Larissa Ebel feiert in diesem Jahr fünf Jahre Selbstständigkeit – und ihr Meisterwerk. Foto: Jana Heer

„Ich fand Pergament schon immer toll“, fängt Buchbinder-Meisterin Larissa Ebel an zu erklären, wieso die Entscheidung auf genau dieses Meisterstück gefallen ist.

Das Buchbinderhandwerk stirbt langsam aus. Nur noch rund 500 handwerkliche Buchbindereien gibt es in Deutschland, ist auf der Internetseite des Bundes Deutscher Buchbinder nachzulesen. Eine davon findet sich in der Calwer Salzgasse.

 

Seit 2021 ist die 30-jährige Larissa Ebel Inhaberin des Buchateliers Blattwerk. Im März kann sie auf fünf Jahre Selbstständigkeit zurückblicken, freut sich die gebürtige Böblingerin. Und das ist nicht die einzige freudige Nachricht: Erst im vergangenen Jahr hat Ebel ihre Meisterprüfung abgelegt und ist nun stolze Besitzerin eines Meisterbriefs. Hinter dem Stück Papier, das mittlerweile an ihrer Wand hängt, steckt eine ganze Menge an Arbeit.

Die Arbeit mit Pergament Unmengen an Zeit flossen in ihr Meisterstück – ein Buch mit passender Kassette. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt sie, dass es einen vorgegebenen Zeitrahmen gab, in dem das Meisterstück entstehen musste. Außerdem mussten bei der Herstellung drei bis vier Dekortechniken verwendet werden.

Ebels Werk strotzt geradezu von ihnen. Ihr Buch mit Behältnis ist zur Hälfte aus Pergament. „Ich fand Pergament schon immer toll“, sagt sie mit Blick auf die noch geschlossene Kassette in ihren Händen. Bisher habe sie aber selten die Möglichkeit gehabt, damit zu arbeiten. Um das Material besser kennenzulernen, erstellte die junge Buchbinderin zunächst drei Probestücke.

Drei Probestücke erstellt

Die Arbeit mit dem Pergament sei die größte Herausforderung gewesen. Das liege vor allem an dem Material selbst, weiß Ebel. Sie erklärt, dass die Tierhaut nass behandelt und aufgespannt wird.

Die auf dem Material liegende Spannung werde während des Verarbeitens zur Herausforderung – und auch danach ist das glatte Material noch anfällig für das Raumklima.

Dafür gab es keine Anleitung

Mit dazu kam dann noch die Entscheidung, eine besondere Buchkassette zu fertigen.

Ebel erklärt, dass eine Kassette üblicherweise geradlinig ist – eben eine Box. Sie hingegen hat die Rundung des Buchrückens für die Box übernommen. Dafür habe es nicht einmal eine Anleitung gegeben. Und die Schwierigkeit: dass die Rundung trotz Pergament bestehen bleibt – denn anders als beim Buchrücken gibt es hier keine stabilisierenden Buchseiten.

Als Bücher wählte sie die Jugendbuchreihe „The Raven Boys“ von Maggie Stiefvater, bestehend aus vier Bänden aus. Die Bücher habe sie vor ein paar Jahren gelesen – und sie hätten Ebel „in den Bann geschlagen, wie lang kein Buch mehr“.

Darüber hinaus erklärt die Buchbindermeisterin, dass die Anzahl der Bände genau gepasst hat.

Die ersten drei Teile konnte sie als Probestücke nehmen, während der vierte Teil der Reihe das Meisterstück wurde.

Da die junge Handwerkerin nicht vier Mal das Gleiche machen wollte, variierte Ebel bei der Wahl der Farben – und passte sie dem Titel beziehungsweise Inhalt der einzelnen Bücher an.

Königsblau, Schwarz, Weiß Beim letzten Band der Reihe – ihrem Meisterstück – treffen Königsblau, Schwarz und Weiß aufeinander.

Für Königsblau und Schwarz entschied sich die junge Frau aufgrund des Titels „The Raven King“, auf Deutsch: der Rabenkönig. Das Weiß folgt aus dem Pergament – das wollte Ebel nämlich so naturbelassen wie möglich lassen.

Eine Menge an Dekortechniken

Weitere handwerkliche Besonderheiten finden sich auf dem Frontdeckel. Hier findet sich ein feiner Schriftzug als graphitfarbene Prägung. Am unteren Rand ist darüber hinaus eine Krone sichtbar. Eine Acryllinie zieht sich durch. Auch Pergamentriemchen sind sichtbar.

Auf dem Buchrücken zeichnet sich eine weitere Krone ab – hierbei handelt es sich um eine Unterlegearbeit, erklärt Ebel fachmännisch ihr Werk. Generell handelt es sich um einen Halbpergamentband mit Ecken, dreiseitigem Graphitschnitt, handgestochenem Kapital und Häubchen.

Das ist in Zukunft geplant Mit ihrem Meister könnte die 30-Jährige jetzt auch selbst ausbilden. Grundsätzlich kann sie sich das vorstellen – konkrete Pläne gibt es allerdings noch nicht.

Aktuell gibt es andere große Projekte. So möchte die Buchbinderin in diesem Jahr Bücher mit echten Bünden, vielleicht sogar Holzdeckel, Leder und Schließen machen.

Auch an Ideen, Aufträgen und noch zu fertigenden Adressbüchern für den Laden mangele es nicht.

Insbesondere Buchreparaturen seien jedes Mal anders und besonders – genau darin steckt für sie die Faszination für ihren Beruf. „Vielseitigkeit und Kreativität und die Arbeit mit verschiedenen Materialien“, schließt Ebel.