Bamberg hat nicht nur verborgene Reize Foto: picture alliance/dpa/Daniel Vogl

Lust auf Ortsveränderung? Genug gewandert vor der eigenen Haustür? Dann auf in fremde oder vertraute Städte, am besten aber mit frischem Blick. Den eröffnen die sechs neuen Städte-Reiseführer, die wir für Sie gelesen haben.

Stuttgart -

 

„Muss i denn zum Städtele hinaus“ fragt ein altes Volkslied. Nein heißt die Antwort für Reisefreudige: nicht hinaus aus der Stadt, sondern hinein in bekannte Metropolen und zu Unrecht übersehene Kleinode! Ab nach Hamburg, Bayreuth, Bamberg, Porto und in andere Ecken, die sich lohnen.

Entspannt ins Abseits

Charmante Städte für urbane Entdecker wollen die Autoren des Bandes „Lieblingsstädte“ vorstellen, dabei soll es entspannt zugehen, ungestört will man sich überraschen lassen. Richtig: Die ganz Großen – Berlin, Hamburg, Wien oder Zürich – fehlen in der Sammlung der 28 deutschen, österreichischen und Schweizer Städte. Frei von Touristenmassen sind aber längst nicht alle. Denn Basel, Salzburg oder Würzburg haben sich längst zu beliebten Städtereisezielen entwickelt. Dennoch ist die Mischung gelungen und Lübeck, Linz oder Bern erfüllen durchaus das Versprechen, „abseits der großen Zentren“ Interessantes zu bieten. Ob Dom, Printen und Bäder in Aachen oder Segler, Strände und Sprotten in Kiel, ob Deutschlands älteste Stadt Trier oder die kleinste Weltmetropole Genf, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Alle Städteporträts sind bilderreich, lesenswert und informativ aufbereitet. Auf jeweils 12 Seiten passt ein kompakter Stadtführer, durchaus tauglich für einen Wochenendbesuch und auf jeden Fall reichlich Stoff, um Appetit auf jede einzelne porträtierte Stadt zu machen.

Ulrich Kögerler (Hrsg.): Lieblingsstädte Reise Know-How, 360 Seiten, 20 Euro

Porto gelebt

Was passiert, wenn ein fränkischer Reiseverlags-Chef Portugal zur zweiten Heimat erklärt und sich mal eben in einer WG im Herzen von Porto einquartiert? Richtig: Dann entsteht ein Städteführer, bei dem der Untertitel „individuell reisen – vor Ort recherchiert und ausprobiert“ mit „selbst gelebt“ ersetzt werden darf. In gewohnt übersichtlicher Gliederung erschließt der Stadtführer Portugals zweitgrößte Stadt in acht Touren in der Stadt und einer im Umland, nachdem er zunächst mit Häppchen Wissenswertem und Sehenswertem Appetit gemacht hat, die Stadt am Douro zu erkunden. Die einzelne Touren sind abgeschlossene Kapitel, jeweils mit Karte(n), Bildern, Tipps und Infos und manchmal noch mit Hintergrundgeschichten zu japanischen Kamelienbäumen, deutschen Revolutionären oder portugiesischen Mikrobrauereien. Informationen zu Geschichte, Museen, Küche, Wein, Einkaufen, Übernachten finden sich im zweiten Teil „Nachlesen und Nachschlagen“, flankiert vom wohl bekanntesten portugiesischen Dichter Fernando Pessoa. Ein kleiner Sprachführer komplettiert das Ganze und rüstet den Leser und die Leserin für einen beliebig langen Porto-Besuch. Bloß hinfahren muss man noch selber.

Michael Müller: Porto

Michael Müller Verlag, 168 Seiten, 12,90 Euro

Städtetrips mit Adrenalin

Auch wenn das fröhliche Geduze darauf schließen lässt, dass die Autoren eher eine junge Zielgruppe im Blick haben – was hier an etwas anderen Städte-Tipps versammelt ist, findet vermutlich generationenübergreifend Fans. Oder welche wassersportliche Biertrinkerin wollten nicht schon immer mal durch einen Braukessel surfen? Das geht in Amsterdam. Und welcher geübte Globetrotter würde sich Mutproben wie dem Stink-Tofu-Test in Hongkong oder dem Katapult in einen Moment Schwerelosigkeit in Las Vegas verweigern? Fordern die doch eher souveräne Gelassenheit und ein gewisses Vertrauen in fremde Kochkünste und Ingenieurskunst als jugendlichen Leichtsinn. Wobei man für die Adrenalinkicks, Mutproben und Lachnummern nicht um den Globus jetten muss: Wie wäre es mit Abseilen vom Münchener Olympiazelt? Oder mit einem Vogelspinnen-Date in der Stuttgarter Wilhelma? Geisterstunde in Edinburgh? Zu den Vorschlägen für besondere Erlebnisse in den 12 Städten gibt es jeweils ein „wenn du schon mal da bist“ mit Einkehr und Ausblick, Geschichte und Geschichten. Vergnügliche Lektüre!

