Ältere Bürger können sich vielleicht erinnern: So sah die Sparkasse (links) während der 1980er-Jahren am alten, noch nicht umgestalteten Adlerplatz aus. Foto: Sparkasse

Papierkonten, Lohntüten und riesige Geldtransporte in Privatautos: In den vergangenen 180 Jahren hat sich bei der Ettenheimer Sparkasse viel getan.

Die Idee von „Spar-Kassen“ gab es schon im 18. Jahrhundert. Und der Spar-Gedanke fiel gerade im „Ländle“, wo Arbeitsamkeit und Sparsamkeit schon immer als Tugenden galten, auf fruchtbaren Boden. Die Landesregierung ermunterte 1832 zur Gründung von Sparkassen und das Bezirksamt Ettenheim gab diese Anregung im Oktober 1844 ans Ettenheimer Rathaus weiter. Während der Stadtrat wohl noch etwas zögerlich darauf reagierte, war Ettenheims damaliger Bürgermeister Franz Gschrey offenbar so von der Nützlichkeit einer solchen Einrichtung überzeugt, dass Ettenheim ab 1845 schließlich eine der damals 17 Sparkassen in ganz Baden gründete.

 

Einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte die Bezirkssparkasse mit dem Geschäftsbereich Ettenheim und 13 Umlandgemeinden mit Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eine der Folgen war der Neubau am Adlerplatz – verbunden mit einem Quantensprung an räumlicher Ausstattung, optischer Freundlichkeit, Erleichterungen für Kunden und für das Bankpersonal.

Zwei Mal standen Archiv und Tresorraum unter Wasser

Und dennoch wissen damalige Sparkassen-Bedienstete über Arbeitsabläufe und Zahlungsmodalitäten zu berichten, die für ältere Bankkunden üblich waren, für die jüngere Generation indessen aber unvorstellbar sind. So transportierten die Zweigstellenleiter das Geld in ihren privaten Autos nach Rust, Münchweier oder wohin auch immer. Hausmeister Otto Beck bewerkstelligte das Abholen des in der Bank benötigten Geldes von schnell mal 250 000 D-Mark in seinem Pkw ohne Begleitschutz von der Landeszentralbank in Lahr nach Ettenheim. Heute erfolgt das über höchst gesicherte Geldtransport-Firmen. Für jedes Geldgeschäft gab es Vordrucke, die ausgefüllt werden mussten – anfangs von Hand, später dann immerhin mit der Schreibmaschine. Journale und Zinsrechnungen wurden mit dem Kugelschreiber auf Papierkonten verbucht. Die Kunden hatten in der Bank ihre Postfächer. Die bargeldlose Lohnzahlung war selbst in den Anfangszeiten des Neubaus noch unbekannt.

So sah die ehemalige Sparkasse in Ettenheim in der Ettikostraße aus. Foto: Sparkasse

1977 fusionierte die Bezirkssparkasse Ettenheim mit der Bezirkssparkasse Lahr entsprechend der vom Gesetzgeber gewünschten Reduzierung der Zahl der Sparkassen im „Ländle“, die auch eine Auswirkung der Gemeindereform war. Dramatische Ereignisse auch für die Sparkasse am Marienplatz waren dann die beiden Hochwässer in den Jahren 1978 und 1983. Die Kellerräume mit Tresor, Kunden-Schließfächern sowie Archivräumen standen mannshoch unter Wasser und „bescherten“ den Bankmitarbeitern riesige Arbeitseinsätze. Mit kreativen Gebläse-Lösungen wurden damals die nassen, verklumpten Geldscheine getrocknet.

Die heutige Sparkasse in Ettenheim am Marienplatz Foto: Sparkasse

Recht bald überholt war auch die Ausgestaltung des Neubaus aus den 1960er-Jahren. 1976 wurde die Kundenhalle marktorientiert umgestaltet und farblich dem damaligen Verständnis von „modern“ angepasst. Es gab orangefarbene Sitzmöbel, grüner Teppichboden und wabenförmige Deckenelemente. Geschlossene Beratungszimmer? Fehlanzeige. Die Räume waren offen gestaltet und erforderten vom Bankpersonal viel Fingerspitzengefühl in puncto Diskretion bei der Beratung.

