Die Droge Fentanyl ist für die Beamten des Offenburger Polizeipräsidiums in ihrem Arbeitsalltag inzwischen keine Unbekannte mehr.
In den Vereinigten Staaten sorgt das synthetische Opioid Fentanyl seit Jahren für fürchterliche gesellschaftliche Verwerfungen. Die Droge, die im legalen Rahmen auch als starkes Schmerzmittel eingesetzt wird, ist um ein vielfaches stärker als Heroin.
Damit steigt das Risiko für versehentliche Überdosierungen. Zwar gibt es eine solche Opioidkrise wie in den USA in Europa und Deutschland nicht, auf den Straßen angekommen ist die Substanz dennoch.
Auch in unserer Region ist die Droge keine Unbekannte, wie eine Anfrage unserer Redaktion beim Polizeipräsidium Offenburg zeigt.
Missbrauch von Fentanylpflastern
Die gute Nachricht: Todesfälle, die in einem Zusammenhang mit der gefährlichen Substanz stehen, gab es im Zuständigkeitsbereich des Offenburger Polizeipräsidiums nicht. Unter den Drogentoten „sind auch Todesfälle, die im Zusammenhang mit Heroinkonsum stehen. Anhaltspunkte, dass Fentanyl hierbei eine Rolle spielt, ergaben sich nicht“, erklären die für Drogendelikte zuständigen Beamten.
Dennoch taucht Fentanyl auch auf den hiesigen Straßen auf, berichtet die Offenburger Polizei: „Es kommt gelegentlich zu Vorkommnissen, welche im Zusammenhang mit Fentanyl stehen. In der Regel handelt es sich um missbräuchliche Verwendung von Fentanylpflastern, die Schmerzpatienten verordnet bekommen haben. In Einzelfällen wurden – teilweise gebrauchte – Pflaster durch Heroinkonsumenten aufgekocht, um das Fentanyl intravenös zu konsumieren.“ Die Fälle, bei denen die Droge sichergestellt wurde, hätten sich im vergangenen Jahr im niedrigen einstelligen Bereich bewegt, bilanzieren die Beamten gegenüber unserer Redaktion.
2024 war für Baden-Württemberg insgesamt ein schlechtes Jahr, was die Zahl der Drogentoten anging. Laut dem Landesinnenministerium ist die Anzahl der Drogentoten im Jahr 2024 von 141 auf 195 Fälle angestiegen. „Auffällig ist die hohe Sterblichkeitsrate beim Mischkonsum von Benzodiazepinen, Substitutionsmitteln und Kokain sowie beim Missbrauch von synthetischen Opioiden“, erklärt das Ministerium. Zu letzterer Gruppe gehört auch Fentanyl.
Während in den USA die früher oftmals laxe Verschreibung von opioidhaltigen Schmerzmitteln zu den hohen Abhängigkeitszahlen führte, hat die zurückhaltendere Verschreibung der Medikamente in Deutschland eine ähnliche Entwicklung offenbar verhindert. Dennoch befürchtet etwa die Deutsche Aidshilfe eine zunehmende Verbreitung.
Aidshilfe befürchtet zunehmende Verbreitung
„Auch in Deutschland wird Heroin bereits mit lebensbedrohlichen synthetischen Opioiden gestreckt“, warnte die Hilfsorganisation im vergangenen Jahr. Illegal hergestellte synthetische Opioide seien auf dem Vormarsch, weil sie billig und einfach zu produzieren sind. Während bei Heroin 200 Milligramm tödlich wirken, seien es bei Fentanyl schon zwei Milligramm. „Wenn Konsumierende nichts von der Beimengung wissen, sind sie daher in Lebensgefahr“, warnt die Aidshilfe. Die Beamten des Polizeipräsidiums Offenburg haben die Verwendung von Fentanyl als Streckmittel in ihrem Zuständigkeitsbereich bisher nicht festgestellt, erklären sie auf Anfrage.
Verantwortlich für eine hohe Zahl an Drogentoten ist Heroin. Bisher wurde die Substanz meist in Afghanistan hergestellt. Nach der Machtübernahme der Taliban 2022 verhängten die Islamisten ein Verbot von Schlafmohnanbau. Schätzungen der Vereinten Nationen nach ist 2023 die Opiumproduktion in dem Land um 95 Prozent eingebrochen.
Bislang keine Verschiebung zu synthetischen Opioiden
Die Drogenagentur der Europäischen Union hält es für möglich, dass längerfristig die Verfügbarkeit von Heroin in Europa abnimmt und synthetische Opioide eine größere Rolle einnehmen. Im Moment seien diese mögliche Entwicklungen in Deutschland noch nicht registriert, informiert die EU Drogenagentur auf ihrer Internetseite.
Das deckt sich mit den Beobachtungen der Offenburger Polizeibeamten. „Hinsichtlich der Verfügbarkeit gab es keine erkennbaren Veränderungen im hiesigen Raum, auch preislich sind keine Verschiebungen wahrnehmbar.“ Auch wenn es derzeit dafür keine Hinweise gebe, „eine zunehmende Verbreitung ist nicht auszuschließen“, erklärt die Polizei .
Hilfsangebote
In Offenburg finden Abhängige etwa bei der Fachstelle Sucht Beratungs- und Behandlungsangebote. Neben illegalen Drogen sind dort auch Alkohol, Tabak, Glücksspiel und Medikamentenmissbrauch Thema. Fälle, bei denen es um Fentanyl ging, hatte die Fachstelle bereits in sehr kleiner Zahl, wie diese unserer Redaktion bestätigt. Auch die Suchtberatung in Lahr bietet psychosoziale Beratung, ambulante Behandlung und Präventionsmaßnahmen an.