Plastikfrei einkaufen? Wie schwer ist das in Villingen-Schwenningen und macht es preislich einen Unterschied? Wir haben den Selbsttest gewagt.
Plastikfreies Einkaufen – ein guter Vorsatz, der sich im Alltag oft nur schwer umsetzen lässt. Besonders beim Wocheneinkauf im Supermarkt scheint alles in Kunststoff verpackt zu sein: Haushaltsartikel, Fleisch, Backwaren, Obst und Gemüse oder Milchprodukte.
Aber wie schwer ist es wirklich, beim Einkaufen auf Plastik zu verzichten? Und macht das preislich einen Unterschied? Unsere Redaktion hat den Selbsttest gemacht.
Haushaltswaren
Unser Test startet bei den Haushaltswaren. Wir werden hier in den Supermärkten und der Drogerie nur bedingt fündig. Auch auf dem Wochenmarkt finden wir keine Haushaltswaren. In den Drogeriemärkten finden wir immerhin einige Produkte mit recycelter Verpackung, wie beispielsweise Spül- oder Waschmittel. Diese sind allerdings deutlich teurer. Circa ein bis zwei Euro mehr müssen wir für die recycelte Verpackung zahlen. Ansonsten setzt der Handel eher auf große Nachfüllpackungen, um Plastikmüll zu reduzieren. Ganz ohne Plastik geht es hier also in der Regel nicht.
Frischetheke
Weiter geht es an der Frischetheke im Supermarkt. Hier erfahren wir von Deborah Krumbacher, Mitarbeiterin an der Fleischtheke im Culinara in Schwenningen: „Aus hygienischen Gründen muss alles in Plastik verpackt werden.“ Doch es gebe eine Alternative: „Wir dürfen die Ware in mitgebrachte Tupperdosen packen. Das wird allerdings kaum genutzt. Vielleicht einer von zehn bringt so eine Dose mit“, vermutet sie. Sie bietet uns an, geräucherte Würste in Papier einzuwickeln, denn dann gilt die Vorschrift nicht. Mit einer Tupperdose kann man an der Frischetheke die Plastikverpackung also relativ einfach umgehen.
Obst und Gemüse
Weiter geht es in der Obst- und Gemüse-Abteilung. Auch hier ist es manchmal schwierig, auf Plastik zu verzichten. Selbst Produkte wie Äpfel oder Kartoffeln sind oft in Plastik verpackt. Wir haben es deshalb auf dem Villinger Wochenmarkt probiert. Hier am Demeter-Gemüsestand Mössner ist alles unverpackt und in Kisten sortiert. Bei unserer Bestellung bekommen wir fast alles unverpackt in unseren mitgebrachten Korb gepackt.
Bei empfindlichem Gemüse wie beispielsweise Tomaten, setzt Bernhard Mössner auf Papiertüten, wie er uns erzählt. „Viele bringen ihre eigenen Tüten oder auch Tupperdosen mit. Unsere Papiertüten werden sonst auch oft von den Kunden wiederverwendet“, antwortet der Kaufmann auf unsere Nachfrage. Die Papiertüten seien für ihn die einfachste und kostengünstigste Variante. Im direkten Vergleich zu den Demeter-Alternativen aus dem Supermarkt ist seine Ware nicht teurer.
Backwaren
Weiter geht es an der Backtheke auf dem Villinger Wochenmarkt: „Wir verpacken alles in Papiertüten“, sagt Maria Weißer. Sie verkauft für den Schmelzebeck aus Langenschiltach auf dem Wochenmarkt Backwaren. Auch sie packt uns unser Brot in den selbst mitgebrachten Stoffbeutel. „Nicht viele Kunden bringen ihre eigenen Tüten mit. Die meisten nehmen meine Papiertüten“, erzählt sie uns. Sie berichtet auch, dass sie vor einigen Jahren aus „Umweltgründen“ auf Papiertüten umgestiegen sei. Hier ist es also einfach, auf Plastikverpackungen zu verzichten.
Mittlerweile sind viele Bäckereien auf Papiertüten als Verpackung umgestiegen. An den Preisen hat diese Umstellung allerdings nicht wirklich etwas verändert. Zudem wird in vielen Bäckereien, wie zum Beispiel bei der Armbruster Bäckerei in Schwenningen, mit dem Pfandsystem „Recup“ gearbeitet. Hier erhält man für einen Aufpreis von einem Euro einen Mehrwegbecher. So wird also auch beim Kaffee versucht, weitestgehend auf Plastik zu verzichten.
Milchprodukte
Im Supermarkt schauen wir zuletzt ins Kühlregal: Milch in der Glasflasche gibt es, aber nur vereinzelt. Wir stellen fest, dass wir dafür circa 30 bis 90 Cent mehr zahlen müssen. Auch beim Joghurt müssen wir etwas tiefer in die Tasche greifen. Zwischen 90 Cent und 1,50 Euro müssen wir hier für 500 Gramm Joghurt mehr bezahlen.
Einkaufen mit der Tupperdose
Unser Selbsttest zeigt: Ein komplett plastikfreier Wocheneinkauf ist mit dem aktuellen Angebot in den meisten Supermärkten eine echte Herausforderung. Es erfordert Botengänge zu verschiedenen Einkaufsstationen, Kompromisse und nicht zuletzt auch ein höheres Budget. In den Bereichen Backwaren und Fleischtheke sind die Supermärkte in der Region schon gut ausgebaut.In der Gemüseabteilung und Abteilung für Haushaltswaren gibt es aber noch Verbesserungspotenzial.
Unser Tipp
Unser Tipp: Das Gemüse auf dem Wochenmarkt zu kaufen, ist eine gute, plastiklose Alternative. Bei den Haushaltswaren gibt es noch Handlungsbedarf. Hier kann auf eine recycelte Verpackung geachtet werden. Das hilft bereits, den ökologischen Fußabdruck zu verringern.