Die Nagoldtalsperre in Erzgrube zieht im Sommer über 50.000 Besucher an. Foto: Prutschke

Bürger sparen nicht mit Kritik bei Vorstellung der Naherholungskonzeption

Von Stephanie Prutschke

 

Seewald-Erzgrube. Auf großes Interesse stieß die Vorstellung der Naherholungskonzeption Nagoldtalsperre seitens des Landesbetriebs Gewässer im Gasthaus Linde. Kritik aus den Reihen der Bürger: Wirklich neue Erkenntnisse bringe die Konzeption nicht.Die Nagoldtalsperre zieht im Sommer über 50 000 Besucher an, an Spitzentagen etwa 2500 Besucher – 1000 Autos und 1000 Motorräder. Für die kleine Ortschaft Erzgrube eine große Herausforderung.

Nachdem im Januar dem Gemeinderat die damals noch etwas anders aussehende Konzeption vorgestellt worden war, waren ein Ausschuss und eine Interessengruppe, die für die Konzeption Anregungen und Verbesserungsvorschläge zusammenstellte, entstanden. Aufgegriffen wurden diese jedoch nicht, da laut Axel Pälchen vom Landesbetrieb Gewässer das jährliche ihm zur Verfügung stehende Budget von 75 000 Euro die Verwirklichung von Wünschen nicht ermögliche, zumal die Müllentsorgung bereits annähernd 25 000 Euro verschlinge. Genau dieses Thema stieß den Bürgern sauer auf, da im Vorfeld versucht worden sei, die Verantwortung seitens der Gewässerdirektion abzuwälzen. So gab Pälchen auch zu, dass der Versuch, mit Abbau der Mülleimer die Besucher zur ordentlichen Müllentsorgung zu erziehen, gescheitert sei. Dass dies vorhersehbar gewesen sei, musste er sich ebenso anhören wie den Vorwurf, dass für die Konzeption kein Umweltforschungsinstitut erforderlich gewesen wäre. Das darin festgestellte Potenzial der Waldseite sei schon immer bekannt gewesen, was aber gar nichts bringe, wenn der Besucher nur einen leeren Stausee antreffe, wie es im Sommer 2011 der Fall war.

Zu diesem Vorwurf teilte Pälchen mit, dass die Talsperre vom Land nicht zu touristischen Zwecken, sondern zum Hochwasserschutz und zur Niedrigwasseranreicherung erbaut worden war. Auch zum jetzigen Zeitpunkt müsste die Sperre eigentlich voll sein, tatsächlich würden aber noch vier Meter fehlen. Pälchen rechnet damit, dass wegen der vertraglich vereinbarten Restwasserabgabe auch in diesem Jahr der Hauptsee nicht voll werden könne. Der erforderliche Hochwasserrückhalteraum sei in einem Reglement von 1995 bestimmt worden. Dieser ergebe in den Wintermonaten keinen Spielraum zum Anstauen.

Bei einem vollen Hauptsee profitiere der ganze Landkreis samt Nachbarkreisen von dem angenehmen Nebeneffekt als touristischer Anziehungspunkt, so Pälchen. Er habe sich ständig hinsichtlich der Kosten für den Betrieb und die Erhaltung der Talsperre rechtfertigen müssen, weshalb er eine Verteilung der Kosten auf mehreren Schultern angestrebt hatte. Für dieses Vorhaben musste Pälchen bei der Versammlung sehr emotionale Schelte einstecken. Denn, so die Kritik, die Hauptkosten würden von den jährlich über 50 000 auswärtigen Besuchern verursacht. Und diese müssten für ihren Ausflug an die Talsperre keinen Cent bezahlen und würden meist nicht einmal einen Euro für ihre Verpflegung vor Ort ausgeben. Weder Parkgebühren noch Gebühren für die Toilettenbenutzung würden verlangt, obwohl Bürgermeister Gerhard Müller und einige Gemeinderäte bestätigten, dass nach jahrzehntelangen Verhandlungen mit den unterschiedlichen zuständigen Behörden eine Parkraumbewirtschaftung in Aussicht gestanden habe, diese dann aber letztlich vom Regierungspräsidium Karlsruhe abgelehnt worden sei.

Auf Unverständnis bei den Bürgern stieß, dass für die Sanierung in den vergangenen zehn Jahren zehn Millionen Euro in die Talsperre investiert wurden und nun kein Geld für die Bewirtschaftung da sein soll. Zudem, so hieß es in den Reihen der Bürger, müssten Einnahmen über Parkgebühren doch eigentlich willkommen sein. Bürgermeister Müller und die Gemeinderäte wollen an diesem Thema dran bleiben. Die Zuständigkeitsprobleme seien jedoch eine grundsätzliche Erschwernis, denn neben der Landesgewässerdirektion und der Gemeinde Seewald sind auch das Kreisforstamt, die Kreisstraßenverwaltung und die Gemeinde Grömbach für die Talsperre zuständig.

In seinem versöhnlichen Schlusswort begrüßte Pälchen den Wunsch der Bevölkerung auf eine bessere Zusammenarbeit, betonte jedoch nochmals, dass sich das Präsidium in den Betrieb einer Talsperre nicht reinreden lasse, da das Risiko viel zu hoch wäre.