Ein Video rückt die Burgruine Falkenstein in den Fokus. Der YouTuber „Waldgeist“ stellt gängige Datierungen infrage und präsentiert eine bislang nicht belegte Deutung.
Im tiefen mittleren Schwarzwald liegt die Burgruine Falkenstein mit weitem Blick über Schramberg. Genau dort setzt ein Video des YouTubers „Waldgeist“ an, der sich in einem rund 20-minütigen Beitrag ausführlich mit einer der prägendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt beschäftigt.
Der YouTuber nimmt seine rund 25 600 Abonnenten mit auf eine Spurensuche rund um die – seiner Aussage nach – älteste bekannte Burganlage Schrambergs und verbindet seine Beobachtungen mit weitreichenden Deutungen über eine mögliche Vorgeschichte der Anlage.
Wie der „Waldgeist“ in seinem Video schildert, besteht die Burg aus einer oberen und einer unteren Anlage, die eng mit dem Felsen verwachsen sind. Ihr genaues Alter ist bis heute nicht eindeutig belegt. Historiker gehen meist von einer Entstehung im 11. Jahrhundert aus, gesicherte Beweise fehlen jedoch. Genau diese Unsicherheit greift das Video auf. Einer Infotafel vor Ort zufolge sollen Ober- und Unterfalkenstein um 1150 von einem aus Kappel bei Villingen stammenden Ortsadelgeschlecht errichtet worden sein.
Auffällige Treppen im Fels
Besonderes Augenmerk legt der YouTuber auf in den Fels geschlagene Treppen. Vor allem bei der Oberburg wirken sie seiner Beobachtung nach ungewöhnlich glatt und ohne sichtbare Meißelspuren. Diese Treppen, die teils abrupt enden oder scheinbar ins Leere führen, deutet er nicht als mittelalterliche Bauelemente, sondern als Hinweise auf eine deutlich ältere, sogenannte megalithische Anlage.
Verbindung zur Sintflut-Theorie
Nach seiner Darstellung könnten diese Strukturen lange vor dem eigentlichen Burgenbau entstanden sein. Die Treppen seien demnach keine Verteidigungsbauten gewesen, sondern möglicherweise Anlegestellen aus einer Zeit, in der das Tal von Wasser bedeckt gewesen sei – eine These, die er mit der biblischen Erzählung der Sintflut verknüpft.
Im Kontrast dazu steht für den YouTuber die untere Burganlage. Dort seien deutlich bearbeitete Steinstufen mit erkennbaren Werkzeugspuren zu finden. Dies wertet er als Hinweis darauf, dass dieser Teil später entstanden sei – möglicherweise, nachdem sich das Wasser bereits zurückgezogen habe. Auch die Mauern wirkten weniger verwittert und insgesamt „jünger“.
Wer ist der Waldgeist?
Hinter dem Pseudonym „Waldgeist“ steht Damian Stiller aus Rottweil. Sein bürgerlicher Name sei für ihn jedoch zweitrangig. „Wichtiger ist die Figur des Waldgeistes“, erklärt er. Der Name sei aus seiner Idee entstanden, Natur und Geschichte miteinander zu verbinden: „Wälder sind für mich Orte voller Geheimnisse, und als ‚Geist‘ möchte ich diese sichtbar machen.“
Der YouTuber ist Mitte Vierzig und betreibt seinen Kanal als Hobby. Ziel sei es, historische Orte neu erlebbar zu machen. „Als ‚Waldgeist‘ belebe ich historische Orte, um Menschen für ihre Geschichte zu begeistern und die Verbindung von Natur und Vergangenheit sichtbar zu machen“, sagt Stiller. Die Ruine Falkenstein sei dafür ein idealer Ort: „verwachsen, geheimnisvoll und voller Spuren vergangener Zeiten“.
Besonders faszinieren ihn dort die Treppenanlagen: „Die megalithischen Treppen der Ruine Falkenstein, die an einem steilen Abhang enden und ins Nichts führen, haben mich besonders beeindruckt.“
Wissenschaft bleibt skeptisch
Wissenschaftlich anerkannt sind diese Deutungen bislang nicht. Archäologie und Geschichtsforschung ordnen die Burgruine Falkenstein weiterhin in den Kontext mittelalterlicher Höhenburgen ein. Die im Video gezogenen Parallelen zur Sintflut bewegen sich daher im Bereich persönlicher Interpretation und spekulativer Geschichtsbilder.
Dennoch scheint das Video auf Interesse zu stoßen: Fast 9000-mal wurde der Beitrag bislang aufgerufen, auch in den Kommentaren äußern sich viele Zuschauer fasziniert von der Burgruine Falkenstein. „Ich freue mich, wenn mein Video dazu beiträgt, diesen besonderen Ort noch mehr Menschen näherzubringen“, sagt der YouTuber.