Die Kirche muss sparen und will moderner werden – aber zu welchem Preis? Für die Seelsorgeeinheit Trossingen, beginnt mit dem Prozess „Kirche der Zukunft“ eine neue Ära.
Im Rahmen der Gemeindeversammlung gab der Vorsitzende des Kirchengemeinderats St. Theresia, Siegbert Fetzer, einen spannenden Einblick in den Diözesan-Prozess „Kirche der Zukunft“.
Dabei wird es nach Vorgaben der Diözese Rottenburg-Stuttgart gravierende Veränderungen geben mit Zusammenlegungen von bestehenden Seelsorgeeinheiten, Kosteneinsparungen, Reduzierung von nicht sakralen, kirchensteuer-finanzierten Gebäuden von 100 auf 70 Prozent und einiges mehr.
Derzeit hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart 1020 selbstständige katholische Kirchengemeinden in 25 Dekanaten und in 280 Seelsorgeeinheiten. Aus den 1020 Kirchengemeinden sollen durch Zusammenschlüssen 50 bis 80 Raumschaften entstehen. Rechnerisch besteht eine Raumschaft aus 16 Kirchorten mit je 25 000 Katholiken.
Seelsorgeeinheiten müssen sich entscheiden
Das Dekanat Tuttlingen-Spaichingen, zu dem die Seelsorgeeinheit Trossingen, Gunningen, Durchhausen gehört, wird in 2,5 Raumschaften aufgeteilt.
Im Dekanat Tuttlingen-Spaichingen sind es aktuell 33 Gemeinden in acht Seelsorgeeinheiten, wobei sich jetzt die Seelsorgeeinheiten entscheiden müssen, mit wem sie sich zusammenschließen möchten. Es werde aber keine Fusionen geben, erläuterte Siegbert Fetzer, stattdessen eine Vereinigung als Union, wobei eine Kirchengemeinde die anderen Gemeinden aufnimmt, neuer Pfarrsitz ist und die Pfarrkirche stellt.
Mehrere Leitungsmodelle
Insgesamt sind vier Leitungsmodelle im Gespräch: Leitung mit einem Pfarrer, Leitung mit einem Pfarrerteam, Leitung mit Pfarrbeauftragten sowie Leitung mit Pfarrbeauftragten-Team. Dies bedeute allerdings auch, dass es einen hauptamtlichen Verwaltungsbeamten geben wird, der für das Finanz- und Verwaltungsgeschäft verantwortlich ist, und alle Rücklagen der einzelnen Kirchengemeinden in den neuen Haushalt zusammengeführt werden.
Es herrscht Ausgabenstopp
Es gilt schon jetzt ein Ausgabenstopp und Bau-Moratorium. Künftig sollen Budgets für die einzelnen Aufgaben bereitgestellt werden. Außerdem wird der neue Kirchengemeinderat aus den Kandidaten aller Ortskirchen der jeweiligen Raumschaft gewählt, beratende Mitglieder sind möglich. Es kann auch ein Orts-KGR gebildet werden, der sich beratend einbringen kann.
Es gibt neue Trägerstrukturen: So werden Kindergärten und Kitas aus der Kirchengemeinde herausgelöst und in neue Trägerschaftsstrukturen zusammengeführt. Gleiches gilt für den Tafel- und Kleiderladen. Kopfzerbrechen gibt es auch zum Thema 30-Prozent-Reduzierung von Gebäuden, wobei es sich generell um nicht sakrale Gebäude handelt. „Mit dem Verkauf des Pfarrhauses in Durchhausen haben wir unseren Beitrag mit 6,43 Prozent bereits erfüllt“, erläuterte Siegbert Fetzer.
Immobilien stehen zum verkauf
Mit dem Verkauf des Pfarrhauses in Gunningen sei man momentan in Verhandlung. Eine weitere Möglichkeit ist der Verkauf des Kindergartens St. Josef an die Stadt Trossingen, wobei die Kirchengemeinde weiterhin Träger bleibe, so wie beim Kindergarten Don Bosco.
Schwieriger gestaltet es sich mit dem Pfarrhaus in Trossingen ist es doch direkt an die Theresienkirche angebaut. Dennoch stand die Frage Verkauf oder Vermietung im Raum.
Insgesamt keine einfache Entscheidung für den Trossinger Kirchengemeinderat, der in dieser Woche tagt und im März seine Vorschläge an die Diözese Stuttgart-Rottenburg einreichen muss. „Die Entscheidung fällt dann im Dezember 2026, wenn Bischof Klaus Krämer über die Umschreibung der neuen Raumschaft entschieden hat und die neue diözesane Landkarte steht“, betonte Siegbert Fetzer.
Mögliche Zusammenschlüsse und Tendenz
Erste Option
Es steht von Seiten der Seelsorgeeinheit (SE) 3 Trossingen (Trossingen, Durchhausen, Gunningen) ein Zusammenschluss mit der SE 6 Klippeneck-Primtal (Denkingen, Aixheim, Aldingen, Frittlingen) sowie der SE 5 A, Dreifaltigkeitsberg (Spaichingen, Balgheim und Dürbheim) im Raum.
Zweite Option
Es liegt eine Anfrage aus VS-Schwenningen, der SE Neckar-Baar (Schwenningen, Tuningen, Mühlhausen, Weigheim), im Dekanat Rottweil vor. Man bittet um ein Sondierungsgespräch, wobei Schwenningen auch Gespräche mit Deißlingen und Lauffen führt.
Dritte Option
Ein Zusammenschluss der Seelsorgeeinheit Trossingen mit Aldingen/Aixheim sowie Seitingen/Oberflacht.
Tendenz
Die Diskussion zeigte klar, dass ein Zusammenschluss mit der SE Schwenningen nicht anstrebenswert sei, da dies zum einen über die Kreisgrenze hinaus gehe. Vor allem aber, um Trossingen als Pfarrsitz zu erhalten, sei es vorteilhaft, mit kleineren Gemeinden zusammenzugehen.