Melanie Morhart (stehend) und Daniela Armbruster wissen aus eigener Erfahrung, wie wichtig Rückhalt nach einer Krebsdiagnose ist. Foto: Kron

Eine neue Selbsthilfegruppe für Frauen mit Krebs im Kinzigtal trifft sich erstmals im Januar in Hausach.

Eine Selbsthilfegruppe für Frauen mit Krebserkrankungen – das gibt es im Kinzigtal bisher noch nicht. Daniela Armbruster und Melanie Morhart wollen das ändern. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichten die beiden Frauen von ihren Geschichten, warum es ihnen wichtig ist, dass solch eine Gruppe im Kinzigtal entsteht und was sie für diese geplant haben.

 

Melanie Morhart ist 45 Jahre alt. Vor neun Jahren erhielt sie eine Brustkrebs-Diagnose. Mittlerweile gibt es bei ihr eine Metastasierung – der Krebs hat sich in ihrem Körper ausgebreitet. Sie besuchte zunächst Selbsthilfegruppen in Freiburg. „Hier im Kinzigtal gab es damals keine. In Freiburg waren dann viele Frauen sehr viel älter als ich. Ich war dort noch in einer zweiten Gruppe, habe mich dann aber weiter umgeschaut und bin mittlerweile in Ettenheim“, erzählt die Mutter eines 23-jährigen Sohnes.

„Meine Diagnose ist noch ganz frisch, ich habe im Januar von meinem Brustkrebs erfahren“, berichtet die 36-jährige Daniela Armbruster. Auch sie nutzt die Selbsthilfegruppe in Ettenheim. „Es war ein Schock, als ich den Befund bekommen habe“, erinnert sie sich. „Es hätte gut getan, wenn ich gleich im Kinzigtal eine Selbsthilfegruppe gefunden hätte.“

Erstes Treffen wird am 15. Januar sein

Die Beweggründe für die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe sind bei den beiden Frauen sehr ähnlich: Es gehe darum, aufgefangen zu werden, Fragen stellen zu können, den Austausch zu suchen, aber auch Rückhalt und Hilfe für andere Patientinnen zu bieten. In der Gruppe der Frauenselbsthilfe (FSH) in Ettenheim wurden die beiden mit offenen Armen empfangen. „Es ist aber sehr anstrengend, immer diese lange Strecke zu fahren. Die Leitung in Ettenheim meinte zu mir: ‚Du bist so positiv. Willst du nicht was im Kinzigtal machen?‘“, erklärt Morhart.

Die neue Gruppe soll sich zum ersten Mal am 15. Januar um 19 Uhr in Hausach treffen. Jeden dritten Donnerstag im Monat soll es von dort an auch im Kinzigtal die Möglichkeit für Frauen mit einer Krebserkrankung geben, sich miteinander zu treffen und über die Krankheit oder auch alles andere zu sprechen. Denn: „Das ist nicht so wie man sich das vielleicht vorstellt bei einer Selbsthilfegruppe. Wir sitzen nicht im Stuhlkreis und eine Person spricht“, erklärt Armbruster und ergänzt: „Das ist viel lockerer. Gespräche entstehen dabei organisch, auch mal in kleineren Gruppen oder nur zu zweit. Manchmal ist der Krebs überhaupt kein Thema.“

Zum Programm der Gruppe gehören auch Vorträge

In Ettenheim habe es beispielsweise auch das Format „Walk and Talk“ (Laufen und Reden) gegeben, bei dem man sich einfach auf einen Spaziergang mit der Gruppe getroffen hat. Auch in kurzer Zeit könnten sich in solch einer Gruppe Freundschaften bilden, sind sich Morhart und Armbruster einig.