Weil in diesem Bereich die Zeit schnelllebig war, wurde schon 1994/1995 erneut umgebaut. Neue Kassen- und Giroschalter sowie neue Beratungskonzeptionen hielten Einzug. Der Zahlungsverkehr wurde mehr und mehr bargeldlos abgewickelt, das Online-Banking war geboren und Haupt- und Sortenkasse verschwanden. Zur Bewerkstelligung des Umbaus zog die Sparkasse in Container auf dem Marienplatz und in der Schuhmachergasse um.

Die Jahrtausendwende brachte einen technischen Wandel

Als „atemberaubend“ bezeichnet Ettenheims heutiger Geschäftsstellenleiter Stephan Hurst das Tempo des technischen Wandels in den 2000er-Jahren, in denen auch die Umstellung von der D-Mark auf den Euro erfolgte. Es kam zur Fusion mit Offenburg, Achern und Oberkirch, die heute zusammen als Sparkasse Offenburg/Ortenau firmieren.

Rathaus, Ettikostraße, Marienplatz – und bald in der Stückle-Straße. „Alle Mitarbeiter der bisherigen Geschäftsstelle am Marienplatz werden auch in der neuen Geschäftsstelle arbeiten. Sie waren bei der Präsentation der Vorstellung der neuen Geschäftsräume begeistert und freuen sich auf die neuen, ansprechenden und modernen Räume“, so Hurst im Gespräch mit unserer Redaktion.

Info – Erinnerungen von ehemaligen Angestellten

Zum Informationsgespräch mit der Presse über den bevorstehenden Umzug der Sparkasse hatte Geschäftsstellenleiter Hurst langjährige Mitarbeiter der Sparkasse in Ettenheim eingeladen. Alle sind inzwischen im Ruhestand. Was sie über die damaligen Geldabläufe erzählen, ist in heutiger Zeit schier nicht mehr vorstellbar. Beispielsweise, dass die Betriebe bis in die 1960er-Jahre zu Monatsbeginn bei der Bank das Gehalt ihrer Mitarbeiter auf Mark und Pfennig anforderten, der Kassierer der Sparkasse den Gesamtbetrag richtete, der dann vom Betrieb abgeholt wurde und in Lohntüten den Bediensteten auf die Hand ausbezahlt wurde. Die Bankkunden kamen außerdem zum Jahresende oder Jahresbeginn mit dem „Sparbüchle“ auf die Sparkasse, wo die Angestellten das Zinsguthaben händisch ausrechneten und es handschriftlich ins Sparbuch eintrugen. Sie hatten also gut daran getan, im Rechnen in der Schule gut aufgepasst zu haben. Ebenso kaum zu glauben waren die Schilderung früherer Mitarbeiter, dass in Zeiten des Umbaus der Sparkasse 1994/1995, als die Bankgeschäfte in Containern abgewickelt wurden, die Kassierer vor und nach den Kassenzeiten das gesamte Tagesgeld in den Kassen zwischen Containern und Bankgebäude hin- und hertrugen. Um nicht das Aufsehen mutmaßlicher Langfinger zu wecken, wurde das Geld „vorsorglich“ mit einem Geschirrtuch abgedeckt. Was jüngeren Bürgen ebenfalls skurril vorkommen könnte: Früher hatten viele der Geschäfte ein spezielles Fach, in dem ihre Kunden ein eigenes Kässchen – mit einer persönlichen Nummer versehen – stehen hatten, in das sie Geld werfen und sich damit den Gang zur Bank sparen konnten. Angestellte kamen regelmäßig vorbei, zählten das Geld, notierten den Betrag und nahmen es mit zur Bank, wo es dann händisch dem „Besitzer“ auf dessen Konto gutgeschrieben wurde.