Ulrike Pahl betreibt im Nebenerwerb ein ungewöhnliches Hobby: Sie stellt pflegende Seifen her.
Idyllisch gelegen in Onstmettingen ist ein Einfamilienhaus mit einem gläsernen Anbau daneben. Beim Blick in diesen Raum mutet alles nach Labor an. Was dort wohl geschieht? Es entstehen herrlich duftende und wunderbar pflegende Seifen. Denn Ulrike Pahl hat sich hier einen kleinen Traum erfüllt und stellt Seifen für Hände, Körper, Gesicht und Haare her – rein im Nebenerwerb und eher als Hobby. Deshalb sind die Unikate auch auf verschiedenen Kunsthandwerkermärkten in der weiteren Region zu erstehen. Oder man bezieht sie über das Internet oder direkt in Onstmettingen – nach vorheriger Anmeldung.
Denn Ulrike Pahl hat schließlich noch einen Hauptberuf und arbeitet als pharmazeutisch-technische Assistentin in der Winterlinger Apotheke. Als solche hat sie von Berufs wegen schon früher einmal von „Verseifung“ gehört, aber dem zunächst keine weitere Bedeutung zugemessen. Bis sie vor der ersten Schwangerschaft und vor allem danach Hautprobleme mit Juckreiz bekam. „Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt und habe alles probiert“, blickt die 57-Jährige zurück. Duschgele waren ein echtes Problem. Und so kam sie auf die Idee, die Herstellung von Seife selbst zu probieren: „Dann weiß ich wenigstens, was drin ist.“
Die erste Seife wurde noch in der Küche gesiedet. Rein für den Eigenbedarf. Erst als der Sohn etwa zehn Jahre alt war und die Eltern sich am Bazar des Gymnasiums beteiligen sollten, hat Ulrike Pahl begonnen, mit Kindern gemeinsam Handcremes und Badebomben herzustellen. Dann ging es los mit dem Experimentieren und dem Entwickeln von Rezepturen. Erst gingen die Seifen als Geschenke an Freunde, dann gab es plötzlich eine erhöhte Nachfrage. So entwickelte sich nach und nach die Marke „SchaumART“. In erster Linie geht es dabei zwar um die Verträglichkeit und Pflege der Haut, aber in zweiter Linie sind es auch kunstvolle Eigenproduktionen, die eine Vielfalt an Düften und Designs darstellen.
Schon allein die Namen zaubern ein Lächeln auf die Lippen: Freudentaumel, Liebeszauber, Südwind, Purple Rain, Schickeria und dergleichen. Während das eine Seifenstück wie eine rauschende Welle auf weißem Sand wirkt, zeigt sich auf dem anderen eine täuschend echte Holzmaserung. Vom wunderbaren Duft überhaupt nicht zu sprechen – ob Rose, Zitrusfrüchte, Kaffee oder französischer Lavendel. Die Möglichkeiten sind schier unendlich, sowohl beim Design als auch bei den Düften. Und eben alles handgemacht, biologisch, regional und hautverträglich.
Allerdings waren die Hürden für das Kleingewerbe hoch, schildert Ulrike Pahl. Man muss alles der EU melden, es gibt Sicherheitsbewertungen, man braucht einen abgetrennten Raum und muss das Kosmetikrecht beachten. All das mit nicht unerheblichem finanziellen Aufwand. „Jetzt oder nie“, sagte sich die experimentierfreudige Frau, die empfiehlt, keine Rezepte aus dem Internet auszuprobieren – lieber aus speziellen Büchern – und sich eine Schutzausrüstung zuzulegen, falls man sich selbst im Seifensieden versuchen will.
Schließlich benötigt man Lauge, durch die man, wenn sie in die Augen kommt, sogar erblinden kann. „Palmöl ist super für die Haut“, spricht Ulrike Pahl aus Erfahrung. Aber auch andere Öle kommen zum Einsatz. Weitere Bestandteile können – je nach Rezeptur – Schafsmilch, Joghurt, Hafermilch, Kokoswasser und ätherische Öle sein. „Die Kunst ist die richtige Zusammensetzung“, erläutert die Seifensiederin. Denn es sei gar nicht so einfach, dass sich ein hartes Stück Seife ergibt, das nicht schleimig ist und einen guten Schaum produziert, aber gleichzeitig die Haut pflegt.
Ob Babyseife, Rasierseife oder Putzseife – das Angebot ist groß. Dazu Deodorant und Haarseifen. „Nur Händewaschen wäre zu schade“, ermuntert die Onstmettingerin zu weiteren Einsatzmöglichkeiten. Das Wasser entnimmt sie übrigens dem „Heiligen Brünnle“, filtert es und kocht es ab. Je nach Design und Rezeptur dauert die Seifenherstellung eine Stunde plus Vorbereitungszeit. Mal muss man das Gemisch abkühlen lassen, dann wieder muss es beim Gießen in die Formen ganz schnell gehen. Es ist eben wirklich „eine Kunst für sich“.