als Leiter der Hornberger Pilzlehrschau. „Aber nur fünf, sechs davon sind gute Speisepilze. Sie alle gehören zur Gattung Tube.“ Die Teilnehmer des Seminars waren demnach nicht an den Speisetrüffeln interessiert, sondern an allen Hypogäen.
Für das Seminar war Vorwissen eine Voraussetzung
„Das Ziel des Seminars war es, die Arten kennenzulernen und zu bestimmen – auch anhand einer Mikoskop-Untersuchung“, so Wergen. Dementsprechend sei das Seminar auch nur für Teilnehmer mit entsprechenden Vorkenntnissen geeignet.
Doch vor einer Untersuchung und Bestimmung mussten die Exemplare natürlich erst einmal gefunden werden. Zwar ist es, wie Björn Wergen erklärt, möglich – per Zufall und mit ein bisschen Hintergrundwissen, wo man suchen muss – Hypogäen ohne die Hilfe einer tierischen Nase im Wald zu finden. Doch die Erfolgsrate ist dank der Hunde natürlich höher. Die Aufgabe der Tiere ist es, anhand des Geruchs die Trüffel im Waldboden zu finden und sie dann zusammen mit den Menschen auszugraben oder anzuzeigen, wo gegraben werden muss.
Einer der Trüffelhunde beim Seminar war Windhund Candy, die Gabi Wenk gehört. Der Kontakt zur ihr kam über die Hornberger Pilzsachverständige Karin Pätzold zustande. Sie engagiert sich seit Jahren in der Pilzlehrschau und lernte Wenk bei einer einer Tagung der Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGFM) kennen. Sie war dann auch eine der Seminarteilnehmerinnen. Wenk bildet Trüffelsuchhunde aus. „Grundsätzlich ist jede Hunderasse dafür geeignet. Er muss nur ein Interesse am Schnüffeln und der Nasenarbeit mitbringen“, erklärt sie.
Hunde müssen Interesse an Nasenarbeit mitbringen
Den Grundstein für die Trüffelarbeit legt Wenk in einem zweitägigen Seminar, bei dem die Halter im theoretischen Teil Wissenswertes über Trüffel lernen und in der Praxis die Hunde zunächst mit dem Geruch von Trüffeln konfrontiert werden.
Die Trüffel werden zunächst offen in Holzstücke ausgelegt, später dann versteckt. Die Hunde müssen sie suchen und werden bei erfolgreichem Finden mit viel Lob, einem ganz besonders leckerem Futter oder Spielzeug belohnt. Bei einem zweiten Seminar werden die theoretischen Kenntnisse der Halter vertieft und die Hunde müssen die Trüffel vergaben in der Erde suchen. Diese Nasenarbeit sei für die Hunde eine hervorragende Beschäftigung, müsse nach den Seminaren aber weiter geführt werden. Je nach Talent und Einsatz des Halters ist ein Hund in sechs Wochen bis sechs Monaten fertig ausgebildet. Theoretisch finden sie alle Hypogäen. Wie genau das funktioniert und ob die Trüffel eine gemeinsame Geruchskomponente haben, die die Tiere erkennen, wissen selbst die Experten nicht. „Es gibt aber Hunde, die gewisse Gattungen nicht finden oder nicht so gut“, weiß Wenk. Es scheint also individuelle Unterschiede zu geben.
Ob die Vierbeiner bei der Sucharbeit an der Leine gehe oder frei laufen, ist ebenfalls eine individuelle Frage. „Das hängt zum Beispiel davon ab, ob der Hund bei der Arbeit durch den Wald wetzt oder in der Nähe bleibt“, sagt Wenk. Ob der Hund beim Ausgraben hilft oder nicht, ist ebenfalls unterschiedlich. Ihr Hund Candy zum Beispiel ist klein und zart, weswegen Wenk mitgräbt. Außerdem hat Candy spitze Krallen, die den Trüffel beschädigen könnten.
Zehn bis 20 Zentimeter tief im Boden liegen die begehrten Fruchtkörper der Hypogäen. Es gibt, wie Pätzold erklärt, bei ihnen zwei Großgruppen: die Schlauchpilze (Ascomyzeten), die mit den oberirdischen Morcheln verwandt sind und die Ständerpilze (Basidiomyzeten), die mit Röhrlingen, Kremplingen oder Täublingen eine Familie bilden. Dass die Teilnehmer zufälligerweise auf einen Speisetrüffel finden würden, damit war laut Pätzold nicht zu rechnen. „Die sind nur in Kalkböden im Laubwald zu finden“, weiß die Pilzsachverständige.
Symbiose zwischen Baum und Pilz
Entscheidend für das Vorkommen von Hypogäen seien aber nicht primär die Böden, sondern die auf ihnen wachsenden Baumarten, so Pätzold. Trüffel stehen nämlich in einer Symbiose mit den Bäumen. Beim Seminar wurden zum Beispiel der Tannen-Sandborstling (Geopora cooki) und aus der Gattung Tuber der laumhaarige Zwergtrüffel (Tuber puberulum) gefunden. Letztere war für die Seminarteilnehmer etwas Besonderes: Die Trüffel der Gattung Tuber stehen nämlich unter Artenschutz, dürfen für Lehrzwecke aber aus der Natur entnommen werden.
Speisetrüffel werden auch gezüchtet, weiß Pätzold. Eichen werden als kleine Bäumchen mit Sporen beimpft. Nach fünf bis sechs Jahren kann man mit etwas Glück die ersten Trüffel ernten.
Hundeausbildung
Wer sich für die Ausbildung der Trüffelhunde interessiert, findet im Internet unter www.trueffelwelten.de weitere Informationen.