Jens Bey: Action Cities

Marco Polo, 160 Seiten, 12 Euro

Hamburg außer Hafen

Ohne Frage: Wer Hamburg besucht, kommt um Hafen, Reeperbahn und Elbphilharmonie nicht herum. Deshalb sind die 50 Mikroabenteuer, die das handliche aber gehaltvolle Bändchen vorstellt, nicht alles große Unbekannte. Doch nur mit den gesondert aufgelisteten Top Ten wird das bunte und vielgestaltige Bild der Großstadt, das die Autorin mit viel Herzblut und Hintergrund zeichnet, vollständig und das Buch taugt damit auch als klassischer Hamburgführer für Erstlinge. Die vielen kleinen Unbekannten machen es zum Blättervergnügen für Stammgäste und Bewohner – von denen nicht jeder die Geschichte vom verbotenen Bier aus Altona oder der Schwedenspeisung kennt oder schon die Frauenfreiluftgalerie, das müllfreie Café oder den Energieberg besucht hat. Die Auswahl der Mikroabenteuer ist gelungen, die Aufbereitung mit Beschreibung, Bildern und den wichtigsten Infos ebenso.

Bernadette Olderdissen: Hamburg 360 Grad Medien, 256 Seiten, 14,95 Euro

Die Kultur Frankens

Wer zu der Reihe „Reclams Städteführer“ greift, der sucht vermutlich nicht in erster Linie Tipps für den angesagtesten Nachtklub oder die heißeste Cocktailbar der Stadt. Denn ein gelber Reclamband steht für Kunst und Kultur, auch wenn er sich „Städteführer“ nennt. So auch der neueste Band „Bamberg, Bayreuth. Architektur und Kunst“ der Kunsthistorikerin Elisabeth Wünsche-Werdehausen. Er bietet auf kleinem Raum eine Fülle an Informationen zu diesen beiden bedeutenden Städten Frankens. Zwar liegt der Schwerpunkt auf der Kultur, dennoch bietet das Büchlein auch reichlich Vorschläge für Aktivitäten wie Rundgänge in den Städten oder Ausflüge in die nahe Umgebung. Ein Kulturkalender listet zudem die wichtigsten wiederkehrenden Ereignisse im Jahr auf, sodass man seinen Aufenthalt danach ausrichten kann.

E. Wünsche-Werdehausen: Bamberg, Bayreuth Reclams Städteführer, 164 Seiten, 12,80 Euro

Düsseldorfer Abstecher

Karneval, Königsallee, Altstadt und Altbier – das sind die ersten Stichworte, die einem zu Düsseldorf einfallen. Dann vielleicht noch Mode, Messe, Medienhafen und das war es dann. Noch viel mehr erleben können Städtebesucher mit dem neuen Eskapaden-Band für Düsseldorf. Der führt mit 52 großen und kleinen Ausflügen ins Umland, aber auch in unbekanntere Ecken der Stadt am Rhein. Mal geht es auf einen Bauerhof, samt Schlafen im Heu, mal zu Schildkröten und Wasservögeln und dann zu Waldspaziergang und Tretbootfahrt auf den Blauen See in Ratingen und in die Mystischen Auen der Urdenbacher Kämpe. Oder, mitten in der Stadt, in grüne Gartenanlagen, urige Altstadtviertel, auf Märkte, Friedhöfe, den Rhein. Man kann mit Bäumen kuscheln oder ins Mittelalter schweben, im Sonnenuntergang versinken oder in klare Seen springen und sich dafür wahlweise wenige Stunden (Abstecher), einen ganzen Tag (Ausflüge) oder ein Wochenende (Miniurlaub) Zeit nehmen. Neben Karten helfen GPX-Daten dabei, die interessantesten Seiten der Stadt zu finden.

Jessica Niedergesäß: Eskapaden Düsseldorf

Dumont, 232 Seiten, 16,95 Euro