Die Firma Neugart – hier der Stammsitz in Kippenheim – befindet sich in schwierigen Zeiten. (Archivbild) Foto: Bender

Weil die Kippenheimer Firma die Auftragsflaute nicht mehr durch Kurzarbeit kompensieren kann, werden Stellen gestrichen. Der Chef zeigt sich jedoch kämpferisch.

Die Freude schien groß, als die Firma Neugart ihr neues Werk in Kippenheim im März eröffnete. Mehr als 25 Millionen Euro hatte das Unternehmen für die 7000-Quadratmeter-Fläche investiert. „Ein klares Zeichen für Wachstum“, betonte der Getriebehersteller damals. Rund acht Monate ist das Gegenteil der Fall: Aufgrund der schwachen Konjunktur baut Neugart Arbeitsplätze ab.

 

„Der Mangel an Aufträgen führt zu Überkapazitäten“, bestätigt Bernd Neugart, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter der Neugart Gruppe, auf Nachfrage unserer Redaktion. Man habe bereits die Belegschaft durch natürliche Fluktuation – etwa wenn Mitarbeiter in den Ruhestand gehen – teilweise reduzieren können. Gereicht habe das jedoch nicht, weshalb nach den diesjährigen Sommerferien ein Freiwilligenprogramm an den Start ging. „Ausscheiden gegen Abfindung für Mitarbeiter, die dies wollten“, erklärt Neugart das Prinzip. Dieses Programm sei nun beendet. Wie viele Freiwille sich gemeldet haben, lässt der Gesellschafter unbeantwortet. Auch zur Frage, wie viele Arbeitsplätze insgesamt betroffen sind, macht er keine Angaben.

Unternehmen ist mit dem Neubau ein Risiko eingegangen

Von der Euphorie über den Neubau scheint bei Neugart heute nicht mehr viel übrig zu sein. „Den Entschluss haben wir im Jahr 2022 gefasst. Im Herbst 2023 konnten wir dann mit dem Bau beginnen und haben diesen im Februar 2025 abgeschlossen. Hätten wir 2022 schon gewusst, wie dramatisch sich die weltwirtschaftliche Situation verändert, hätten wir nicht gebaut“, trifft er klare Worte. Das Projekt während der Bauphase zu stoppen, sei für ihn nicht in Frage gekommen. „Die Entscheidung, das neue Werk zu bauen, war eine unternehmerische Entscheidung mit dem entsprechenden Risiko“, betont er.

Demnach dürfte ihm schon damals bewusst gewesen sein, dass die Firma mit dem Bau einen mutigen Schritt wagt. „Der Maschinenbau in Deutschland und damit auch wir sind seit drei Jahren erheblich unter Druck und stecken in der Krise“, weiß der Geschäftsführer. „Ukrainekrieg, Lieferkettenproblematik, überbordende Regulatorik in Europa, hohe Energiepreise, China als scharfer und unfairer Wettbewerber und die veränderte Politik der USA“, nennt Neugart Dinge, die das unternehmerische Handeln schwer machen würden. Die Probleme seien an allen Stellen der Industrie (Automobil, Pharma, Chemie, Maschinenbau) sichtbar und kämen nun auch im Dienstleistungssektor an – Stichwort: Jobrad. „Die reale Produktion im deutschen Maschinenbau sinkt seit 2023 Jahr für Jahr“, zieht Neugart Bilanz und befürchtet: „Das Erreichen der Talsohle ist auf niedrigem Niveau für 2026 prognostiziert.“

Neugart-Chef hofft auf bessere Zeiten

Trotz der Herausforderungen und Rückschritte bleibt der Unternehmer optimistisch: „Grundsätzlich schauen wir zuversichtlich in die Zukunft. Wir hoffen, dass sich bald weltwirtschaftliche Spielregeln herausarbeiten, die verlässlich und stabil sein werden. Wir erwarten eine erhebliche und spürbare Reduzierung der Regulatorik. Gleichzeitig sind wir mit unseren Produkten im Bereich der Automatisierungstechnik zuhause und die ist ein Megatrend – auch für die kommenden Jahre.“

Stimmung unter den Mitarbeitern ist gefasst und zuversichtlich

Und auch die Stimmung seiner Mitarbeiter sei „mehrheitlich gefasst und trotz allem zuversichtlich.“ Demnach würden viele anerkennen, dass man zunächst über Kurzarbeit versucht habe, die schwierige Lage zu überstehen.

Mit dem neuen Werk habe man die Grundvoraussetzung geschaffen, das Umsatzkapazitätspotenzial von mehr als 200 Millionen Euro zu erreichen. „Wir sind bereit, nun benötigen wir die entsprechenden Aufträge“, zeigt sich Neugart ehrgeizig.