Der Durchlass unter der Brücke in der Waldhornstraße ist wieder frei und das Betriebsamt hat ein besonderes Auge darauf. Dass er im Winter verstopft war, weil Personal fehlte, hat zu den feuchten Wiesen ringsum beigetragen. Foto: Eyrich

Eine "Seenlandschaft" ist für manche schon das, was an Albstadts nördlichem Stadttor entstanden ist. Architekt der kleinen Seen ist der Biber, "und der" – so Axel Mayer im Ortschaftsrat – "wird uns erhalten bleiben."

Albstadt-Onstmettingen - Er war fast ausgestorben, sei dann zunächst in Bayern unter Schutz gestellt worden und breite sich von dort aus immer weiter aus: der Biber. Was Axel Mayer vom Stadtplanungsamt Albstadt im Ortschaftsrat Onstmettingen über den Nager zu berichten wusste, hat Auswirkungen auf das 33 Hektar große Naturschutzgebiet Geifitze, das sich vom Schmiecha-Ursprung bis kurz vor der Tennishalle erstreckt, also fast in den drittgrößten Albstädter Stadtteil hinein.

Die Anwohner haben Sorge vor nassen Füßen

Dort leistet der Biber derzeit ganze Arbeit, nagt und baut so fleißig, dass sich das Wasser der Schmiecha an manchen Stellen gehörig staut und manche Anwohner, nur leicht oberhalb davon in der Längenlochstraße, schon befürchten, dass sie bald nasse Füße bekommen könnten.

Im Winter sei es mal besonders schlimm gewesen, bekam Mayer zu hören, kannte aber den Grund: Wegen coronabedingten Personalmangels sei der Durchlass unter der Brücke in der Waldhornstraße nicht freigeräumt gewesen – und das Wasser habe sich noch mehr gestaut als sonst. Doch das Betriebsamt der Stadt habe nun ein besonderes Auge darauf.

"Der Biber ist Naturschützer und Landschaftsplaner"

Auf die Natur hingegen hat die Arbeit des Bibers durchaus positive Auswirkungen, wie Mayer weiß: Das Naturschutzgebiet Geifitze sei Brut-, Nahrungs- und Durchzugsgebiet gefährdeter Vogelarten. Im aufgestauten Wasser sei der Lebensraum für Amphibien ideal. "Der Biber ist also ein Naturschützer und Landschaftsplaner", so Mayer. Einzig die Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Flachland-Mähwiesen – besonders seltene Magerwiesen, die auf der Schwäbischen Alb zahlreich, woanders aber praktisch nicht mehr vorhanden seien, haben ein Problem mit der Nässe, wie Mayer deutlich machte: Sie lassen sich so feucht eben nicht mehr mähen. Und das müsse man dann halt in Kauf nehmen, wenngleich ansonsten streng darauf geachtet werde, dass deren Flächen nicht dezimiert werden.

Der Biber das machen, wozu er lustig ist

Dennoch: Der Biber darf machen, wozu er lustig ist, denn er sei streng geschützt, ebenso wie sein Lebensraum, betonte Mayer. "Der bleibt uns dauerhaft erhalten." Immerhin werde das Landratsamt des Zollernalbkreises zwei weitere Biberbeauftragte benennen, und es spendiere Material zum Schutz von Bäumen, etwa Zäune, Plastikrohre zur Ummantelung und Anstrichmaterial, damit’s dem dicken Tier mit den langen Zähnen beim Zubeißen graut und er die Bäume stehen lässt.

"Die Onstmettinger Bevölkerung muss sich daran gewöhnen, dass der jetzige Zustand bleibt", hat Ortsvorsteher Siegfried Schott vom Regierungspräsidium Tübingen erfahren. Dazu beigetragen hat auch, dass eine ganze Reihe von Pappeln, von denen zwei von selbst umgestürzt waren und weitere umzustürzen drohten, entfernt worden sind, was laut Axel Mayer das Landschaftsbild doch sehr verändert habe, aus Verkehrssicherungsgründen aber notwendig gewesen sei.

Menschen dürfen nur auf den Wegen gehen – anders als der Biber

Der Ortsvorsteher schlug vor, im Gebiet, in dem der Biber unterwegs ist, mal eine Begehung mit dem Biberbeauftragten des Regierungspräsidiums anzubieten. Daran dürften dann alle Interessierten teilnehmen. Im Naturschutzgebiet Geifitze müssen sie sich freilich mit Bedacht bewegen, erklärte Mayer: "Das einzig, was man dort darf, ist auf den Wegen gehen."