Mit einer neuen Kleiderordnung wollten die Verantwortlichen im Weiler Freibad für mehr Klarheit und weniger Konflikte sorgen. Bis zum Knie ist alles erlaubt.
Im Laguna in Weil am Rhein kann von Schließung keine Rede sein. Sechs Wochen mit rundum gutem Wetter haben dem an das Erlebnisbad angeschlossenen Freibad herausragende Besucherzahlen beschert.
Bisher kamen deutlich mehr Badegäste als im vergangenen Jahr. Gute Nachrichten hat Natalia Golovina, beim Laguna für Marketing und Qualitätsmanagement zuständig, auch was die neue Badeordnung betrifft.
Länge ist nicht das Problem, sondern die Unterwäsche
„Die Badeordnung wird wahrgenommen, sie wird angenommen“, hält Golovina gegenüber unserer Redaktion fest. Es erfordere aber durchaus viel Aufwand für die Bademeister und das Sicherheitspersonal, ihre Einhaltung einzufordern.
Stellenweise habe es am Anfang auch Konflikte gegeben. Stein des Anstoßes sei dabei weniger die Länge der Badehosen – den neuen Regeln zufolge bis zum Knie – sondern die Tatsache, dass darunter Unterwäsche getragen werde. Da sei das Aufsichtspersonal schon tagtäglich am Kämpfen, sagt Golovina. Jede Person, bei der ein Stück Unterwäsche sichtbar unter der Badehose oder dem Badeanzug hervorblitzt, werde angesprochen.
Auch wenn die neue Kleiderordnung im Vergleich mit umliegenden Bädern, etwa in Lörrach, vergleichsweise locker ist, für Weil bedeutet sie eine Verschärfung. Dort gab es bislang keine klaren Regeln. Sogenannte „Burkinis“ – hochgeschlossene Badeanzüge mit langen Beinen und Ärmeln und gegebenenfalls einer Kapuze waren erlaubt – jetzt sind sie es nicht mehr.
Die Badebekleidung muss aus Kunststoff sein und darf bis zum Knie oder Ellenbogen reichen. Das ist auf Schildern am Bad-Eingang und am Becken zu lesen. „Eindeutige und klare Regeln sollten keinen Raum lassen für Missinterpretationen.“ Damit hat es sich dann aber auch: „Männer sind nicht gezwungen, eine enge Badehose zu tragen“, betont Golovina.
Weniger Kritik in Social Media als gedacht
Die von der Bad-Leitung erwartete Kritik an den neuen Regeln in den sozialen Medien fiel geringer aus als gedacht, und bezog sich oft – wohl aus Unwissenheit – auf die neuen Regeln in der Nachbarstadt Lörrach. „Wir haben mit mehr gerechnet“, gibt Golovina zu. Von den regelmäßigen Badbesuchern bekomme man zwar kein großes Lob, aber doch Anerkennung für den neuen Ansatz und dessen konsequente Umsetzung.
Die Reaktion der meist jungen Männer, wenn sie auf ihre falsche Bekleidung hingewiesen werden, sei meist ein Schulterzucken. Meist ohne Widerstand würden sie sich zur Umkleidekabine begeben. Manche fingen aber auch an zu diskutieren, ein Verhalten, dass sich bei Frauen weniger zeige. Unter Frauen hat Golovina aber auch einen neuen Trend ausgemacht: Sie trügen zunehmend auch Shorts und Bade-T-Shirts, sicher auch mit dem Wunsch, weniger von sich zu zeigen als im weit ausgeschnittenen Badeanzug oder Bikini.
Sicherheitsdienst erstattet regelmäßig Bericht
Ihre Beobachtungen halten Schwimmmeister und Sicherheitsbedienstete in regelmäßigen Berichten fest. So hofft die Bad-Leitung, eine Art Überblick zu erhalten über die Zahl von Vorfällen im Bad, seien es Konflikte oder aber auch bloße Ansprachen wegen falscher Bekleidung.
Apropos Sicherheitsdienst: Zum ersten Mal ist im Laguna in der Sommersaison Sicherheitspersonal im Einsatz. Einerseits sei es traurig, dass dies nötig ist. Für den Badbetreiber, die Laguna GmbH, die zum größten Teil der Stadt Weil am Rhein gehört, gehe die Neuerung außerdem mit erheblichen Kosten einher. Diese würden zur Zeit nicht an die Badegäste weitergegeben, betont sie.
Es gebe aber auch Vorteile. So fühlten sich Mitarbeiter und Badegäste sicherer. Dennoch gebe es Fälle, bei denen die Polizei hinzugerufen werden müsse: vor kurzem etwa bei einer Rangelei, die aus dem Ruder geriet und mit einem Verletzten endete (wir berichteten) oder bei einer Belästigung von Kindern durch ältere Jugendliche. Grundsätzlich werde die Polizei nur gerufen, wenn etwas Auffälliges oder Gefährliches vorfalle, sagt Golovina.