Die Gemeinschaft packt mit an beim Pflanzen von Agroforstbäumen auf den Feldern des Hofs Sonnenwald.Fotos: Meinert Foto: Schwarzwälder Bote

Landwirtschaft: Gemeinschaft in Schernbach kombiniert Gehölzstreifen mit Ackerbau und Grünlandanbau

Die Genossenschaft bei Schernbach heißt Gemeinschaft Sonnenwald. Das klingt irgendwie nett und harmlos. Doch wer hier mitmacht, will mehr als nur auf Kunstdünger und Pestizide verzichten. Eines der Ziele heißt "solidarische regenerative Agrikultur".

Seewald-Schernbach. Paul Hofmann ist 27 Jahre alt und kommt aus Mainz. Studiert hat er ökologische Landwirtschaft, Naturschutz und Forstwirtschaft. Doch das Studium hat ihn frustriert. "Die Kompetenzen, die notwendig sind für eine regenerative und nachhaltige Landwirtschaft, werden nicht ausreichend vermittelt."

Seit einem Jahr lebt Hofmann in der Genossenschaft Gemeinschaft Sonnenwald bei Schernbach. Seitdem hat die Genossenschaft, die mittlerweile fast 40 Mitglieder zählt, einiges auf die Beine gestellt. Erst kürzlich haben Hofmann und seine Mitstreiter rund 4000 Bäume, Gehölze und Sträucher gepflanzt. Was da auf dem Genossenschaftsfeld heranwächst, nennen Experten etwas sperrig ein "multifunktionales Agroforstsystem", man könnte auch "Baumfeldwirtschaft" sagen. Man könnte aber auch sagen, es handelt sich um das extremste Gegenteil der gängigen Monokultur: Bäume und Gehölzstreifen werden mit Ackerbau und Grünland intensiv und auf engem Raum kombiniert. "Solche Agroforstsysteme sind mit den traditionellen Streuobstwiesen verwandt", so Hofmann. "Nur, dass zwischen den Bäumen und Sträuchern produktiver Ackerbau betrieben werden kann."

Nach dem Studium um die halbe Welt gereist

Hofmann ist nach seinem Studium um die halbe Welt gefahren, um Projekte der "Baumfeldwirtschaft" zu studieren. In den Tropen und Subtropen seien solche Systeme schon seit längerem bekannt, ebenso in Frankreich und England. Deutschland hinke da noch hinterher. "Doch in Zeiten des Klimawandels wird das nun auch für die deutsche Landwirtschaft immer wichtiger." Es gebe gleich mehrere Vorteile, erzählt Hofmann. Unter anderem entstehe durch den lichten Schatten der Gehölze ein kühleres und feuchteres Mikroklima auf den Feldern – angesichts zunehmender Trockenheit immens wichtig.

Angepflanzt werden unter anderem Pappeln, Weiden und Erlen sowie "lichtliebende Werthölzer" wie Speierling, Hickory und Wildkirsche. Auch fruchttragende Sträucher wie Sanddorn, Kornellkirsche und Ölweide sind dabei. Nur die "klassischen Schwarzwald-Bäume" wie Tannen und Fichten – die gibt es hier nicht.

Sarah Schöne ist ebenfalls Mitglied der Genossenschaft, sie stammt aus Wiesental im Südschwarzwald und ist 24 Jahre alt. Nach der Schule hat sie sich erstmal ein Jahr in Indien umgeschaut, dann studierte sie Ökosystemmanagement. Jetzt arbeitet sie auf den Hof Sonnenwald als Gemüsegärtnerin. Angebaut wird so ziemlich alles, was hierzulande wächst: vom Kürbis über Kohl bis zum Wurzelgemüse, Tomaten und seit neusten auch Paprika und Chili.

Dass es sich um biologischen Anbau handelt, versteht sich auf dem Hof Sonnenwald von selbst, also ohne Kunstdünger und Pestizide, mit viel Gründüngung. "Noch müssen wir Kompost zukaufen", erzählt Sarah Schöne, Ziel sei es aber, alle Nährstoffe auf dem Hof zu generieren. "Das dürfte leichter werden, wenn wir in Zukunft auch Rinder auf dem Hof haben." Doch das Besondere am Projekt ist nicht die Herstellung. "Solidarische Landwirtschaft" heißt das Ziel. Auch diese Idee ist zwar eigentlich nicht mehr brandneu – trotzdem kann man das Vorhaben guten Gewissens als revolutionär bezeichnen. "Die Idee ist, dass die Verbraucher nicht einfach bloße Konsumenten bleiben, sondern Anteil nehmen am Gemüseanbau auf dem Hof", erläutert Schöne. Konkret heißt das: Die Mitglieder der Solidargemeinschaft tragen durch monatliche Beitrage die Kosten für die landwirtschaftliche Produktion, im Gegenzug erhalten diese einen Anteil der Ernte.

In Sachen Gemüse bereits Selbstversorger

Die Gemüsebäuerin drückt das so aus: "Die Gärtner sagen, wie viel Geld sie brauchen – nach der Ernte wird die Produktion umgelegt auf die Mitglieder." So entstehe eine "enge Beziehung" zwischen denen, die anbauen und denen, die konsumieren. Daher spreche man auch vom "Prosumenten". Die Mitglieder der Solidargemeinschaft können sogar ganz konkret auf dem Feld mit anpacken – dazu solle es eigens "Mitmachtage" geben. Allerdings, noch handle es sich dabei eher um Zukunftsmusik, muss Sarah Schöne einräumen. Außerhalb der Gemeinschaft Sonnenhof gebe es lediglich eine Familie aus dem Dorf, die Interesse gezeigt habe. Natürlich hoffe man künftig auf mehr Zuspruch von außen. Doch die Gemeinschaft Sonnenwald ist in Sachen Gemüse bereits heute Selbstversorger.

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