Lorenz Einzmann und Dominik Keck betreiben „s’ Heimatlädle“. Foto: Thomas Fritsch

In immer mehr Läden kassieren sich Kunden mittlerweile selbst ab. Auch im Raum Calw ist dieser Trend bemerkbar. Wir haben mit einigen der Betreiber gesprochen.

„Der Selbstbedienung gehört die Zukunft“. Davon sind Lorenz Einzmann und Dominik Keck überzeugt.

 

Nachdem sie von Markus Pfrommer Anfang 2025 Pfrommers Getränke- und Gartenmarkt übernommen hatten, folgte schon Ende des Jahres der zweite Schritt: Der SB-Markt „s‘Heimatlädle“ wurde eröffnet.

Laden in Calw bietet Lebensmittel, aber auch Erde

Dort gibt es Lebensmittel bis hin zur Feinkost, aber auch einige Artikel aus dem Gartenmarkt wie Blumenerde. „Damit geben wir den Kunden Gelegenheit, außerhalb der üblichen Geschäftszeiten einzukaufen“, sagt Keck.

Geöffnet ist an sieben Tagen in der Woche von 5 bis 23 Uhr. Wie in SB-Märkten üblich, scannen die Kunden den Strichcode der Ware ein und bezahlen per Karte. Für die Sicherheit vor Diebstahl sorgt eine Video-Überwachung.

Bislang zufrieden mit Geschäft in SB-Markt

Die Ruhezeiten nachts sollen möglichem Vandalismus vorbeugen, erläutert Keck. Das hätte sich aus Gesprächen mit Betreibern anderer SB-Märkte ergeben. Mit dem Angebot möchte man auch Direktvermarktern vor allem aus der Landwirtschaft eine Plattform bieten, so Einzmann.

Mit dem bisherigen Geschäftsverlauf sind die beiden Geschäftsführer zufrieden. Vor allem nachts und am Wochenende sei die Nachfrage groß. Für Pfrommers Getränke- und Gartenmarkt soll „s‘Heimatlädle“ ein zweites Standbein sein.

Auch Siegfried und Cornelia Mann setzen in ihrer Metzgerei auf Selbstbedienung. Foto: Thomas Fritsch

Schon vor mehr als einem Jahr hatten Cornelia und Siegfried Mann ihre Metzgerei in Stammheim auf Selbstbedienung umgestellt. Der Laden wurde umgebaut, die Kunden entnehmen Fleisch und Wurst, die nach wie vor aus eigener Produktion stammen, aus Kühlschränken mit Glastüren. Vorbestellte Ware kann tags darauf abgeholt werden.

Selbstbedienung wegen Personalmangel

Der Grund für diesen Schritt: Personalmangel. Vor allem im Verkauf fehlt der Nachwuchs, so dass die bisherigen Öffnungszeiten nicht zu halten waren. In der Herstellung beschäftigen die Manns noch fünf Mitarbeiter.

Was fehlt, ist die Beratung. Dem versucht das Ehepaar Mann Abhilfe zu schaffen. „Wir sind unter der Woche meist bis gegen 14 Uhr vor Ort. Man kann uns natürlich ansprechen“, so Siegfried Mann. Er bereitet zudem einen Flyer vor, in dem die wichtigsten Tipps und Kniffe für die richtige Fleischzubereitung zusammengefasst sind.

Giulia und Patrick Höger sind für „s’Lädle“ in Oberreichenbach verantwortlich. Foto: Thomas Fritsch

Auch der einstige Dorfmarkt in Oberreichenbach wurde zum 1. Februar auf Selbstbedienung umgestellt und heißt nun „s‘Lädle“. Statt von der Bürgergenossenschaft wird er von dem Ehepaar Giulia und Patrick Höger betrieben.

Den Dorfmarkt hatte es, um die Nahversorgung in Oberreichenbach sicherzustellen, neun Jahre lang gegeben. Nur mit großem Einsatz war es Geschäftsführer Lorenz Cornelissen gelungen, den Laden am Laufen zu halten. In manchen Jahren war ein leichtes Minus zu verzeichnen.

Die Resonanz war nicht allzu gut, die Öffnungszeiten wurden mehrmals geändert und es gab Personalprobleme. Für Vermieter Wolfgang Gross konnte es so nicht weitergehen. Anderseits war es für ihn eine ausgemachte Sache, dass der Laden erhalten bleiben muss. Notfalls hätte er den Markt, obwohl er nicht aus der Branche kommt, selbst betrieben.

Ehepaar übernimmt Markt in Oberreichenbach

So machte sich Gross auf die Suche nach einer Lösung. Und fand sie in Giulia und Patrick Höger.

Die betreiben seit Juli 2024 mit Erfolg einen SB-Markt in Weil im Schönbuch. „Wir haben, nachdem wir jahrelang bei Edeka tätig waren, nach einer Möglichkeit gesucht, uns selbstständig zu machen“, erzählt Giulia Höger. Sie haben sich dann für das SB-Konzept entschieden.

Als Wolfgang Gross sich bei ihnen erkundigte, wie ein solches Geschäft geführt werden kann, wird man sich laut Höger schnell einig: Das Ehepaar übernimmt auch den Markt in Oberreichenbach.

Um vor allem ältere Kunden an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen, gibt es an mehreren Tagen in der Woche Servicezeiten. Auch zu einem Kaffee kann man sich zusammensetzen, um ein Schwätzle zu halten. Und der kostenlose Lieferservice für Senioren und Menschen mit Handicap, wie er von der Bürgergenossenschaft angeboten wurde, bleibt erhalten, betont Gross.