Der katholische Pfarrer Thomas Schmollinger wechselt nach den Sommerferien 2025 in die Seelsorgeeinheit Neckar-Baar in Schwenningen.
Thomas Schmollinger lacht gerne und vermittelt trotz seiner 60 Jahre noch große Freude am Beruf. In einem Alter also, in dem sich andere in erster Linie auf den herannahenden Ruhestand freuen. Der katholische Pfarrer leitet seit dem Jahr 2009 die Kirchengemeinde St. Theresia in Trossingen und mittlerweile die Seelsorgeeinheit Trossingen, zu der außerdem die Kirchengemeinden in Durchhausen und Gunningen gehören.
„Bei meiner Investitur hier habe ich gesagt, ich bleibe zwölf Jahre. Im nächsten Jahr bin ich mehr als 14 Jahre als Seelsorger hier.“ Zeit also für eine Veränderung. Und die fällt mit den Wechsel nach Schwenningen eher geschmeidig aus. Denn von 1995 bis 1997 war er Ausbildungsvikar in St. Franziskus Schwenningen. „Der Kreis schließt sich für mich“, sagt der Pfarrer.
Die Investitur
Die Investitur im neuen Wirkungskreis ist für den 14. September 2025 geplant. Bis zum 1. August kommenden Jahres bleibt er Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Trossingen. Schmollinger sieht „pfarrerlose“ Zeiten für die betroffenen Kirchengemeinden pragmatisch. „In der Vakanz erfahren die Gemeinden, ob ihnen ohne Pfarrer tatsächlich was fehlt. Es ist eine Zeit der Reinigung, in der man sich besinnen kann auf das, was die Gemeinde will.“ Für die Seelsorgeeinheit Trossingen hofft er trotzdem, dass die Vakanz bis zu einem Nachfolger nicht so lang ausfällt.
Die dazu gehörigen Gemeinden sieht er gut aufgestellt. „Das Gemeindeleben ist so vielfältig. Es ist schön, was da in den vergangenen zehn Jahren alles gewachsen ist.“ Mit Blick auf die Kirchengemeinderatswahlen ist er froh über die sich abzeichnende Stabilität. „Es machen alle weiter – in Gunningen muss man noch werben für Kandidaten.“ Schmollinger sieht sich nicht als „Baupfarrer“. Größtes Projekt derzeit ist der Umbau der Kirche in Durchhausen zum Gemeindezentrum. In Trossingen müsse man zumindest für das Pfarrbüro einen barrierefreien Zugang zu schaffen.
Die Weichen sind gestellt
In Schwenningen seien die Weichen gestellt für die geplanten großen Bauprojekte: das neue Gemeindezentrum an der St.-Franziskus-Kirche, damit verbunden ist der Abriss des St.-Elisabeth-Kindergartens und der Neubau von Pfarrerwohnungen bei Mariä Himmelfahrt. Wenn die geplanten Bauten stehen, müssen sie mit Leben gefüllt werden – eine sicher interessante Aufgabe.
In seinem Berufsleben haben ihn Pfarrer als Vorbilder geprägt, die auch gegen Widerstände oder den herrschenden Zeitgeist versucht haben, nicht nur für ihre Gemeinde nahbar zu sein sondern auch in der Ökumene. „Es soll spürbar sein, dass der Glaube was mit Freude zu tun hat“, ist seine tiefe Überzeugung. Er absolviert übrigens eine Zusatzausbildung und Fortbildung in der Clownsakademie Tamala in Konstanz mit dem Ziel als „Gesundheitsclown“ wirken zu können. Man könnte ihn mit Blick auf seinen Beruf durchaus als „Spätberufenen“ bezeichnen. Vielleicht ein Grund mit für eine gewisse Entspanntheit in der Art, den Beruf auszufüllen.
Aufgewachsen mit sechs Geschwistern
Geboren wurde er 1963 in Altingen bei Herrenberg. Der Vater war katholisch, die Mutter evangelisch. Mit vier Brüdern und zwei Schwestern wuchs er als jüngster Spross der Familie auf. „Als das Geld nicht reichte und die Zeit nicht gut für so eine große Familie war, mussten meine Eltern das neu gebaute Haus wieder verkaufen, und wir zogen in ein einfacheres Miethaus mit einem kleinen Lebensmittelgeschäft, einem urigen Edeka-Laden nach Eutingen. So wuchs ich auf als ein ’Ladenkind’“, erzählt er. Auch wenn das Geld knapp war, sei es dem Vater ein Anliegen gewesen, dass jedes der sieben Kinder einen Realschulabschluss schafft. Geld für den Besuch eines Gymnasiums oder gar für ein Studium war keines übrig. Nach der Realschule absolvierte Thomas Schmollinger eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann in Nagold.
Die Vorbilder
„Ministrant bin ich erst mit elf oder zwölf geworden.“ Sein damaliger Heimatpfarrer Karl Haas habe ihn aufgenommen wie Familie. „Er war ein mutiger Mensch und hat beispielsweise den Wortgottesdienst eingeführt.“ Er brachte sich stark ein in die ehrenamtliche katholische Jugendarbeit, organisierte Freizeiten mit, war bei Rom-Fahrten dabei, sammelte Erfahrungen bei der Eine-Welt-Arbeit oder in der Theatergruppe. Ein Beruf in der Kirche interessierte ihn dann doch. „Es gab ein Werbekärtle ’Berufe in der Kirche“, da habe ich einfach alles angekreuzt.“ Die Tatsache, dass man als Pfarrer Abitur braucht und studieren muss, sei für ihn ein Rückschlag gewesen. Trotzdem ging er es an – mit Erfolg. „Ich bin der einzige von uns Kindern mit Abitur und Studium.“ Das Abitur hatte er auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt.
Die entscheidende Erfahrung der Nähe zu Gott machte er bei einem Besuch der Kirche in San Damiano in Italien, die eng mit der Biografie des heiligen Franziskus verbunden ist. Danach war klar: Ich werde Priester. Eine sehr bereichernde Erfahrung war für ihn das Pastoraljahr in der Diözese Masaka in Uganda 2008/09. Dort baute er die Jugendarbeit der Katholischen Arbeiterbewegung auf. Die Beziehungen zu Uganda sind bis heute lebendig.
Schöne Erinnerungen
„Bei der Investitur in Trossingen habe ich afrikanische Lieder gesungen mit einer kleinen Trommel – das war gleich ein Türöffner.“ Mit seiner Zeit als Ausbildungsvikar in Schwenningen verbindet er viele schöne Erinnerungen. Gemeindefasnet wie der „Tanz beim Franz“ findet er wichtig. „Das Franziskusheim ist ein Ort der Oase und das Mittagessen immer lecker“, sagt er mit Blick auf diese Zeit. Pfarrer Rudolf Junginger lernte er schätzen – ebenfalls als Vorbild im Beruf. „Seine Offenheit für die Ökumene und die menschliche Art, Gottesdienste zu feiern“, das habe ihn beeindruckt.
Die Seelsorgeeinheit Neckar-Baar mit den Gemeinden Schwenningen, Weigheim und Tuningen ist von der Anzahl der Gläubigen doppelt so groß wie sein derzeitiger Wirkungskreis. Deswegen ist für ihn klar: „Wir brauchen einen zweiten Pfarrer“.