Ein Baumhaus in Form einer durchsichtigen Pyramide soll an der Nagoldtalsperre errichtet werden.Foto: Weissenmayer Foto: Schwarzwälder Bote

Freizeit: Gemeinderat gibt grünes Licht für Projekt an der Nagoldtalsperre / Beschluss hat noch keine bindende Wirkung

Seewald. An der Nagoldtalsperre im Ortsteil Erzgrube soll ein Baumhaus gebaut werden. Mehrheitlich stimmte der Gemeinderat Seewald in seiner jüngsten Sitzung dem Bauantrag zu. Das Genehmigungsverfahren läuft jedoch nach dem Landeswaldgesetz, sodass dem gefassten Beschluss keine bindende Wirkung zukommt.

Tobias Weissenmayer vom Verein "Bund für Baumhaustechniker – Bildung, Forschung, Natur, Sport und Jugend" stellte als Projektleiter das Vorhaben ausführlich vor. "Das Baumhaus bietet Platz für sechs bis acht Personen und ist Teil eines Wandernetzwerks mit dem Ziel, mit dieser naturnahen Übernachtungsmöglichkeit die Fernwanderwege im Schwarzwald attraktiver zu machen", erklärte er.

Insbesondere sei so eine Übernachtungsmöglichkeit für Familien mit Kindern interessant, die wegen des Gewichts auf einer Wanderung kein Zelt mitnehmen können. Vor rund neun Jahren sei die Idee der Baumhäuser entstanden. Die durchsichtigen Pyramiden gebe es mittlerweile schon an einigen Standorten. In den Kurorten Bad Herrenalb (Talwiese), Bad Teinach (Höhenluft) und Freudenstadt (Teuchelwald) hätten die Gemeinden und Städte das Baumhausprojekt über den Tourismus finanziert, erläuterte der Projektleiter

"Wenn es uns nichts kostet, ist es gut", hatte Bürgermeister Gerhard Müller im Vorfeld der Projektvorstellung gesagt. Daher würden die Kosten in diesem Fall vom gemeinnützigen Verein der Baumhaustechniker übernommen, mit Unterstützung von Leader-Fördermitteln. Insgesamt rund 5000 Euro will der Verein in den Bau des Baumhauses investieren. Das Projekt werde von Leader gefördert, da es der Wirtschaftsentwicklung im ländlichen Raum diene, insbesondere den Tourismusbetrieben.

Wichtiger Standortfür Netzwerk

"Wir sehen auch den Vorteil in der Besucherlenkung, denn die Leute sind nicht irgendwo im Wald, sondern da, wo wir sie haben möchten", so Weissenmayer. Seewald sei ein wichtiger Standort, um das Netzwerk zu komplettieren. Zudem könnte der örtliche Tourismus profitieren. Weissenmayer gab zu, dass es im Vorfeld auch kritische Stimmen gegeben habe, da sich bereits genügend Besucher an der Nagoldtalsperre aufhalten. "Wir sprechen aber nur eine kleine Gruppe an, und wir sind sicher, es ist eine gute Ergänzung zu den anderen Angeboten." Gerade in Corona-Zeiten seien solche Angebote gefragt. Denn viele wollten aus der Stadt herauskommen, um sich in der Natur zu erholen. Das Baumhaus soll auf der anderen Seeseite, gegenüber der Gaststätte Seeheiner, im Privatwald der Familie Bauer errichtet werden. "Wir haben bereits Gespräche mit der Familie Bauer über eine eventuelle Nutzung der Toiletten und Duschen in ihrer Gaststätte geführt, auch über die Nutzung der Parkplätze werden wir noch sprechen", sicherte Weissenmayer zu.

Das Baumhaus wird zudem mit einer chemiefreien Komposttoilette ergänzt. Für 89 Euro pro Nacht könne das Haus gemietet werden, über einen speziellen Code, der auf das Handy des Nutzers geschickt wird, kann das Schloss zum Baumhaus geöffnet werden.

Gemeinderätin Monika Steltzer-Podschwadt von der Frauenliste bezeichnete die Idee als sehr schön und unterstützenswert. Allerdings sah sie das ohnehin schon hohe Besucheraufkommen an der Talsperre an schönen Tagen als kritisch für den Standort an. "Ich weiß, dass der Weg extrem frequentiert ist, aber wir denken, dass der Betrieb gegen Abend nachlässt und im Baumhaus dann ein erholsames Abenteuer erlebt werden kann", erklärte der Projektleiter.

Gemeinderat Martin Rebstock (Vereinigter Seewald) fragte, ob es geplant sei, bei guter Buchung weitere Baumhäuser zu errichten. "Es ist nicht unser Bestreben, der Charakter der Einsamkeit soll erhalten bleiben, aber aus betriebswirtschaftlichen Gründen wäre es sicher sinnvoll, noch weitere Anlagen zu bauen", antwortete Weissenmayer. Das Gremium sprach sich für weitere Anlagen aus, allerdings nicht am Standort Talsperre. Dafür sollen noch Ideen entwickelt werden. Außerdem gestand der Gemeinderat dem Verein zu, von den Gästen in den Jahren 2022 bis 2024 keine Kurtaxe zu verlangen. Später könnte dann geprüft werden, ob auch die Baumhausgäste durch die Kurtaxe eine Kurkarte bekommen, um kostenfreie Angebote damit zu nutzen, so Weissenmayer.

Jugend könnte beimBau beteiligt werden

Er stellte in Aussicht, das Baumhaus in einer Gruppenveranstaltung erstellen zu lassen. "Der Baumhaus-Verein bietet dazu der örtlichen Jugendfeuerwehr und der kirchlichen Jungenschaftsgruppe aus Seewald das Event an." So könnten Teilnehmer ab elf Jahren an einem attraktiven Freizeit- und Ferienangebot teilnehmen. So hätte auch die ortsansässige Bevölkerung etwas davon.

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