Zum Jahresprogramm einer Selbsthilfegruppe gehörten außerdem Vorträge, wie die beiden Frauen erklären. „Da kann zum Beispiel der Sozialdienst kommen und über die Bürokratie aufklären oder Ärzte sprechen zu verschiedenen Themen rund um die Krankheit und Behandlung“, so Morhart. Ein Treffen könne bis zu zwei Stunden dauern. Wenn ein Vortrag geplant ist, könne es auch mal etwas länger gehen.

Frauen können auch später zur Gruppe dazukommen

Für welches Alter sie die Gruppe gründen, können die beiden Frauen nicht genau beantworten, erklären aber: „In jedem Alter sind bei einer Krebserkrankung natürlich andere Themen wichtig. Man hat normalerweise mehr mit jemandem in ähnlichem Alter gemeinsam. Das heißt aber nicht, dass man sich nicht auch sehr gut mit jemand Älterem oder Jüngerem austauschen kann.“ Kurzum: Frauen in jedem Alter sind in der Kinzigtäler Selbsthilfegruppe willkommen. Auch wer vielleicht später dazustoßen will, kann sich schon jetzt bei den Initiatorinnen melden. „Manchmal ist es einfach zu viel, zum Beispiel während der Akuttherapie dann abends noch aus dem Haus und zu einer Gruppe zu gehen. Aber dann darf man auch gerne dazukommen, sobald es wieder geht“, erklärt Armbruster.

Sie betont außerdem, wie wichtig Vorsorge und Selbstfürsorge sind. Ihren Tumor entdeckte sie durch Zufall nach einem Arbeitsunfall. Im Gespräch mit unserer Redaktion weist sie auch nochmals auf die Wichtigkeit des Brustzentrums in Offenburg und Lahr auf dem Weg zu ihrer Diagnose hin. „Ich kann nur allen raten, zur Vorsorge zu gehen und auf sich selbst zu hören“, so Armbruster.

Auch Morhart kann die Erfahrung teilen. Sie hat ihren Tumor selbst ertastet. „Die Ärzte meinten dann, ich sei noch so jung – ich war damals 38“, erinnert sie sich.

Gruppe soll Rückhalt geben und Austausch ermöglichen

Vor allem junge Frauen würden oft „durch das System fallen“, sind sich beide einig. Und das, obwohl eine Diagnose weitreichende Folgen hat: Armbruster ist momentan krankgeschrieben, wegen der körperlichen und kognitiven Einschränkungen die die Erkrankung und die Therapien mit sich bringen, ist es noch unklar, ob sie überhaupt zurück in ihren Beruf als Schreinerin kann. Auch Morhart war krankgeschrieben. Mittlerweile ist sie wieder in Erwerbsminderung tätig.

„Das Thema lässt einen nie mehr los“, weiß Morhart. So sind die beiden auch schon Frauen in Selbsthilfegruppen begegnet, die schon jahrelang krebsfrei sind, aber immer noch den Rückhalt anderer Betroffener suchen.

„Wir würden uns freuen, wenn das Angebot im Kinzigtal angenommen wird. Was in der Gruppe besprochen wird, bleibt auch in der Gruppe. Alles kann, nichts muss. Am wichtigsten ist, dass sich alle in der Gruppe wohlfühlen“, fasst Armbruster zusammen.

Kinzigtal-Gruppe

Die Selbsthilfegruppe für Frauen mit einer Krebserkrankung im Kinzigtal trifft sich zum ersten Mal am 15. Januar in Hausach. Der genaue Ort wird noch rechtzeitig bekanntgegeben. Sie entsteht als Teil der Frauenselbsthilfe (FSH) und wird somit wie ein Verein geführt. Es müssen Wahlen für die Hauptämter (Vorstand und Kassierer) erfolgen und Hauptversammlungen abgehalten werden. Die Organisatorinnen sind bei Fragen oder für alle Interessierten per E-Mail an fsh-kinzigtal@gmx.de zu erreichen. Eine What’s App Gruppe soll ebenfalls entstehen. Dort wird es neben Organisatorischen auch die Möglichkeit zum Austausch geben, erklären Armbruster und Morhart.