Gestalteten das bunte Programm: die Sängerinnen von „No Limits“, Hansy Vogt (Mitte), die ehemaligen Ortsvorsteher und Bürgermeister Christoph Enderle (rechts) Foto: Frey

50 Jahre Gesamtgemeinde Loßburg – das ist wahrlich ein Grund zum Feiern. Und das haben die Loßburger am Freitagabend ausgiebig getan.

Wer nun Anzugträger mit Schlips und Kragen und feierliche Reden erwartet hatte, der hatte Pech. Wer aber ein fröhliches Fest mit vielen Anklängen an die 1970er-Jahre feiern wollte, der kam voll auf seine Kosten.

 

Das Organisationsteam um Karin Armbruster hatte ganze Arbeit geleistet und alles aufgeboten, was es für eine gelungene Jubiläumsfeier braucht. Ortsvorsteher, Gemeinderätinnen und gefühlt die gesamte Mannschaft aus dem Rathaus waren als Helfer im Einsatz. Und auch das Wetter machte endlich mal mit, denn es war trocken und warm.

Schon früh waren die Bänke auf dem Rathausplatz gut gefüllt. An den Bewirtungsständen war ordentlich was los, das Angebot erinnerte an die wilden 70er.

Hansy Vogt erobert Herzen

Als dann Fernsehstar Hansy Vogt zum „Opening“ ins Kinzighaus rief, waren auch dort die Plätze schnell besetzt. Vogt, offizieller Botschafter für den Schwarzwald, eroberte mit seiner lockeren und humorvollen Art schnell die Herzen des Publikums. Sein südbadischer Dialekt war auch für Schwaben gut zu verstehen – und wer wollte schon widersprechen, als Vogt verkündete: „Männer sind wie Wolken, je früher sie sich verziehen, um so schöner wird der Tag.“

Zunächst gehörte die Bühne dann den „No Limits“, dem Frauenchor aus Loßburg unter dem Dirigat von Waltraud Seidel. Mit den Carpenters und dem Song „Top of the World“ stimmten sie das Publikum auf die Musik der 70er ein. Da durfte dann natürlich auch Abba nicht fehlen, die Kultband aus dieser Zeit. „Waterloo“ und „I have a Dream“ luden zum Mitsingen ein, die Outfits mit Schlaghosen und Glitzerfummel kamen ganz stilecht daher.

Sehr gut besucht war das große Jubiläumsfest „50 Jahre Gesamtgemeinde“, das auf dem Rathausplatz und im Kinzighaus gefeiert wurde. Foto: Frey

Auf die Frage von Hansy Vogt „Habt ihr auch was Deutsches im Programm?“ erklang der Klassiker „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens. Auch dafür gab es viel Beifall.

Bürgermeister Christoph Enderle freute sich sehr über das große Interesse am Jubiläumsabend, auch er und seine Frau waren im Stil der 70er gekleidet. „Das lockere Outfit soll ein Symbol für ein fröhliches und cooles Fest sein“, sagte Enderle. Er wünschte sich, dass diese etwas andere Feier noch lange im Gedächtnis bleibt.

Enderle: wie in der Familie

Enderle erinnerte an die Gemeindereform 1974, die das Ziel hatte, größere Verwaltungseinheiten zu gründen. „Diese Vielfalt hat Loßburg bereichert, eine Besprechung mit den Ortsvorstehern fühlt sich an, wie daheim in der Familie zu sein“, verriet Enderle.

Dann bat Hansy Vogt vier kommunalpolitische Urgesteine auf die Bühne zu einer Diskussionsrunde. Die ehemaligen Rathauschefs von Schömberg, Betzweiler-Wälde, Lombach und Wittendorf ließen sich nicht lange bitten. Danach wurde fröhlich weiter gefeiert.

Ehemalige Ortsvorsteher ziehen in Diskussionsrunde Bilanz

Schömberg
Kurt Winter, der „Schimanski“ von Loßburg, bestätigte, dass „sich Schömberg in Loßburg gut aufgehoben fühlt“. Zunächst hatte die kleine Gemeinde wohl mit Freudenstadt geliebäugelt, doch Winter ist sich heute sicher: „Da wären wir einer unter vielen gewesen, hier in Loßburg konnten wir unsere Stärken viel besser entwickeln.“

Betzweiler-Wälde
Reinhold Johne, der noch heute seinen sächsischen Dialekt pflegt, erinnerte daran, dass Betzweiler und Wälde sich schon 1971 zusammenschlossen – und damit „ihrer Zeit voraus“ waren. Die Doppelgemeinde gab erst 2007 ihre Selbstständigkeit auf, hat aber Johnes Ansicht nach den Zusammenschluss mit Loßburg nie bereut.

Lombach
Hans Burkhardt war viele Jahre Ortsvorsteher in Lombach und Gemeinderat. Er folgte damit einer Familientradition, schon der Vater und Großvater bestimmten über Jahrzehnte als Bürgermeister die Geschicke Lombachs. Noch immer versorgt der 80-Jährige täglich die Tiere seiner Landwirtschaft und verfolgt kritisch die aktuelle Agrarpolitik.

Wittendorf
Gottlob Huß hat gerade erst – nach insgesamt bald vier Jahrzehnten – sein Amt als Ortsvorsteher von Wittendorf niedergelegt. Er wünscht sich generell mehr Zufriedenheit und weniger Nörgelei und bilanzierte für sich: „Es ist nicht alles so gelaufen, wie der Gottlob es wollte, aber wir haben ja eine Demokratie.“