Die Bundeswehr sollte auch die Gesellschaft repräsentieren, die sie schützt. Foto: imago/A. Friedrich/s

Die über 3000 Muslimen in der Bundeswehr haben Anspruch auf seelsorgerische Betreuung, findet unser Hauptstadt-Korrespondent Tobias Heimbach.

Die Streitkräfte eines Landes sollten immer auch die Gesellschaft repräsentieren, die sie schützen. In der Bundeswehr es gibt schätzungsweise 3000 Muslime in Uniform. Es wird höchste Zeit, dass sie auch eine umfassende seelsorgerische Betreuung bekommen. Wer den aktuellen Bericht der Wehrbeauftragten liest, stellt fest, dass es einen dringenden Bedarf dafür gibt.

 

Dringender Bedarf

Auch darüber hinaus ist es ein Zeichen an Muslime, die teils in der fünften Generation hier leben, dass sie natürlich zu dieser Gesellschaft gehören und akzeptiert werden. Streitkräfte anderer Nationen sind da längst weiter. In den britischen, französischen oder amerikanischen Streitkräften gibt es Militär-Imame. Es ist gut, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die Sache vorantreibt. Tatsächlich ist die Umsetzung nicht ohne Tücken. Denn entscheidend ist, welche Personen die Aufgabe als Seelsorger ausfüllen. Vielen Moscheegemeinden in Deutschland stehen Imame der türkischen Religionsbehörde Ditib vor.

Diese untersteht direkt dem türkischen Präsidenten. Wer in Diensten von Recep Tayyip Erdogan steht, kann unmöglich auch deutsche Soldaten betreuen. Auch die Vielgestaltigkeit der muslimischen Verbände macht eine Lösung kompliziert. Allerdings muss sich die Politik ankreiden lassen, dass all diese Dinge schon seit Jahren bekannt sind und trotzdem nicht gelöst wurden. Wer nicht will, findet Gründe – wer wirklich will, findet Wege.